Mit Blaulicht und einem Lächeln durch Dübendorf
Ratspräsidentin Cornelia Schwarz
Zeit für eine Bilanz: Ratspräsidentin Cornelia Schwarz über Störer im Parlament, ihren Einsatz mit der Polizei und den Grund für ihre gute Laune.
Frau Schwarz, ein Grossteil Ihrer Amtszeit als Präsidentin des Dübendorfer Gemeinderats ist vorüber. Was hat Ihnen bis jetzt am besten gefallen?
Cornelia Schwarz: Ein Highlight waren die vielen Einladungen. Ich ging mit dem Jahrgängerverein aufs Jubiläumsreisli, war mit der katholischen Seniorenwandergruppe unterwegs, ich besuchte die Brennholzgant und die Generalversammlung der Männerriege.
Der Empfang im Stadthaus gehört ja auch immer dazu …
Ja, die Führung durch die Dübendorfer Verwaltung hat mir sehr gut gefallen. Dann durfte ich auch noch mit der Stadtpolizei auf Patrouille. Das war sehr spannend, weil wir zufälligerweise zu einem Unfall ausrücken mussten und deshalb mit Blaulicht durch Dübendorf fuhren. Der Unfall ging glücklicherweise recht glimpflich aus.
Macht Ihnen die Leitung der Sitzungen im Parlament auch so viel Spass?
Die Diskussionen, die verschiedenen Meinungen, das finde ich sehr interessant. Ich persönlich kann mit Vertretern von allen Parteien reden und meine eigene Haltung auch mal zurücknehmen. Wir sind ja nicht nur Politiker, sondern auch Menschen. So gesehen: Ja, es macht Spass.



Gleich bei Ihrer ersten Sitzung hatten Sie ja nicht so viel Glück: Klimaaktivisten störten die Sitzung – auf eine solche Störaktion war man nicht vorbereitet.
Zuerst habe ich mich ja gefreut, dass auch mal Junge in den Zuschauerreihen Platz nahmen. Als diese die Bühne bestiegen und Parolen riefen, war natürlich erst einmal eine gewisse Verwirrung da. Doch es ging ja nicht lange, und sie wurden nach draussen begleitet.
Nach der Sitzung gab es Kritik von links, dass der Livestream während der Aktion unterbrochen wurde. Zu Recht?
Dass die Übertragung gestoppt wurde, hat der Kameramann spontan entschieden. Er hat uns aber auch umgehend darüber informiert. Ich finde das bei politischen Störaktionen auch richtig, so etwas hat in einem Ratssaal nichts zu suchen, zumal ja nicht klar war, wohin das noch führen würde. Wäre es eine Aktion von Rechtsextremen gewesen, hätten die linken Parteien wohl keine Mühe mit einem Unterbruch gehabt.
Wurden nach dieser Störung spezielle Massnahmen getroffen?
Seit dem Attentat in Zug ist immer ein Polizist vor Ort, der bereit ist, situativ einzugreifen. Diesen Auftrag haben wir jetzt offiziell gemacht, was effektiv aber nichts ändert.

In der zweiten Sitzung hatten Sie dann eine wichtige Rolle – mit Ihrem Stichentscheid wurde die Freifläche im Mehrwertausgleich erhöht.
In der dritten Sitzung hatte ich dafür Probleme mit der Stimme. Und an der vierten Sitzung – da ging es um das Budget und den Steuerfuss – gab es zwischendurch ein kleineres Durcheinander im Ablauf. Da war ich nicht wirklich zufrieden mit meiner Sitzungsleitung, andere Ratsmitglieder haben jedoch gemeint, es sei gar nicht schlimm gewesen. Seit Anfang Jahr ist es jedenfalls ruhiger (lacht).
Sie scheinen auf dem Bock jedenfalls in Ihrem Element zu sein. Würden Sie am liebsten gleich noch ein Jahr anhängen.
(Lacht.) Am liebsten schon, ja. Es sind eben nicht nur die Einladungen und die Sitzungsleitung, sondern es ist auch die Arbeit im Ratsbüro. Da sind wir ein extrem gutes Team, das ich am Ende der Amtszeit nach immerhin vier Jahren verlassen muss.
Sie arbeiten als medizinische Praxisassistentin. Doch während des Ratsausflugs zum Flughafen Kloten sind Sie ganz in Ihrer Rolle als Reiseleiterin aufgegangen. Haben Sie schon mal über einen Jobwechsel nachgedacht?
(Lacht.) Der Ausflug war superinteressant, und das Organisieren hat mir sehr viel Spass gemacht. Aber nein, als Beruf wäre das nichts für mich.

Sie scheinen immer gut gelaunt zu sein, wirken stets fröhlich. Gibt es nichts, womit man Sie auf die Palme bringen kann?
Spezifisch kann ich das nicht sagen. Es gibt schon Dinge oder Situationen, die mich aufregen, aber dann versuche ich das mit der verantwortlichen Person im Gespräch zu klären. Ganz sicher trage ich meinen Ärger nicht nach Hause oder an meinen Arbeitsplatz, denn dort können sie ja nichts für meine Laune. Letztlich versuche ich das Glas immer als halb voll anzusehen. Wieso soll man sich mit Negativem das Leben schwer machen?
Sie sind aktuell nicht nur die höchste Dübendorferin, sondern seit einigen Jahren als Präsidentin der St.-Nikolaus-Gesellschaft auch die höchste Chläusin Dübendorfs. Stört es Sie nicht, dass es immer noch ausschliesslich Männer sind, die mit Bart und Kutte auf Hausbesuch gehen?
Ganz und gar nicht, das muss so sein. Die Kinder erwarten, dass der Samichlaus und der Schmutzli Männer sind, das ist einfach ein Teil der Magie. Frauen könnten sich noch so hinter dem Bart verstecken und ihre Stimme verstellen, man würde das merken, und es wäre nicht das Gleiche. In der St.-Nikolaus-Gesellschaft sind wir eine grosse Familie, in der alle ihre Aufgaben haben und wichtig sind. Wir Frauen übernehmen den Fahrdienst, sind also die Eseli, und sorgen dafür, dass im Waldhüüsli alle etwas Warmes zu essen haben.

Sie wohnen seit Ihrem sechsten Lebensjahr in Dübendorf. Seither ist die einst ländlich geprägte Gemeinde zur Stadt geworden. Wünschen Sie sich manchmal das Dorf zurück?
Es gibt Gebiete, die erkennt man heute kaum wieder, wie etwa das Hochbord. Die allgemein hohe Bautätigkeit stellt die Stadt vor einige Herausforderungen, was die Infrastruktur betrifft. Dass viele Dübendorfer Vereine trotz dem Bevölkerungszuwachs über Mitgliederschwund klagen, zeigt zudem, dass offenbar viele Neuzuzüger mit Dübendorf nichts am Hut haben und lediglich zum Schlafen hierherkommen. Aber das ist der Lauf der Dinge.
Spüren Sie dadurch eine gewisse Entfremdung von Ihrer Heimatstadt?
Nein, die Nachbarschaft an der Alten Gfennstrasse, wo ich seit vielen Jahren lebe, hat sich kaum verändert – bis auf den einen Neubau, der uns jetzt die Sicht auf die Lägern versperrt (lacht). Es ist eine persönliche Entscheidung, ob man das Dörfliche bevorzugt und den Kontakt zu anderen Menschen pflegt oder eher anonym leben möchte. Möglich ist beides. Am Dübi-Fäscht jedenfalls hat man gar nicht das Gefühl, dass Dübendorf eine Stadt ist, denn da fühlt man sich eher wie an einem Klassentreffen.
Zur Person
Cornelia Schwarz-Nigg (55) ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Sie lebt seit ihrem sechsten Lebensjahr in Dübendorf, wo sie unter anderem 18 Jahre im Fliegerärztlichen Institut tätig war. Heute arbeitet sie als medizinische Praxisassistentin bei einem Dübendorfer Hausarzt.
Seit 2018 sitzt Cornelia Schwarz für die SVP im Dübendorfer Gemeinderat, den sie im Amtsjahr 2022/2023 präsidiert. Neben Familie, Job und Politik engagiert sie sich als Präsidentin in der örtlichen St.-Nikolaus-Gesellschaft, ist also die höchste Chläusin der Stadt.
