Oberländer Gemeinden sparen weiter
Trotz Winter ohne Energieknappheit
Bei hohen Temperaturen denkt kaum jemand mehr ans Energiesparen. Doch der nächste Winter kommt bestimmt. Dessen sind sich auch die Gemeinden und Städte bewusst.
Tiefere Temperaturen in öffentlichen Gebäuden, verkürzte Brenndauer von Strassenlampen, konsequentes Abschalten von Computern oder Druckern – die Listen der Massnahmen, welche die Gemeinden im vergangenen Herbst gegen die drohende Energieknappheit ankündigten, ähnelten sich weitgehend.
Nun, da sich die Heizperiode definitiv dem Ende zuneigt, haben manche Gemeinden bereits die Aufhebung der Massnahmen angekündigt. So etwa die Stadt Dübendorf: «Die Ereignisorganisation wurde damit beauftragt, die gewonnenen Erkenntnisse in die Vorsorgeplanung einfliessen zu lassen.» Man werde die Situation weiter beobachten und im Herbst prüfen, ob erneut Sparmassnahmen ergriffen werden müssten.
Massnahmen werden beibehalten
Es gibt aber auch Gemeinden und Städte, die an allen Massnahmen festhalten – offenbar sogar in der Mehrheit. «Die Reduktionen werden akzeptiert und haben keine nennenswerten Auswirkungen auf den Betrieb der jeweiligen Nutzergruppen», sagt der Pfäffiker Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma. Im Quartalsvergleich 2021 und 2022 konnte der Gasverbrauch je nach öffentlichem Gebäude um bis zu 30 Prozent reduziert werden.
Auch die Bevölkerung wurde im letzten Herbst zum Energiesparen aufgerufen. Wie die Oberländerinnen und Oberländer das erlebt haben und welche Massnahmen sie auch weiterhin befolgen, sehen Sie hier im Video.
Auch beim Gasabsatz der Gemeindewerke Pfäffikon sind die Zahlen deutlich: Wurden 2021 noch rund 32,5 Millionen Kilowattstunden verkauft, waren es 2022 nur noch rund 24,6 Millionen Kilowattstunden. Die Verantwortlichen führen dies vor allem auf die Sparmassnahmen ihrer Grosskunden, die milde Witterung sowie die Umstellung von Ölheizungen auf Alternativen zurück.
Eine vorzeitige Abschaltung der Strassenbeleuchtung war in Pfäffikon von Anfang an kein Thema, da die Beleuchtung der Gemeindestrassen bereits vor einigen Jahren auf LED umgestellt wurde. Dadurch ist der Energieverbrauch bereits deutlich geringer als früher.

Anders in Wetzikon. Während es in den meisten Gemeinden, die ein früheres Ausschalten der Strassenbeleuchtung beschlossen hatten, kaum Rückmeldungen gab, war die Empörung in der Stadt gross. Seit einer Zwischenbilanz des Stadtrats im November 2022 brennen die Strassenlampen wieder bis Mitternacht und werden nicht bereits um 23 Uhr ausgeschaltet.
«Es ist geplant, die öffentliche Beleuchtung im nächsten Jahr komplett auf LED umzustellen und mit einer intelligenten Steuerung auszurüsten», sagt Christine Walter Walder (Grüne), Stadträtin Sicherheit und Sport. «Damit können gesamthaft 70 bis 80 Prozent Energie eingespart werden.» Dieser Prozess wurde aber unabhängig von der Energieknappheit bereits früher in Gang gesetzt.
In Wetzikon wurde im Herbst zudem die Maximaltemperatur für das Warmwasser in den Schulen und den Verwaltungsgebäuden reduziert. Dies ist die einzige Energiesparmassnahme in der Stadt, die inzwischen wieder rückgängig gemacht wurde.
Sechs Haushalte «eingespart»
Ähnlich sieht es auch in Illnau-Effretikon aus, wo die Massnahmen grundsätzlich weiterlaufen. «Als Energiestadt Gold sind gute Ideen zur sinnvollen Nutzung von Energie immer willkommen», sagt Stadtschreiber Peter Wettstein.

Beispielsweise wurde die Storensteuerung im Stadthaus abends und am Wochenende neu programmiert. Während der Heizperiode werden die Storen abends geschlossen und dienen als zusätzliche Wärmedämmung. «Scheint am Wochenende die Sonne, fahren die Storen hoch und lassen die Wärme ins Gebäude», erklärt Wettstein. «Das senkt den Heizwärmebedarf deutlich.»
Insgesamt konnten durch die Umsetzung der vielen Einzelmassnahmen rund 25'000 Kilowattstunden eingespart werden. «Das entspricht etwa dem Jahresverbrauch von sechs durchschnittlichen Haushalten.»
Lage bleibt angespannt
In Uster wurden seit Anfang Oktober 2022 bis Ende Januar 2023 jeden Monat rund 18 bis 21,4 Prozent weniger Gas verbraucht als im Vorjahr. «Es ist davon auszugehen, dass die Lage bei der Gasversorgung noch mindestens ein bis zwei Jahre angespannt bleibt», teilte der Stadtrat bereits Ende März mit.
Deshalb hat er ebenfalls beschlossen, die Massnahmen fortzusetzen. Konkret bedeutet dies, dass auch die Wassertemperatur im Hallenbad, die im Herbst in allen Becken um ein Grad gesenkt wurde, vorerst nicht wieder erhöht wird.
Einzig das Wasser in den öffentlichen Brunnen, die vorübergehend abgestellt worden waren, fliesst seit April wieder. «Damit stehen der Bevölkerung Trinkwasser- und Abkühlungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum zur Verfügung.»

In Rüti bleibt man den Energiesparmassnahmen ebenfalls treu. Beim Stromverbrauch von Oktober 2022 bis April 2023 konnten allein im Gemeindehaus im Vergleich zur Vorjahresperiode 9 Prozent beziehungsweise 7800 Kilowattstunden eingespart werden. «Die Einsparungen sind auf Betriebsoptimierungen und ein angepasstes Nutzerverhalten zurückzuführen», sagt Sven Hegi, Leiter Bereich Hochbau.
Beim Wärmeverbrauch konnten im gleichen Zeitraum sogar 40 Prozent oder 70'000 Kilowattstunden eingespart werden. Vor allem die im Dezember 2021 abgeschlossene Flachdachsanierung des Gemeindehauses schlage hier zusätzlich zu den Einsparungen zu Buche.
«Die jeweiligen Zahlen lassen sich nicht eins zu eins vergleichen, da der Verbrauch nicht nur vom Nutzerverhalten, sondern auch stark von der Witterung abhängt», sagt Hegi.
Definitive Einführung abzusehen
In Maur liegen ebenfalls Auswertungen für das Gemeindehaus sowie die Schulareale Gassacher, Aesch und Pünt vor. «Der Stromverbrauch hat gut um einen Drittel und der Wärmeverbrauch um etwa einen Viertel abgenommen», sagt Gemeindeschreiber Christoph Bless.
Ein Ende der Massnahmen sei nicht geplant. «Aufgrund der aktuellen Situation, aber auch im Hinblick auf das Legislaturziel des Gemeinderats, vorbildlich mit den natürlichen Ressourcen umzugehen, erachtet der Gemeinderat die definitive Einführung der Energiesparmassnahmen als wichtig.»
Wie der Pfäffiker Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma ausführt, ist es aber nicht nur wichtig, einer akuten Mangelsituation vorzubeugen, sondern sich auch mit den notwendigen Schritten für den Ernstfall zu befassen.
Neben eigenen Sparmassnahmen liege der Fokus darauf, die Folgen eines Stromunterbruchs oder gar eines Blackouts für die Bevölkerung erträglicher zu machen. «So werden weiterhin alle Vorbereitungen getroffen, um innert weniger Stunden einen Notfalltreffpunkt für die Bevölkerung in Betrieb zu nehmen und den Einsatz der Rettungskräfte möglichst sicherzustellen.»
Situation Schweiz
Zwischen Oktober 2022 und März 2023 wurden in der Schweiz über 5800 Gigawattstunden Gas eingespart. Das entspricht dem Vierfachen des jährlichen Gasverbrauchs des Kantons Basel-Stadt. Das Ziel einer freiwilligen Gaseinsparung von 15 Prozent wurde übertroffen. Im gleichen Zeitraum wurden rund 1250 Gigawatt Strom eingespart. Dies entspricht dem jährlichen Stromverbrauch des Kantons Basel-Stadt oder rund 40 Prozent des angestrebten freiwilligen Stromsparziels.
Neben der warmen Witterung haben auch die gestiegenen Gas- und Strompreise zur Verbrauchsreduktion beigetragen. Höhere Preise sind insbesondere für die Industrie ein wesentliches Preissignal zur Verbrauchsreduktion. Zudem folgten rund 60 Prozent der zirka 800 Betreiber von Zweistoffanlagen der Empfehlung des Bundesrats, von Gas auf Heizöl umzustellen. (Quelle: Uvek)