Oberländer und Tösstaler Gemeinden kassieren über 300 Millionen
Profiteure des Zürcher Finanzausgleichs
Vom Zürichsee ins Oberland und Tösstal: Die Region profitiert vom kantonalen Finanzausgleich.
Jahr für Jahr ist im Kanton Zürich ein erstaunliches Phänomen zu beobachten. Oder kennen Sie den Unterschied zwischen Wasser und Geld? Letzteres fliesst aufwärts.
Quelle dieser speziellen Bewegung ist der innerkantonale Finanzausgleich. Dieser Austausch findet zwischen den finanzstarken und den ärmeren Zürcher Gemeinden statt. Erstere liegen unten an den Ufern des Zürichsees, und zwar an der Gold- ebenso wie an der Pfnüselküste. Zu Zweiteren gehören unter anderem die allermeisten Oberländer und Tösstaler Gemeinden.
Eine Milliarde im Umlauf
Jüngst hat das kantonale Gemeindeamt die Zahlen für diesen Finanzausgleich im Jahr 2024 publiziert. Auch wenn diese noch als provisorisch deklariert sind, ändern sie sich jeweils nur noch selten. Fast eine Milliarde Franken fliesst von den reichen zu den armen Gemeinden.
Genau genommen werden 986 Millionen Franken bei den 28 finanzstärksten Gemeinden abgeschöpft. Bei den 123 strukturschwächeren Gemeinden tröpfeln insgesamt 922 Millionen rein. Nur gerade neun Zürcher Gemeinden sitzen auf dem Trockenen und müssen weder einschiessen, noch erhalten sie einen sogenannten Ressourcenzuschuss. Zu diesen gehört als einzige Gemeinde in der Region neu nun Lindau.
Neben diesem Ressourcenausgleich werden unter den Titeln demografischer, geografisch-topografischer sowie Zentrumslastenausgleich noch weitere Millionen hin- und hergeschoben. Alle diese Zahlungen ergeben dann das Gesamttotal an Finanzausgleich.
Die Tabelle zeigt das Gesamttotal der Finanzausgleichszahlungen mit Ressourcenausgleich sowie den demografischen und geografisch-topografischen Sonderlasten-Ausgleichszahlungen. Tabelle: cb/dg Quelle: Kanton Zürich
In den Genuss des Zentrumslastenausgleichs kommen nur die beiden Städte Winterthur und Zürich. Letztere gehört beim Ressourcenausgleich, der sich aufgrund der Steuerkraft pro Kopf ergibt, zwar zu den Zahlern. Mit den Millionen aus dem Zentrumslastenausgleich gehört Zürich letztlich aber wieder zu den Geldbezügern.
Für einige Gemeinden überlebenswichtig
Alles in allem schwappt knapp ein Drittel der vorab am Zürichsee eingesammelten Milliarde ins Oberland und ins Tösstal hoch. Diese Gelder sind in manchen Gemeinden nicht nur willkommen, sondern ermöglichen deren finanzielles Überleben. Im Fall von Fischenthal machen sie beispielsweise rund einen Drittel der Einnahmen aus. Doch auch in Wetzikon oder Volketswil stammt etwa ein Sechstel der Einnahmen aus dieser Quelle.

Jean-Philippe Pinto (Die Mitte), Volketswiler Gemeindepräsident und Finanzvorsteher, zeigt sich über die Gesamthöhe überrascht. Immerhin erhält seine Gemeinde gut fünf Millionen Franken mehr als noch im Vorjahr. Gleichzeitig hält er jedoch fest, dass die Berechnung sich im Rahmen des Budgets 2023 bewege.
Sorgen bereitet ihm allerdings ein anderer Umstand: «Wir haben schon im Jahr 2023 mit dem Weggang einer bedeutenden juristischen Person gerechnet. Im Jahr 2024 wird uns dieses Steuersubstrat definitiv fehlen, daher sinkt die Volketswiler Steuerkraft, was zu einer massiven Erhöhung des Finanzausgleichs gegenüber der abgeschlossenen Rechnung 2022 führen wird.»
Positive Überraschung in Wetzikon
Wetzikon gehört zu den Gemeinden im Zürcher Oberland, die den Ressourcenausgleich jeweils zeitlich abgrenzen. «Für die Berechnung der Abgrenzung im Rechnungsjahr 2022 übernahmen wir als kantonales Mittel der Pro-Kopf-Steuerkraft die Schätzung des Gemeindeamts vom 9. Februar 2023, nämlich 3996 Franken. Definitiv liegt dieses Mittel nun gar bei 4014 Franken, was für uns eine zusätzliche Einnahme von 498'713 Franken zugunsten der Rechnung 2023 bedeutet. In diesem Sinn hat uns die Höhe positiv überrascht, da die knapp 500'000 Franken ziemlich genau einem Steuerfussprozent entsprechen», meint Wetzikons Finanzvorsteherin Sandra Elliscasis (FDP).
Im Rahmen ihrer Schätzungen liegen die Zahlen dagegen in Uster, wie Finanzvorstand Cla Famos (FDP) erklärt. Seine Stadt gehört im Kanton Zürich zu den zehn grössten Bezügern im Finanzausgleich. Mit Wetzikon, Rüti, Wald und Illnau-Effretikon ist die Region in dieser Liste ohnehin prominent vertreten.
Keine Überraschung bieten die Zahlen aus Zürich auch für Lindaus Gemeindepräsidenten und Finanzverantwortlichen Bernard Hosang (FDP), dessen Gemeinde nun keine Zahlungen mehr erhält: «Aufgrund unserer Berechnungen haben wir dies so erwartet.»
Nur zwei Gemeinden aus der Region zahlen ein
Maur und Greifensee sind die einzigen beiden Gemeinden in der Region, die beim Ressourcenausgleich zu den Einzahlern gehören. Dass Maur mehr in den Topf einzahlen müsse als noch für 2023 gerechnet, sei so geschätzt und «wie üblich als Rückstellung verbucht worden», erklärt Yves Keller (FDP), der als Gemeindepräsident auch für die Finanzen zuständig ist. «Die Abschöpfung 2024 wird rund sieben Millionen Franken betragen und machte knapp 10 Prozent des Gesamtaufwands 2022 aus.»

Positiv überrascht worden sei Maur jedoch von der Entwicklung vor einem Jahr. «Der unerwartet starke Anstieg des Kantonsmittels 2021 stellte eine Entlastung des Gemeindehaushalts im Finanzausgleich in Aussicht. Diese Entlastung wurde mit einer Steuerfusssenkung um zwei Prozentpunkte im Budget 2024 an die Steuerzahlenden weitergereicht», erklärt Keller.
Steuerschwache Region
Da das Kantonsmittel der Steuerkraft sich gemäss Prognose des Gemeindeamts in den nächsten Jahren leicht positiv entwickelt, erwartet er aber vom Finanzausgleich her «keine weiteren Impulse auf die Entwicklung des Steuerfusses».
Kantonsweit liegt Maur punkto Steuerkraft (Stand 2022) mit 5350 Franken an 22. Stelle. Über dem kantonalen Mittel (ohne die Stadt Zürich) von 4014 Franken liegen in der Region nur gerade noch Greifensee und Lindau. An zweitletzter Stelle ist Fischenthal zu finden. Dort hat die Gemeinde pro Einwohner gerade noch 1738 Franken eingenommen.
