«Bubikon braucht ein neues Schulzentrum»
Ein Jahr Gemeindepräsident
In seinem ersten Amtsjahr als Gemeindepräsident hat Hans-Christian Angele (FDP) vor allem eines gemerkt: In Bubikon muss kräftig investiert werden. Etwas, das in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt worden ist.
Herr Angele, Sie sind jetzt ein Jahr im Amt. Was ist anders als vorher?
Hans-Christian Angele: Im Gemeinderat hat sich einiges geändert. Jetzt sind wir ein Team und arbeiten gemeinsam. Vorher war es schon anders. Oft ging man eher mit einer etwas negativen Stimmung an die Sache heran, was dann auch die Zusammenarbeit erschwerte. Die neuen Gemeinderätinnen und Gemeinderäte haben einen anderen Geist ins Team gebracht. Das spürt man.
Aber Sie waren ja auch schon vorher im Gemeinderat. Haben Sie damals schon versucht, positiv Einfluss zu nehmen?
Ich kam über eine Ersatzwahl ein Jahr vor den nächsten Wahlen in ein bestehendes Gremium. Für einige war ich sicher nicht der Wunschkandidat. Ich habe mich daher primär auf die Arbeiten in meinem Ressort Hochbau und Planung konzentriert, das durch personelle Turbulenzen stark gefordert war.
Immer wieder war auch die personelle Situation in der Verwaltung ein Thema in den letzten Jahren. Es hat viele Wechsel gegeben. Und heute?
Auch da ist es uns gelungen, Ruhe und Professionalität hineinzubringen. Das gleiche Gefühl, die gleiche positive Stimmung wie im Gemeinderat spüre ich auch in der Verwaltung, die sehr gute Arbeit leistet. Und auch die Fluktuation bewegt sich völlig im normalen Rahmen.
Wie hat sich die Zusammenarbeit mit den politischen Parteien entwickelt?
Gut, ich bekomme durchwegs positives Feedback. Ein Beispiel: Bevor wir unsere Strategie und weitere Projekte der Bevölkerung präsentierten, haben wir uns mit den Parteipräsidenten getroffen und ausgetauscht. Das wird geschätzt. Ein regelmässiger, konstruktiver Austausch ist wichtig.
So weit, so gut: Aber Bubikon hat viel nachzuholen, was in den letzten Jahren versäumt wurde. Ich meine damit die drängenden Investitionen, die immer wieder zugunsten positiver Rechnungsabschlüsse aufgeschoben wurden. Wie wollen Sie das hinbekommen?
Das ist definitiv die grösste Herausforderung. Der Werkhof muss dringend saniert werden. Da werden wir als Erstes ein kleines Provisorium mit Containern erstellen müssen, weil wir gesetzliche Vorgaben zum Teil gar nicht mehr einhalten können. Das ist aber kurzfristig. Längerfristig müssen wir einen neuen Standort suchen. Am heutigen Platz sind wir im Konflikt mit den Schülerströmen zum Schulhaus, und das wollen wir nicht mehr.
Da sind wir schon beim nächsten Brocken: der Schulraumplanung.
Ja, genau, das ist grosser zentraler Bestandteil der Immobilienstrategie: Was machen wir mit der Schulinfrastruktur? Das Schulhaus Spycherwise ist Anfang der 1950er Jahre eingeweiht worden, Mittlistberg ist auch schon über 50-jährig. Es sind alles alte Gebäude, und man muss sich genau überlegen, ob Sanierungen oder Erweiterungen überhaupt noch Sinn machen. Die bessere Lösung wäre sicher ein neues Schulzentrum in der Spycherwise für alle Primarschulklassen und Kindergärten. Am Standort Mittlistberg könnten dann eine neue Dreifachturnhalle und ein neues Schwimmbad entstehen.

Das wird teuer.
Definitiv, wir reden hier von Investitionen von 60 bis 70 Millionen. Natürlich sind das erst grobe Schätzungen, die in der weiteren Planung vertieft werden müssen.
Kann man das ohne eine Steuererhöhung finanzieren?
Nein, ohne eine mindestens temporäre Steuererhöhung geht es nicht. Und das müssen die Stimmberechtigten natürlich wissen.
Wie sieht der Zeitplan aus?
Wir werden in der Dezember-Gemeindeversammlung mit einem Wettbewerbskredit vor die Bevölkerung treten und im Lauf des nächsten Jahrs den Wettbewerb lancieren. Es muss relativ schnell gehen. Vor allem das heutige Schwimmbad ist nicht mehr tauglich. Wenn dort etwas kaputtgeht, kann man es kaum noch reparieren.
Werkhof, Schulzentrum, Schwimmbad. Ist es wirklich nötig, das alles aufs Mal anzupacken?
Da werden wir nicht drum herumkommen. Man hat einfach sehr lange nichts gemacht. Das baden wir jetzt aus. Rückblickend muss man sagen, dass es halt immer einfach ist, nichts zu machen. Dann macht man sich auch keine Feinde. Aber jetzt ist der Druck zu gross.
Und was ist mit den Schulhäusern in Wolfhausen?
Auch die Schulanlagen in Wolfhausen werden wir sanieren und allenfalls erweitern müssen, aber dort sind wir noch nicht unter demselben Zeitdruck wie in Bubikon. In Wolfhausen werden wir vor allem auch die Schülerzahlen genau anschauen müssen, das prognostizierte Wachstum ist dort grösser als in Bubikon. Da müssen wir die Kapazitäten genau planen.

Ein anderes Thema: Welchen Rückhalt spüren Sie aus dem Volk?
Da bin ich sehr zufrieden. Wir haben zum Räumlichen Entwicklungskonzept letzten September einen öffentlichen Anlass und eine Online-Befragung durchgeführt. Am Anlass waren rund 70 Bürgerinnen und Bürger, und an der Befragung haben über 500 mitgemacht. Dabei wurden sehr viele konkrete Vorschläge eingebracht. Das zeigt mir, dass die Menschen hier engagiert sind und gerne mitreden.
Was ist dabei herausgekommen?
Ein Thema ist die Neugestaltung der öffentlichen Plätze und Räume, dass sie attraktiver werden, dass es neue Möglichkeiten gibt. Und auch, dass die Chilbi unbedingt mitten im Dorf bleiben muss. Eine Idee, sie allenfalls in Richtung Ritterhaus zu verschieben, kam nicht gut an.
Wo sehen Sie noch Entwicklungspotenzial in der Gemeinde?
In erster Linie am Bahnhof, auf der Seite Richtung Dürnten. Dort entsteht ein neues Quartier, und es gibt noch viele freie Flächen in der Gewerbe- und Industriezone. Wenn man dort auch öffentliche Interessen einbringen kann, sehe ich grosse Möglichkeiten. Aber dazu müssen wir auch die Durchlässigkeit am Bahnhof verbessern. Die heutigen beiden Unterführungen sind unbefriedigend.
Ausgerechnet in diesem Gebiet gibt es seit Kurzem zwei Restaurants weniger.
Ja, das ist wirklich ein Trauerspiel. Die «Rampe» wird Bubikon fehlen. Wir hoffen sehr, dass die Besitzer einen Begegnungsort erhalten wollen. Und vielleicht haben wir wenigstens im «Bahnhöfli» bald wieder ein Restaurant. Der Besitzer sucht jedenfalls einen neuen Pächter. Das lässt hoffen.
Lesen Sie hier die Artikel zum Abschied der Bubiker Kulturbeiz «Rampe» nach 30 Jahren sowie zum «Bahnhöfli», dessen Konzept nicht funktioniert hat und das einen neuen Pächter sucht.
Was hat sich für Sie persönlich verändert im ersten Amtsjahr?
Ich bin 65 geworden. Mein Leben hat sich stark geändert. Mein Pensum im Verband der Schweizerischen Gasindustrie habe ich auf 40 Prozent reduziert. Am Montag bin ich meist im Büro in Zürich. Immer am Mittwoch arbeite ich im Gemeindehaus, am Dienstag hüte ich meinen Enkel, und den Rest der Woche bin ich flexibel für die Gemeinde oder den Verband unterwegs. Immer am ersten Dienstag im Monat halte ich Sprechstunde von 18 bis 19.30 Uhr. Das hat sich bewährt, und ich erhalte immer wieder spannenden Besuch.
