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Illnau-Effretikon soll dunkler werden

Die Stadt Illnau-Effretikon hat punkto Lichtverschmutzung Verbesserungspotenzial. Wo genau, wird nun gesucht.

Wie viel Licht ist genug? Der Stadtrat von Illnau-Effretikon nimmt sich der Frage der Lichtverschmutzung an. Hier die Beleuchtung beim Parkplatz an der Hinterbüelstrasse.

Foto: Christian Merz

Illnau-Effretikon soll dunkler werden

Parlament überweist Postulat

Zu viel Licht in der Nacht schadet Tier und Mensch. Der Stadtrat von Illnau-Effretikon will nun prüfen, ob es mit weniger geht.

In leicht gelichteten Reihen hat sich das Stadtparlament am Donnerstag der Frage angenommen, wie viel Licht es in Illnau-Effretikon nachts braucht.

Den Anstoss dazu gegeben hat ein Postulat von Arie Bruinink (Grüne). Darin lädt er den Stadtrat ein, zu prüfen, was neben der bereits laufenden Umstellung der Strassenbeleuchtung auf LED noch getan werden kann, um Energie zu sparen und die Lichtverschmutzung zu reduzieren.

«Wir haben ein Insektensterben, unter anderem wegen der Lichtverschmutzung», hielt Bruinink fest und zeigte im Parlamentssaal Bilder, die «wohl nur noch die ältere Generation kennt»: Strassenlaternen, die von Mücken umschwirrt werden, und Autoscheiben, die von toten Insekten übersät sind.

Verbesserungspotenzial vorhanden

Er plädierte dafür, dass auch die Stadt dafür schauen soll, dass es nachts nur noch dort Licht gibt, wo es nötig ist. In erster Linie heisse das, Licht abzuschalten. Dann könne aber auch gedimmt werden, oder Bewegungsmelder könnten angebracht werden. Und vor allem könne das Licht reduziert werden mit weniger hohen Masten und kleineren Abstrahlwinkeln.

Tiefbauvorstand Eric Schmausser (GLP) gestand ein, dass es in Illnau-Effretikon tatsächlich noch Verbesserungspotenzial gibt. Mittlerweile seien bereits 45 Prozent der Strassenbeleuchtung auf LED umgerüstet. So gesehen sei hinsichtlich Energieverschwendung schon viel getan. Es gelte daher, sich auf das Problem der Lichtverschmutzung zu konzentrieren.

Orange statt weiss

Diese Einschätzung wurde von den meisten Parteivertretern geteilt. Und dann ging ein blendender Lichtstrahl durch den Saal. Hansjörg Germann (FDP) hatte seine Velolampe ausgepackt. Er plädierte dafür, doch statt des kalt-weissen und gleissend hellen Lichts von aktuellen LED-Lampen auf angenehmeres oranges Licht zu wechseln. Dies gebe es mittlerweile auch in LED-Ausführung.

Parkplatz und Strasse mit Beleuchtung.
Oranges Licht wirkt wärmer und angenehmer. Im Bild ist die Hinterbüelstrasse beim Bahnhof Effretikon zu sehen.

Während Annina Annaheim namens der SP daran erinnerte, dass bei der ganzen Übung auch dem Sicherheitsempfinden der Bevölkerung Rechnung getragen werden müsse, mahnte Kilian Meier (Die Mitte) zur Verhältnismässigkeit. Damit meinte er insbesondere, dass Massnahmen dort umgesetzt werden sollen, wo ohnehin die Beleuchtung erneuert wird. Sonst werde es zu teuer.

Nur SVP dagegen

In der Diskussion hielt nur Luc Jacquat (SVP) entgegen: «In diesem Postulat wird über Dinge gesprochen, die bereits heute umgesetzt werden.» Ein Forcieren von weiteren Umstellungen sei zu teuer. Und sowieso: Die Strassenbeleuchtung werde an vielen Stellen ohnehin vom Kanton gesteuert.

So sprach sich nur seine Fraktion gegen die Überweisung des Postulats aus. Die grosse Mehrheit forderte den Stadtrat auf, sich an die Arbeit und damit Illnau-Effretikon eine Spur dunkler zu machen.

Kein Bedarf für weitere Antennenregeln

Mit seinem zweiten Anliegen lief Bruinink im Parlament dagegen auf. Ihm schwebte vor, dass in der Bau- und Zonenordnung zusätzliche Regelungen bezüglich Platzierung von Mobilfunksendeanlagen eingeführt werden. Angesichts der zu erwartenden Opposition gegen diesen als Motion eingereichten Vorstoss wollte er es in ein Postulat abschwächen.

Hochbauvorsteherin Rosmarie Quadranti (Die Mitte) gab aber zu verstehen, dass sie auch damit nichts anfangen kann. Das gebe nur Arbeit für die Verwaltung, bringe aber in der Praxis nichts. Im Dialog mit allen Beteiligten werde bei der Bewilligung von neuen Standorten schon das Beste gemacht.

Unklare Zielsetzung, überflüssig, zu einengend, so hallte es aus dem Parlament. Nur gerade die zwei Postulanten hielten an ihrem Vorstoss fest. Die übrigen Parlamentarier lehnten das Ansinnen ab.   

Das «süsse Gift»

Als erstes Traktandum stand am Donnerstag die Rechnung 2022 an. Angesichts des Rekordergebnisses von 13,3 Millionen Franken Gewinn war das Diskussionsbedürfnis klein.

Zwar scheiterte ein Antrag, gleich zur Schlussabstimmung zu schreiten, doch das Geschäft wurde dennoch in rekordverdächtig kurzer Zeit abgewickelt.

Finanzvorstand Philipp Wespi (FDP) erinnerte sich: «Es ist tatsächlich schon einmal vorgekommen, dass es bei einer Rechnungsberatung direkt zur Schlussabstimmung ging.» Doch er schätzte es, wenigstens kurz die wichtigsten Punkte ansprechen zu können.

Visualisierung des geplanten Neubaus der Häusermann Volvo-Garage in Illnau.
Neubauten – hier eine Visualisierung der Häusermann Volvo-Garage in Illnau – und Handänderungen haben der Stadt Illnau-Effretikon im Jahr 2022 sehr hohe Grundstückgewinnsteuern eingebracht.

Und dazu gehörte das «süsse Gift». So bezeichnete er die Grundstückgewinnsteuern, die im letzten Jahr besonders reichlich gesprudelt waren und zum Rekordabschluss beitrugen. Süss sei diese, weil jeweils vor allem die hohen Einnahmen gesehen würden. Bitter werde es dann aber, wenn die Stadt später für die Erschliessungs- und weitere Infrastrukturkosten geradestehen müsse, welche als Folge von Neu- oder Umbauten anfallen würden.    

Zudem mahnte er, dass nun grosse Investitionen anstünden. Zwar habe die Stadt jetzt ein gutes finanzielles Fundament bilden können: «Doch der Schuldenzuwachs wird kommen.»

Die Geschäfte der Sitzung

In einer persönlichen Erklärung kritisierte Thomas Schumacher (SVP), dass der ganze Tobelweg für 160'000 Franken eine neue Oberfläche erhalten soll. Die Erneuerung ist seines Erachtens in der einen Hälfte gar nicht notwendig.


In einer Fraktionserklärung der Mitte bedauerte Matthias Müller die lückenhafte Kommunikation bei der Einführung des E-Scooter-Pilotbetriebs. Von der Trotti-Betreiberin Voi erwartet er, dass diese die 15 definierten Standplätze für die Gefährte auf dem Stadtgebiet in ihrer App einzeichnet.


Für die beiden Ratsmitglieder Stefan Hafen (SP) und Roland Wettstein (SVP) war die Sitzung vom 15. Juni die letzte.


Die Jahresrechnung 2022 der Stadt Illnau-Effretikon wurde einstimmig genehmigt.


Das Postulat betreffend Reduktion der Lichtverschmutzung und Energieverschwendung wurde gegen die Stimmen der SVP grossmehrheitlich überwiesen.


Die in ein Postulat umgewandelte Motion betreffend Anpassung der BZO bezüglich Mobilfunksendeanlagen wurde grossmehrheitlich abgelehnt. Nur die Grünen stimmten für ihren Vorstoss.

 

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