«Ich finde es wichtig, dass wir experimentieren können»
Ustermer Stadtpräsidentin im Interview
Zum zweiten Mal fand der Green Desk Day in Uster statt. Dieses Mal im Bildungszentrum, allerdings kamen auch dieses Jahr nur wenige. Wir haben mit der Stadtpräsidentin über mögliche Gründe gesprochen.
Freitagmorgen, Jugendliche lärmen auf dem Pausenhof, im Hintergrund übt eine Sportklasse Speerwurf, und Metall kratzt über Beton.
An schwarzen Tischen und Stühlen vor der Mensa beim Bildungszentrum Uster haben einige wenige Erwachsene ihren Laptop aufgeschlagen und ihr Büro ins «Grüne» verlegt.
Einen Platz an der Sonne hat sich auch Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP) geschnappt. Auch sie ist an diesem Morgen ihrem Büro «entflohen» und nimmt am Green Desk Day teil.
Dieser findet bereits zum zweiten Mal statt. War das Büro letztes Jahr noch die Badi Niederuster, ist es jetzt der Platz vor der Mensa des Bildungszentrums Uster.
Frau Thalmann, wie erleben Sie Ihr heutiges Büro?
Barbara Thalmann: Ich mag den Ort, das Zusammentreffen verschiedener Generationen, von Jung und Alt. Hier ist etwas los, es wird diskutiert, Sport getrieben.
Können Sie denn da überhaupt arbeiten?
Kommt immer darauf an, was Sie unter Arbeiten verstehen (lacht). Es ist natürlich schon nicht das Gleiche wie im Stadthaus. Aber hier können die Menschen Beziehungsarbeit leisten, also «networken», und vielleicht kurze Sachen direkt vor Ort besprechen.
Wenn man einen Blick auf die Teilnehmenden wirft, so ist die Anzahl überschaubar.
Natürlich hätten wir und der Gewerbeverband Uster, der den Anlass mit organisiert hat, mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewünscht. Schliesslich findet der Anlass auch schon zum zweiten Mal statt.
Es ist nicht die erste Veranstaltung der Stadt Uster, die ein geringes Echo auslöst. Ich denke da vor allem an die Klimawochen. Betreibt Uster zu viel Aktivismus?
Nein, ganz und gar nicht. Vor allem der Green Desk Day ist keine Veranstaltung, die wir sehr gepusht haben, sondern die sehr niederschwellig ist. Gewisse Dinge brauchen aber einfach Zeit, um sich zu etablieren. Ich persönlich finde es wichtig, dass wir bei gewissen Sachen auch einfach mal experimentieren können.
Die letztjährige Premiere in der Badi war definitiv ein Experiment.
Und das Feedback kam an, es wurde nachgebessert. Heute gibt es ein funktionierendes WLAN, die Mensa mit der Kaffeemaschine ist gleich um die Ecke. Der Tag ist aus einer Idee heraus entstanden, die wir aufgegriffen und umgesetzt haben. Wir haben im Vorfeld nicht noch eine grosse Marktumfrage betrieben.
Wie es scheint, ist die Nachfrage jedoch nicht riesig. Wo sehen Sie mögliche Gründe dafür?
Wir stellen fest, dass die Menschen nach Corona grundsätzlich «träger» geworden und nicht mehr so einfach zu motivieren sind. Bei vielen Rückmeldungen, die uns in der Stadtverwaltung erreichen, wünschen sich die Leute dennoch mehr Begegnungen, die wir ja hier auch mit dem Green Desk Day schaffen.
Welche Konsequenz haben die wenigen Teilnahmen schliesslich?
Dass wir uns überlegen, was wir eigentlich erreichen wollen mit diesem Anlass. Wir werden die Situation beobachten und dürfen uns auch nicht alles grundsätzlich schlechtreden lassen. Weil, wie schon gesagt, es letztlich auch darum geht, auszuprobieren. Mich freut es, dass wir hier schnell und unkompliziert etwas Einfaches ins Leben rufen konnten.