Bürger empfehlen Ja zur Schulhaus-Aufstockung
Gemeindeversammlung Zell
Das Schulhaus Engelburg in Rikon darf wachsen – zumindest, wenn es nach der Gemeindeversammlung geht. Bevor es mit der 14 Millionen schweren Erweiterung losgehen kann, muss das Geschäft aber noch an die Urne.
An der Gemeindeversammlung Zell standen zwei Traktanden auf dem Programm. Neben der Jahresrechnung galt es den Baukredit über 14,4 Millionen Franken für die Aufstockung des Sekundarschulhauses Engelburg vorzuberaten.
Hintergrund sind die seit Längerem steigenden Schülerzahlen. Bereits heute nutzt die Gemeinde Provisorien, um dem Platzbedarf gerecht zu werden. Bis ins Schuljahr 2027/2028 soll die Anzahl Schulkinder noch einmal stetig ansteigen, von heute rund 190 auf 250 Schülerinnen und Schüler. «An diesen Zahlen orientiert sich das Projekt», betonte Markus Kernen (BGV), Vorsteher des Ressorts Liegenschaften.
Im vergangenen Herbst hatte die Versammlung bereits einen Planungskredit von 1,1 Millionen Franken gutgeheissen. 78 Stimmberechtigte nahmen am Montagabend die Möglichkeit wahr, das ganze Vorhaben vor dem Urnengang zu diskutieren.
Sanieren und aufstocken
Nachdem das Vorprojekt 2021 abgeschlossen worden war, zog man wegen der hohen Kosten auch andere Standorte in der Gemeinde in Betracht. Anfang 2022 bekannten sich Gemeinderat und Schulbehörde schliesslich zur Aufstockung des bestehenden Schulareals als beste Variante.
«Eine Aufstockung ist übersichtlicher, kompakter und sorgt dafür, dass kein zusätzlicher Freiraum auf dem Pausenplatz verbaut wird», sagte Bauherrenbegleiter Rainer Stotz.
Platzmangel auf dem Areal in Rikon war denn auch einer der Gründe, die gegen einen Neubau gesprochen hatten.

Parallel zur Erweiterung sind Sanierungsmassnahmen im alten Teil des Schulhauses geplant: Anpassungen im Erdbeben-, Hochwasser- und Brandschutz etwa. Auch der Engelburgsaal soll optisch und technisch aufgewertet werden.
Die Pläne für die Aufstockung stammen aus der Feder des Winterthurer Architekturbüros Lattmann. Vorgesehen ist ein zweigeschossiger Holzbau. «Ein solcher ist nicht nur nachhaltiger, wir profitieren damit auch von einer kürzeren Bauzeit», erklärte Rainer Stotz.
Nachhaltig soll es sein
Einmal erweitert, soll das Schulhaus verschiedene zusätzliche Räume bieten: fünf neue Klassenzimmer, drei grosse Gruppenräume sowie Spezialzimmer für Fächer wie Naturkunde und Werken.
Eine offene «Pausenhalle» reicht über beide Geschosse und kann ausserhalb der Pausen auch für Gruppenarbeiten genutzt werden. Der Zugang zum Schulhaus wird über ein neues Treppenhaus mit Lift auf der Südseite erfolgen.
Stotz betonte denn auch, im neuen Schulhaus sei alles einfach gehalten und «nichts vergoldet». Auch in der Gebäudetechnik strebe man einen vernünftigen Standard, nicht aber «den neuesten Gag» an.

Doch nachhaltig soll es sein: Auf dem Dach des Schulhauses sind Solarpanels geplant, beheizt wird das Gebäude mit einer Luft-Wärmepumpe und Fernwärme aus dem Holzenergieverbund. Zudem strebt man eine Minergie-Zertifizierung für das Gebäude an.
Nach der Präsentation der Pläne sollte es schliesslich um die Zahlen gehen: 14,4 Millionen Franken kostet das ganze Vorhaben. Knapp 10 Millionen davon fallen für die Aufstockung an, 3,7 Millionen für die Sanierung des bestehenden Teils.
«Warum ist das so sauteuer?»
Mit dem Restbetrag von rund 1,3 Millionen Franken finanziert die Gemeinde die nötigen Provisorien und Umgebungsarbeiten. Das Schulhaus kann nämlich nicht, wie anfänglich angenommen, während des Schulbetriebs aufgestockt werden. Der bereits gesprochene Planungskredit von 1,1 Millionen Franken ist in dieser Summe nicht enthalten.
Den grossen Geldbetrag kritisierte die Rechnungsprüfungskommission (RPK) denn auch in ihrem Abschied. Man habe intensiv mit dem Gemeinderat diskutiert, betonte RPK-Präsident Michael Stahel (FDP). «Die Hauptfrage, die wir uns gestellt haben, war, wie Sie sich denken können: ‹Warum ist das so sauteuer?›»






Rainer Stotz lieferte gleich mehrere Antworten: Da ist zum einen das im Vergleich zum Vorprojekt um 2000 Kubikmeter gestiegene Bauvolumen. «Hinzu kommen die massive Bauteuerung und die zusätzlichen Massnahmen am bestehenden Schulhaus, die wir nicht vorhergesehen haben», sagte Stotz.
Weiter kritisierte die RPK, dass «seitens des Gemeinderats nicht die ultimative Sorgfalt in die Planung der jüngsten Projekte eingeflossen ist». Das habe man aber mit professioneller Unterstützung in der Person von Rainer Stotz korrigiert.
Also hielt Stahel fest: «Der Bedarf ist mehr als da, man muss etwas machen. Und die günstigere Variante ist auch nicht optimal, und man würde erst noch den Planungskredit in den Sand setzen.» Plan B wäre ein Modulbau. Auch diesen müssten die Bürger wegen der hohen Kosten an der Urne absegnen.
Steuererhöhung nicht ausgeschlossen
Ein Votant wollte schliesslich wissen, wie man einen Nachtragskredit, wie er bei der Sanierung des Gemeindehauses notwendig geworden sei, vermeiden wolle. «Wir sind dieses Projekt vertiefter angegangen als das Gemeindehaus. Uns erwarten keine Überraschungen mehr betreffend Hochwasserschutz, und auch sonst ist alles eingerechnet», sagte Markus Kernen.
Nichtsdestoweniger schien etwas Unsicherheit mitzuschwingen. Ein Votant verlangte, analog dem Reporting beim Hochwasserschutz, dass die Gemeinde künftig in jeder Versammlung Rechenschaft über die aktuellen Fortschritte bei Planung und Bau der Schulhaus-Erweiterung ablegt. Die Anwesenden nahmen den Antrag an.
Eine Frage aus dem Publikum widmete sich dem Einfluss der Erweiterung auf den Steuerfuss. «Damit sich unser heutiges Nettovermögen pro Einwohner nicht in eine Nettoschuld kehrt, ist nicht auszuschliessen, dass wir in den nächsten Jahren auf Mehreinnahmen in Form von höheren Steuern angewiesen sind», sagte Finanzvorsteher Stefan Deinböck (FDP).
Das scheint die Stimmberechtigten aber nicht abgeschreckt zu haben: Sie stimmten mit 67 zu 6 Stimmen bei einer Enthaltung für die Schulhaus-Aufstockung. Das Projekt kommt dementsprechend am 3. September mit einer Ja-Empfehlung an die Urne.
