Von Gleichberechtigung beim Saunabesuch und anderen Fragen
Ustermer Stadtrat im Dialog
Jedes Jahr steht der Stadtrat von Uster der Bevölkerung Rede und Antwort. Rund 120 Personen besuchten den einstündigen Anlass und platzierten ihre Fragen.
Ustermer Stadthofsaal, Donnerstagabend, kurz vor 19 Uhr: Während draussen die Sonne scheint und warme Temperaturen dazu einladen, die Zeit am See oder im Park zu verbringen, sind fast alle Stühle belegt. Rund 120 Personen haben es sich nicht nehmen lassen, zum – aus Sicht der Stadt – «wichtigsten Politanlass im Jahr» zu erscheinen: «Stadtrat im Dialog».
Wie jedes Jahr hat die Ustermer Bevölkerung, egal, ob Jung oder Alt, Gelegenheit, den Stadtrat persönlich kennenzulernen und mit ihm ins Gespräch zu kommen.
«Ich freue mich, dass Sie alle so zahlreich erschienen sind, trotz dem guten Wetter», eröffnet Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP) pünktlich die Veranstaltung. Den Stadtrat hätten im Vorfeld so viele schriftliche Anfragen wie noch nie erreicht, um die 70 Stück. Einige werden im Verlauf des Abends vorgetragen und von den zuständigen Stadträtinnen und Stadträten zu beantworten versucht. «Ich danke Ihnen allen für Ihr Mitdenken und Ihr Dasein», so Thalmann.
Einzelinteressen oftmals im Vordergrund
Doch bevor die Anwesenden ihre Fragen stellen können, hat jedes Mitglied des Stadtrats zwei Minuten Zeit, um über die wichtigsten Projekte des eigenen Departements zu sprechen.
Danach geht es ans Eingemachte. «Wann kommt denn jetzt das Seerestaurant?», lautet die erste Frage eines Bürgers, der seit 37 Jahren in Uster wohnt. «Wir sind im Zeitplan», so Finanzvorsteher Cla Famos (FDP). Es sei ein langer und beschwerlicher Weg, noch laufe das Bewerbungsverfahren, deshalb könne er diesbezüglich nichts sagen. «Was Sie bereits wissen, weil es vom Werkheim öffentlich kommuniziert wurde, ist, dass es sich um den Betrieb beworben hat», ergänzt die Stadtpräsidentin.
Im Verlauf der für den Anlass anberaumten Stunde sind es immer wieder Individualfragen und Partikularinteressen, die aufploppen. Warum jetzt in einem Quartierplanverfahren ein doch zugänglicher Weg vor der eigenen Haustür geteert werde und sie dafür auch noch bezahlen müsse, will eine Bürgerin wissen. Immer wieder müssen sich die Stadträte entschuldigen, dass sie das Dossier, die Fakten zu wenig gut kennen, nichts Genaueres sagen können.
Es geht auch kurios
Bei einem umherschweifenden Blick durch den Saal fällt auf, dass die Mehrheit der Wortmeldungen von einem älteren Publikum stammt. Es fällt schwer, junge Erwachsene ausfindig zu machen. Ein repräsentatives Abbild der Stadt und ihrer drängenden Fragen und Probleme zu erhalten, fällt so schwer.
Wieso kann ich die Sauna nur sechs Tage nutzen und muss dafür denselben Abo-Preis zahlen wie eine Frau, die die Sauna sieben Tage nutzen darf?
Ustermer Bürger
Eine zunächst kurios anmutende Frage stellt ein Mann, der vorschiesst, wie zufrieden er mit der Stadt sei – «das muss an diesem Abend auch mal gesagt sein». Von der Stadtpräsidentin will er wissen, warum Männer in der Sauna im Hallenbad nicht gleichbehandelt werden wie Frauen. «Wieso kann ich die Sauna nur sechs Tage nutzen und muss dafür denselben Abo-Preis zahlen wie eine Frau, die die Sauna sieben Tage nutzen darf?»
Auch an anderen Orten gebe es einen Frauentag, so Barbara Thalmann. «Ihr Votum ist das erste, das uns in dieser Hinsicht erreicht.» Aus einem Sicherheitsdenken entstanden, habe sie zwar auch schon vernommen, dass es vielleicht bei Männern ebenfalls das Bedürfnis nach einem geschlossenen Tag gebe.
Gesundheitsvorsteherin Karin Fehr (Grüne) schiebt nach: «Wie gross ist dieser Bedarf wirklich?» Gemäss kurzem Disput mit dem Fragesteller sehr gross, der sich von Thalmann die Erlaubnis geben lassen will, im Hallenbad eigens eine Umfrage diesbezüglich durchzuführen.
Applaus als Stimmungsbarometer
Zu zwei Zeitpunkten ebbt kurzer Applaus durch den Stadthofsaal. Da ist einerseits eine Frage, die ein Bürger nach einer ausufernden Rede stellt. Nachdem er den Stadtrat kritisiert hat, dass dieser keine Aufbruchstimmung erzeuge nach dem Wechsel der Mehrheitsverhältnisse vor fünf Jahren, nichts für Velofahrer unternehme und Uster sich dafür als Klimastadt rühme – was von Stefan Feldmann (SP) korrigiert wird zum Label Energiestadt –, geht es um eine Frage zum vereinfachten Meldeverfahren für Photovoltaikanlagen. «Wie kann es sein, dass dieses in Uster 649 Franken kostet, in anderen Gemeinden und Städten nur 100, 125 oder bisweilen sogar gratis ist?»
Der für die Abteilung Bau zuständige Feldmann antwortet: «Auch für das vereinfachte Verfahren entstehen Mehrkosten, sie sind mit administrativem Aufwand verbunden.» Und da es sich um ein nicht durch Steuern, sondern Gebühren finanziertes Verfahren handle, sei gemäss Berechnungen der Stadt dieser Beitrag angemessen.
Wie sieht es mit einer Initiative für die Hallensportarten aus, die alle mit Platzproblemen zu kämpfen haben?
Präsident UHC Uster
Andererseits goutiert das Publikum eine Frage vom Präsidenten des UHC Uster. Er finde es schade, dass im Buchholz eine Konzentration für den Fussball erfolge. «Wie sieht es mit einer Initiative für die Hallensportarten aus, die alle mit Platzproblemen zu kämpfen haben?»
Aus der Antwort von Karin Fehr geht hervor, dass bereits Gespräche mit dem Unihockey-Club stattgefunden haben. «Wir haben Eure Idee, dort in die Höhe zu bauen, aufgenommen und werden das prüfen», so die Gesundheitsvorsteherin.
«Es geht darum, dass wir eine Gesamtschau machen und uns dann überlegen, welcher Verein welche Priorität hat», sagt Fehr.
Bahnquerungen spät thematisiert
Kurz vor acht wird dann noch eines der zentralen Ustermer «Problemthemen» aufgegriffen: Bahnquerungen. «Was für ein Konzept hat die Stadt hier?» Wieder ist es an Feldmann zu antworten. «Uster ist eingebunden in eine Arbeitsgruppe, geleitet von den SBB. Vorprojekte sind kurz vor dem Abschluss.» Für eine Unterführung an der Winterthurerstrasse sehe es gut aus.
Andere zentrale Themen wie die Senkung der Steuern – Famos: «Ich bin kein Prophet, weiss nicht, wann das passiert.» –, die Zusammenarbeit der Spitäler Uster und Wetzikon – Fehr: «Es ist klar vorgeschrieben, dass sich die Spitäler eigenständig entwickeln. Allerdings ist es auch wichtig, dass gewisse Bereiche wie eine Geburtenabteilung von beiden Häusern geführt werden.» –, die Kinderbetreuung – Petra Bättig (FDP): «Wir können Privaten keine Vorschriften machen, Kita-Räume in ihren Projekten zu bauen.» – oder der Anschluss der Sekundarschule Nänikon-Greifensee – Benno Scherrer (GLP): «Die Verhandlungen laufen. Sie wissen bestimmt auch von der Volksinitiative zum Anschluss Nänikons an die Gemeinde Greifensee.» – werden ebenfalls gestreift.