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«Es ist eine legitime, aber chancenlose Idee»

In Greifensee betrachtet man die Fusion mit Uster nicht als realistische Option – schliesst sie aber auch nicht aus.

Komiteesprecher Martin Bornhauser und die Greifenseer Gemeindepräsidentin Monika Keller sehen keine Chance für eine Fusion.

Fotos: Nicolas Zonvi/Christian Merz

«Es ist eine legitime, aber chancenlose Idee»

Reaktionen auf Fusionspläne

Der Sprecher des Initiativkomitees Pro 8606 und die Greifenseer Gemeindepräsidentin zeigen sich überrascht vom Postulat der Ustermer Parteien. Eine Fusion zwischen Uster und Greifensee schliessen sie aber nicht per se aus.

Martin Bornhauser, Sprecher des Komitees Pro 8606, fällt aus allen Wolken, als er vom überparteilichen Postulat in Uster erfährt. In diesem fordert eine Mehrheit der Fraktionen des Gemeinderats den Ustermer Stadtrat auf, statt eine Abspaltung der Weiler Nänikon und Werrikon von Uster die Fusion der Gemeinde Greifensee mit der Stadt Uster zu prüfen.

«Wenn man diese Information von einem Journalisten erfährt, ist das der absolute Super-GAU», sagt der ehemalige SP-Stadtpräsident von Uster. «Das ist nicht die Art Politik, die mir liegt.» Ebenso überrascht zeigt sich die Greifenseer Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP) in einer ersten Reaktion. Auch ihr war das Vorhaben der Ustermer Parteien nicht bekannt.

Die Greifenseer können sich nicht mit einer Stadt identifizieren.

Monika Keller (FDP)

Gemeindepräsidentin Greifensee

Bornhauser wittert ein mögliches Störmanöver. Schliesslich erfolgt der Vorstoss nur einen Tag vor dem Start der Unterschriftensammlung seines Komitees für die mögliche Abspaltung der beiden Weiler. Er wundert sich, dass der Alternativvorschlag nicht schon früher eingebracht wurde. Denn diese Möglichkeit sei immer wieder zur Sprache gekommen.

Schwerer Stand in Greifensee

Den Inhalt des Postulats finden allerdings sowohl Bornhauser als auch Keller nicht grundsätzlich abwegig. «Ich stehe einer solchen Idee offen gegenüber», sagt Bornhauser, «aber ich finde sie nicht realistisch.» Es gelte jetzt, die Vor- und Nachteile zu prüfen. Monika Keller meint: «Es ist eine legitime, aber nach meiner Einschätzung chancenlose Idee.»

Als Begründung bringt die Gemeindepräsidentin gleich mehrere Argumente ein. Vor allem bei der Greifenseer Bevölkerung dürfte die Fusion einen schweren Stand haben. «Die Greifenseer können sich nicht mit einer Stadt identifizieren», sagt sie. «Wir sind dörflich geprägt.» Bornhauser gibt einer Fusion in einer allfälligen Volksabstimmung ebenfalls kaum eine Chance.

Nänikon und Werrikon seien eng mit Greifensee vernetzt. Es sei gemeinsamer soziokultureller Raum, meint Keller. «Die Jungen gehen zusammen an den See, die Näniker spielen eher im FC Greifensee als in Uster.»

Keine Notwendigkeit

Zudem sieht Monika Keller die Zweckmässigkeit nicht gegeben, mit der im Postulat argumentiert wird. Die Gemeinde Greifensee könne ihre Pflichten nicht vollumfänglich erfüllen und müsse Dienstleistungen auslagern, heisst es dort. «Das Grössenproblem bestünde auch mit einem Anschluss von Nänikon und Werrikon weiterhin.»

Ich bin froh, dass man die Alternative prüft.

Martin Bornhauser

Sprecher Komitee Pro 8606

Die Gemeindepräsidentin kontert: «Wir sind finanziell gut aufgestellt und sehen keine Notwendigkeit für eine Fusion.» Zwar seien gewisse Dienstleistungen wie die Ara oder die Kommunalpolizei tatsächlich an die Stadt Uster ausgelagert, bestätigt Keller. Aber auch mit Schwerzenbach und Volketswil arbeite die Gemeinde in Bereichen wie der Feuerwehr, dem Zivilschutz oder dem Zivilstandsamt zusammen. Das sei nicht ungewöhnlich bei einer mittelgrossen Gemeinde wie Greifensee.

Gelassenheit vor Stadtrat-Antwort

Letztlich stehe auch die Frage im Raum, welches Modell man bevorzuge, findet Keller. «Ich finde eine Gemeindegrösse bis 10’000 Einwohner angenehm.» Es sei aber eine berechtigte Diskussion, wie klein Gemeinden sein sollten. «Wir müssen für Lösungen offen sein.»

Der Antwort des Ustermer Stadtrats auf das Postulat schaut Komiteesprecher Martin Bornhauser gelassen entgegen. «Ich bin froh, dass man die Alternative prüft», sagt er. Ebenso entspannt bleibt für den Moment Monika Keller. Sie sagt aber auch: «Wir sind offen und orientieren uns am Souverän.»

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