Hinwil wehrt sich gegen mehr Zugtransporte durchs Dorf
Wegen Bäretswiler Kieswerk
Zwischen Hinwil und Bäretswil sollen bald mehr Züge fahren. Die Gemeinde hat Lärm- und Sicherheitsbedenken. Das zuständige Unternehmen relativiert.
Eigentlich herrscht auf dem Bahngleis zwischen Hinwil und Bäretswil vor allem an den Wochenenden Betrieb. Dann nämlich befördert der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland (DVZO) Passagiere für Nostalgiefahrten durch die Landschaft. Unter der Woche liegt das Gleis mehrheitlich still – bis jetzt.
Die Gemeinde Hinwil befürchtet, dass sich das wegen einer geplanten Kieswaschanlage in Bäretswil bald ändern wird. «Es muss davon ausgegangen werden, dass das Aushubmaterial über die alte Schienenverbindung zwischen Hinwil und Bäretswil angeliefert wird», schreibt sie in einer Mitteilung.
Emissionen und Sicherheitsbedenken
Die Schienen verlaufen in Hinwil mitten durch das Wohngebiet. «Im Falle eines Nutzungsausbaus wäre mit erheblichen Emissionen zu rechnen», heisst es weiter. Die Gemeinde rechnet mit mehr Lärm, Staub, Gerüchen und Vibrationen.
Ausserdem sei der Weiterbestand der rege genutzten und unbewachten Bahnübergänge infrage gestellt, und der Verkehrsfluss im Dorfzentrum könne behindert werden. Die Gemeinde verweist auf den kantonalen Richtplaneintrag zur geplanten Kiesgrube in Tagelswangen. Dieser sieht vor, dass der dort im Zusammenhang mit dem Bau des Brüttenertunnels abgebaute Kies zu 80 Prozent mit der Bahn abtransportiert werden soll.
Ziel der Transporte ist Bäretswil. Dort plant die Kies AG, ein Tochterunternehmen der FBB Gruppe aus Bauma, ebenjene neue Kieswaschanlage, die in Hinwil Bedenken auslöst. Im Januar hatte das Unternehmen den entsprechenden Gestaltungsplan Schürli vorgestellt.
Daraus geht hervor, dass täglich bis zu 2000 Kubikmeter Kies über das Bahngleis nach Bäretswil befördert werden. In der geplanten Kieswaschanlage soll künftig das Aushub- und Abbaumaterial aus Tagelswangen wiederaufbereitet werden.
Markus Ruff, Mitglied der Geschäftsleitung der Kies AG, relativiert auf Anfrage die geplante Beförderungsmenge. «Der Gestaltungsplan bezieht sich auf die absolute Maximalleistung der neuen Anlage.» Ob diese jemals nötig werde, hänge stark von der Abbaumenge in der Kiesgrube in Tagelswangen ab.
Zusätzliche Züge ab 2026
Aktuell geht Ruff davon aus, dass ab 2026 maximal täglich zwei sogenannte Ganzzüge zur Kieswaschanlage fahren werden. Dies entspricht zwei Güterzügen mit 16 Wagen und einem Gesamtgewicht von je 1000 Tonnen.
Wegen der Steigung nach Bäretswil müssen diese Zugkompositionen von zwei Lokomotiven gezogen werden. Inklusive der Rückfahrten sollen also täglich vier Fahrten durch Hinwil stattfinden. Durchgeführt werden die Transporte von der SBB Cargo.
Erst in einer zweiten Phase ab 2042 sei eine Steigerung möglich. «Dies hängt von der geplanten Leistung in Tagelswangen ab und davon, wo der restliche Kies hingeht», sagt Ruff. Wird die Maximalmenge von 2000 Kubikmetern tatsächlich erreicht, kommen auf Hinwil jeweils acht Durchfahrten mit Ganzzügen pro Tag zu. Die Laufzeit ist auf zehn Jahre beschränkt.
Wir dürfen den Zugang nicht einschränken.
Matthias Emmenegger
Geschäftsführer Sursee-Triengen-Bahn AG
«Wir verstehen die Bedenken», sagt Markus Ruff. Denn im Moment fahren nur alle zwei Wochen zwei Halbzüge mit acht Wagen und einer Lok von Hinwil nach Bäretswil. Hinzu kommen täglich ein oder zwei Zementtransporte, die aus lediglich einer Lokomotive und einem Wagen bestehen.
Verhältnismässig wenige zusätzliche Fahrten
Zuständig für das Bahngleis zwischen Hinwil und Bäretswil ist die Sursee-Triengen-Bahn AG. Geschäftsführer Matthias Emmenegger versteht zwar die Sorgen der Gemeinde, ihm sind aber die Hände gebunden: «Wir dürfen den Zugang nicht einschränken.»
Die Bahngesellschaft besitzt eine Konzession des Bunds für den Betrieb des Bahngleises. Das Prinzip sei ähnlich wie bei den Autobahnen, erklärt Emmenegger. «Jeder darf das Gleis nutzen.»
Er verweist zudem auf die geringe Anzahl zusätzlicher Fahrten und die Geschwindigkeit der Güterzüge. «Die Züge fahren maximal mit 20 bis 30 km/h.» Lärmschutzmassnahmen und eine Sanierung der unbewachten Bahnübergänge entlang der Strecke seien unter diesen Voraussetzungen unrealistisch. Die Lärmemissionen würden innerhalb der gesetzlichen Bestimmungen liegen, und die Sicherheitsvorschriften entlang der Strecke würden eingehalten.
Auch Wetzikon hat Bedenken
Der zusätzliche Betrieb auf der Kieswaschanlage löst allerdings nicht nur in Hinwil, sondern auch in Wetzikon Vorbehalte aus. Durch die Stadt sollen die Lastwagen beim Abtransport des Materials rollen. Die Planungskommission verlangt in einem Beschluss vom Dezember 2022, dass der Ausbau der Kapazitäten des Kieswerks keine Zunahme der Schwerverkehrsbelastung auf der Tösstalstrasse in Wetzikon gegenüber heute zur Folge haben darf.

«Die Stadt Wetzikon würde eine Kontaktaufnahme und ein Gespräch zu den aus ihrer Sicht kritischen Punkten in der Gestaltungsplanvorlage begrüssen», sagt Stefan Lenz (FDP), Stadtrat Hochbau und Planung. Sollte die Planungsvorlage genehmigt werden, würde die Stadt allfällige weitere Schritte prüfen.
Markus Ruff von der Kies AG sieht derzeit keine Möglichkeit für einen Abtransport per Bahn. «Das geht nicht, weil wir keine Verladestation in Bäretswil bauen können – wegen der Natur- und Waldschutzzone», erklärt er. Allerdings laufe noch eine Güterabwägung beim Kanton, ob der Bau nicht doch möglich sei. Sollte es dazu kommen, dürften auf Hinwil noch mehr Zugdurchfahrten zukommen.