Das Warten auf die Oberlandautobahn geht weiter
Variantenentscheid erst 2024
Das Rätseln um die Streckenführung der Oberlandautobahn geht weiter. Zur Debatte stehen ein Tunnel zum Betzholz oder ein Anschluss an die Forchautostrasse.
Zuerst hiess es, dass Ende 2021 Klarheit herrsche, dann wurde der Termin auf Mitte 2023 geschoben und nun: Der Variantenentscheid zur Oberlandautobahn wird erst gegen Ende 2024 gefällt. (Eine Chronologie zur Oberlandautobahn ist hier zu finden.)
«Das Astra arbeitet zurzeit am Variantenstudium. Im Rahmen dieser Arbeiten wird die Variante ‹Tunnel tief› optimiert und auf den gleichen Planungsstand wie der auf den umfangreichen Vorarbeiten des Kantons Zürich basierenden Richtplanvariante gebracht», hält Jonas Hoehn, Kommunikationsbeauftragter des Bundesamts für Strassen (Astra), auf Anfrage fest.
Feldarbeiten laufen bis Ende Jahr
Konkret braucht das Astra länger als ursprünglich gedacht, um die vom Kanton Zürich Ende 2019 neu ins Spiel gebrachte Variante «Tunnel tief» eingehend zu prüfen. Noch bis Ende dieses Jahrs dauern die Untersuchungen für diesen Tunnel an. Bohrungen sollen Aufschluss zur Geologie oder zum Grundwasser geben. Auch punkto Moorschutz laufen Überprüfungen.
Letzteres dürfte allerdings kaum Probleme geben. Schon vor drei Jahren hatte Astra-Direktor Jürg Röthlisberger klargemacht: «Diese Variante hat Potenzial, weil sie tiefer, im Fels unten, liegt und damit der Moorschutz besser beachtet werden kann.» Dieser 5,9 Kilometer lange Tunnel soll von Wetzikon bis ins Betzholz führen.
«Möglichst risikolos»
Dieser Variante gegenüber steht die Richtplanversion. In dieser soll die bestehende Autobahnlücke mit einem kurz unterbrochenen Tunnel von Wetzikon zum Anschluss Ottikon der Forchautostrasse führen. Zwischen Uster und Wetzikon ist für beide Varianten eine teils offen, teils im Tunnel geführte Verbindung vorgesehen.

Letztes Jahr wollte Otto Noger, Chef der Astra-Infrastrukturfiliale Winterthur, keine Prognose abgeben, welche Variante das Rennen machen wird. Seine Filiale plant die Oberlandautobahn. Er meinte damals nur so viel: «Es wird das Projekt ausgesucht, welches möglichst risikolos durchs Verfahren geht.»
Unsicherheitsfaktor Grundwasser
Und Noger machte klar, dass nicht die Finanzierung, sondern die Umweltverträglichkeit der kritische Punkt sein werde. Die letzten Kostenschätzungen gehen von 1,67 Milliarden für die Richtplanvariante und von 2,08 Milliarden Franken für den tiefen Tunnel aus.
Probleme könnte es laut Noger beim langen, direkten Tunnel allenfalls mit dem Grundwasser geben. Solange die Strecke im Fels verläuft, ist das kein Problem. Doch wenn sie aus der Tiefe in der Nähe des Betzholzkreisels wieder an die Oberfläche komme, könne ihr das Grundwasser in die Quere kommen. Daher wird untersucht, ob dort ein konfliktfreies Durchkommen möglich ist.

Erst Mitte Februar hielt das Astra in einem Brief an die drei Standortgemeinden Gossau, Wetzikon und Hinwil jedoch fest: Ein tiefer Tunnel, dessen Realisierung sich diese drei Gemeinden wünschen, sei «technisch machbar und umweltrechtlich tragfähig».
Projektgegner als Knackpunkt
Bis Mitte 2024 soll laut Hoehn die optimierte Bestvariante für den «Tunnel tief» vorliegen. Diese wird dann mit der Bestvariante «Richtplan» verglichen. Im Fokus stehen dabei insbesondere der Lärm -, Moor- und Grundwasserschutz. Insgesamt werden gemäss Hoehn aber 38 Nachhaltigkeitsindikatoren miteinander verglichen.
Die Bestvariante, die gegen Ende 2024 obsiegen wird, dient dann als Basis für das Generelle Projekt mit der definitiven Linienführung. In diesem Stadium soll Klarheit bezüglich Kosten, Termine und Umweltauswirkungen herrschen. «Es geht dabei auch darum, mögliche Einsprachen zu adaptieren», unterstreicht Hoehn.
Wie bei jedem Neubau einer Strasse zählen laut Hoehn nämlich die Auseinandersetzungen mit den Grundeigentümern, den Anwohnern und den «stets vorhandenen Projektgegnern» zu den grössten Knackpunkten.
Bundesrat entscheidet später
Genehmigt wird das Generelle Projekt schliesslich durch den Bundesrat. Hiess es vor einem Jahr noch, dass dies Mitte 2025 der Fall sein werde, meint das Astra jetzt: «Ein generelles Projekt wird erst 2027 vorliegen. Die hierfür eingesetzte Zeit zahlt sich aus Sicht des Bundes jedoch aus.»
Einerseits werde dadurch «die Genehmigungsfähigkeit erhöht und bestenfalls langwierige Einsprache- und Bewilligungsverfahren durch weitere Abklärungen nicht verlängert», hält Hoehn fest. Andererseits verbessere sich dadurch in technischer Hinsicht auch die Zuverlässigkeit punkto Termine, Finanzen und Bau.
Klar ist heute schon, wer die Trassee- und Tunnelbau-Arbeiten ausführen wird. Fünf Angebote sind auf die international erfolgte Ausschreibung eingegangen. Den Zuschlag erhalten hat die IG GBB, die bei der Gähler und Partner AG in Ennetbaden angesiedelt ist.
Gemeinden wollen mitsprechen
Vorerst aber wird in den betroffenen Gemeinden mit Spannung auf den Variantenentscheid gewartet. Diesen wird die Projektsteuerungsgruppe fällen. Und dieser gehören Projektleiter Marco Knecht, dessen direkter Vorgesetzter Otto Noger sowie zwei weitere Astra-Vertreter an.
Ein Wörtchen mitreden dürften auch die betroffenen Gemeinden. So wird eine Begleitkommission gebildet. In dieser haben der Kanton Zürich, die betroffenen Gemeinden und die Regionalplanung Zürcher Oberland Einsitz. Mitte Juni wird sie erstmals zusammenkommen.
Klar für tiefen Tunnel
Gossaus Gemeindepräsident Jörg Kündig (FDP) wertet die Einsetzung dieses Gremiums als Erfolg und führt sie auch auf ihren Vorstoss Anfang Jahr zurück. So hatten die Exekutiven von Gossau, Wetzikon und Hinwil in Bern unmissverständlich klargemacht, dass «explizit und ausschliesslich die Best-Variante ‹Tunnel tief› in der zukünftigen Planung weiterverfolgt wird, mit direkter, eventuell weiter optimierter Linienführung zwischen Wetzikon West und dem Betzholz».
Von der Verzögerung des Variantenentscheides ist Kündig nicht völlig überrascht worden, wurde doch schon im Antwortschreiben vom 14. Februar aus Bern festgehalten, dass erst Mitte 2024 die Entscheidungsgrundlagen vorliegen würden.
Wichtig ist ihm aber auch, dass bereits bei der Vorbereitung der Entscheidungsgrundlagen in diesem Juni die Positionen der betroffenen Gemeinden deutlich werden. Er erwartet so ein noch höheres Gewicht der gewünschten Variante.
Neue Informations-Webseite geplant
Er zeigt sich zuversichtlich, dass in gut einem Jahr die Bahn frei gemacht wird für diesen Tunnel durch den Fels. «Schliesslich sind wir betroffenen Gemeinden vom Astra auch aufgefordert worden, uns Gedanken zu den flankierenden Massnahmen zu machen.» Helfen kann dabei das neue Verkehrsmodell des Kantons Zürich, das ab kommendem Herbst zur Verfügung stehen soll.
Auch die breite Öffentlichkeit soll über den Fortgang des Grossvorhabens informiert werden. So stellt Hoehn in Aussicht, dass das Astra «demnächst» eine Projektwebsite mit den aktuellen Informationen zur Oberlandautobahn aufschalten werde.
