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Seegräben will Licht statt Wärme

Seegräben lässt sich Energiesparmassnahmen etwas kosten. Die Strassenbeleuchtung wird auf LED umgestellt. Das spart extrem viel Energie.

Die Strassenbeleuchtung in Seegräben – hier im Ortsteil Sack – wird ganz auf LED umgestellt.

Foto: Christian Brändli

Seegräben will Licht statt Wärme

Neue Beleuchtung

Die Gemeinde Seegräben wird mit der Umstellung der Strassenbeleuchtung auf LED viel Energie sparen. Dafür werden 180'000 Franken investiert.

«80 Prozent der Energie der heutigen Lampen sind reine Wärme», meinte Hochbauvorstand Reto Gasser (SVP) an der Seegräbner Gemeindeversammlung vom Dienstag. Das ist mit ein Grund, warum der Gemeinderat für 180'000 Franken die öffentliche Beleuchtung in der Gemeinde auf LED umrüsten will.

Einsparung um bis zu 85 Prozent

Gasser führte den 47 anwesenden Stimmberechtigten vor Augen, wie gross der heutige Energiebedarf für die 195 Leuchtstellen ist: Die 41 Megawattstunden entsprechen dem Jahresverbrauch von neun Einfamilienhäusern. Ein Problem sei auch, dass heute standortgenaue Beleuchtungszeiten nicht möglich seien.

Stelle die Gemeinde auf LED-Leuchten um, könnten bis zu 85 Prozent des heutigen Energieverbrauchs eingespart werden, unter anderem auch durch die neue Möglichkeit, das Licht zu dimmen.

Schwache Strassenbeleuchtung mit viel Dunkelheit.
Im Seegräbner Quartier Grossweid wird die Beleuchtung erst im Jahr 2024 ersetzt.

In einem ersten Schub sollen nun 133 der heutigen Leuchtstellen umgerüstet werden. Das Quartier Grossweid soll im Jahr 2024 folgen. Dann wird dort ohnehin die Strasse komplett saniert.

Während an den meisten Orten eine moderne Lampe angebracht werden soll, ist für das ortsbildgeschützte Dorf der Einsatz der «Nostalgieleuchte Baden» vorgesehen. Diese unterscheidet sich nicht nur von der Form her, sondern strahlt auch ein optisch wärmeres Licht aus.

Licht zieht Käufer an und schreckt Diebe ab

Dem in der Diskussion vorgebrachten Wunsch nach Mitsprache bei der Bestimmung der Helligkeit der einzelnen Lampen setzte Gasser Grenzen. Zwar könnten Wünsche angebracht werden, doch gebe es aus Sicherheitsgründen bestimmte Mindestwerte, die eingehalten werden müssten. Durch verschiedene Aufsätze sei es aber möglich, den Streubereich der betreffenden Lampe zu steuern.     

Blick auf das grosse Areal der Autoshow Aathal mit vielen Autos, die zum Verkauf stehen.
Das Areal der Autoshow Aathal wird nachts jeweils fast taghell erleuchtet.

Unter dem Stichwort Lichtverschmutzung wurde auch die helle Beleuchtung des Areals der Autoshow in Aathal angesprochen. Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) meinte dazu, dass diese Helligkeit der Sicherheit diene.

So habe sich an einem anderen Standort des Betreibers gezeigt, dass die Zahl der Beschädigungen und Diebstähle in die Höhe gesprungen sei, als an jenem Ort die Beleuchtung reduziert worden sei. Zudem habe der Autoverkäufer betont, dass die Beleuchtung auch einen verkaufsfördernden Effekt habe: Offenbar würden Interessierte nach einer nächtlichen Besichtigung online zum Kauf schreiten.

Parkleitsystem wird noch ausgebaut

Den Kredit für die Umstellung auf LED hiessen die Versammlungsteilnehmer ebenso einstimmig gut wie die anderen Vorlagen. So passierte die Abrechnung für die neue Toilette bei der Badi Seegräben wie jene für das Parkleitsystem und das Parkplatzmanagement beim Gemeindehaus.

Einfahrt zu einem Parkplatz mit Schranke und Parkleittafel.
Am neu gestalteten Parkplatz beim Gemeindehaus zeigt eine Leuchte an, wie viele Parkplätze noch frei sind. Diese Tafel ist Bestandteil des Parkleitsystems.

Die bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Parkleitsystem seien gut, meinte Sicherheitsvorstand Michael Berchtold (Gewerbeverein). Dazu hielt er fest, dass zwei Anzeigetafeln an Standorten auf Pfäffiker und Wetziker Boden noch folgen würden. Für diese müsse Seegräben nichts bezahlen.

Zu keinen Diskussionen Anlass gab auch die Jahresrechnung der Politischen Gemeinde. «Es war ein sehr gutes Jahr», konstatierte Finanzvorstand Patrik Jenal (SVP). So schloss die Rechnung um über 800'000 Franken besser ab als budgetiert. Ausserdem konnte die Eigenkapitalquote von 45 auf 51 Prozent gesteigert werden. «Ein schöner Wert, vor allem wenn er mit der Quote der CS verglichen wird», konnte sich der Banker nicht verkneifen.

Die Brücke wird konkreter

Pezzatti, der neben dem Gemeindepräsidium auch das Ressort Tiefbau und Planung führt, gab schliesslich noch Einblick in die Gesamtrevision des Richtplans Verkehr. Die Zahl der Änderungen hält sich in überschaubarem Rahmen. Auch während der öffentlichen Auflage gingen nur sieben Einwendungen ein, von denen drei Berücksichtigung fanden.

Eine Visualisierung einer Brücke über das Aatal.
Im Herbst wird der Gemeinderat Seegräben die jüngsten Pläne für eine Fuss- und Radwegbrücke über das Aatal vorstellen. Mit dem Bau sollen die beiden Ortsteile Sack und Seegräben besser miteinander verbunden werden.

Der Planungsvorstand stellte aber für die nun im Richtplan eingetragene Fuss- und Velobrücke übers Aatal Neuigkeiten in Aussicht. So findet im Herbst ein Informationsanlass statt, an welchem mehr zur Architektur und zur Finanzierung des Grossvorhabens zu erfahren ist. Noch Anfang Jahr ist mit Kosten von gut 6 Millionen Franken gerechnet worden. Und an der Dezember-Gemeindeversammlung soll dann über einen Planungskredit für die Brücke entschieden werden.     

Ein Schlussstrich und Applaus

Ausserhalb der eigentlichen Gemeindeversammlung kam Sozialvorständin Nicole Fuchs (parteilos) auf die «berühmteste Wohnung von Seegräben» zu sprechen. Damit meinte sie die Schlagzeilen vor vier Monaten, die der Entscheid des Gemeinderats ausgelöst hatte, einem Mieter einer unternutzten Wohnung zu kündigen, um darin Flüchtlinge unterzubringen.

Was damals auf den Gemeinderat eingeprasselt sei – zahlreiche Beschimpfungen und zum Teil auch Drohungen insbesondere an die Adresse des Gemeindepräsidenten und des Finanzvorstands –, habe die Exekutive sehr betroffen gemacht und stark belastet.

Freiheitstrychler und Rechtsextreme demonstrieren vor dem Gemeindehaus Seegräben.
Der Gemeinderat Seegräben wurde nach einer Wohnungskündigung beleidigt und bedroht. Im Bild eine Protestaktion vor dem Gemeindehaus, bei der Freiheitstrychler und Angehörige der rechtsextremen Jungen Tat aufmarschierten.

«Wir haben die Sensibilität des Entscheids unterschätzt – und nicht jeder Kommunikationsschritt war geschickt», ergänzte sie. Der Gemeinderat habe seine Lehren gezogen. Heute findet nun regelmässig ein Abgleich der Aufnahmezahlen von Asylbewerbern statt. «Im Moment können wir die Vorgaben erfüllen.»

Gefreut hätten den Gemeinderat die vielen Solidaritätsbezeugungen aus der Gemeinde in dieser schwierigen Zeit, meinte Fuchs. Nun ziehe er einen Schlussstrich unter die Sache. Die versammelten Seegräbner bezeugten das Vertrauen, das sie ihrer Exekutive entgegenbringen, mit einem kräftigen Applaus.

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