Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Millionenverlust
Spital Uster im Fokus
Letztes Jahr die Spitalliste, jetzt ein Verlust in Millionenhöhe. Das Spital Uster kommt nicht aus den Schlagzeilen. Wir erklären die Hintergründe.
Mehr behandelte Fälle, ein gesteigertes Ertragsergebnis, ein positives Betriebsergebnis, doch am Ende resultiert für das Spital Uster ein deutliches Minus von 5,2 Millionen Franken für das letzte Jahr. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Jahresergebnis 2022.
Das steckt hinter dem Minus
Ein Plus von 15’000 Fällen im ambulanten Bereich und 10,5 Prozent mehr operative Eingriffe als 2021 belegen ein deutliches Wachstum des Spitals Usters. Im Kernbereich und eigentlichen Aufgabengebiet wirtschaftet das Spital gut.
Die Ursache hinter dem Millionenverlust liegt in der Vergangenheit: 2012 steht fest, dass das Krankenhaus umgebaut und erweitert werden soll – es wird mit Gesamtinvestitionen in Höhe von rund 250 Millionen Franken gerechnet. Neben dem Ausbau soll zudem eine Reha-Klinik in das Spital integriert werden.
Nach einem durchgeführten Architekturwettbewerb steht zwei Jahre später das Siegerprojekt «Vrenelisgärtli» fest. Weil das Projekt einen 33 Meter hohen Bau für die Reha-Klinik vorsieht und dieser somit rechtlich als Hochhaus gilt, wird ein Gestaltungsplan nötig.
Im Juni 2016 nimmt das Ustermer Stimmvolk an der Urne den Gestaltungsplan Spital Uster mit über 80 Prozent Ja-Stimmen an. Auch die Finanzierung des Umbaus in Höhe von 349 Millionen Franken wird von den Stimmberechtigten in den zehn Zweckverbandsgemeinden, die das Spital tragen, genehmigt.
Gegen den Gestaltungsplan und das Bauprojekt rekurriert eine Gruppe von Anwohnenden. Das Baurekursgericht und das kantonale Verwaltungsgericht stützen den Gestaltungsplan.
Im April 2022 kippt das Bundesgericht den Entscheid des Stimmvolks und hebt den Gestaltungsplan auf. Das Bauprojekt «Vrenelisgärtli» kann in seiner ursprünglichen Form nicht realisiert werden. Nicht betroffen vom Entscheid ist das zu jenem Zeitpunkt im Bau befindliche Rettungsgebäude.
Der Bundesgerichtsentscheid hat jetzt finanzielle Konsequenzen. Alle noch nicht abgeschriebenen Projekt- und Planungskosten aus dem Bauvorhaben im Jahr 2022 werden als Wertberichtigung in den Büchern erscheinen. Dieser Umstand, neben «weiteren Abschreibungen und einmaligen Sondereffekten», führt zu der Tatsache, dass das Spital mehr Geld benötigt.
So kann das Spital zu Geld kommen
Seit Anfang dieses Jahrs ist das Spital eine gemeinnützige Aktiengesellschaft. Zuvor operierte es als Zweckverband.
Alleinige Aktionäre und damit auch Eigentümer sind zehn Gemeinden, namentlich Dübendorf, Fehraltorf, Greifensee, Hittnau, Mönchaltorf, Pfäffikon, Russikon, Schwerzenbach, Uster und Wildberg.
Das Aktienkapital und somit das gesamte Eigenkapital beläuft sich auf 20 Millionen Franken und wird von den Gemeinden im Umfang ihrer vorherigen Beteiligungsverhältnisse am Zweckverband gehalten.
Der letztes Jahr entstandene Verlust wird vom Eigenkapital abgezogen, es kommt zu einer Unterbilanz.
Andreas Greulich, CEO des Spitals, erklärt am Telefon, das sei nicht schön und nicht lustig, aber noch nicht kritisch. «Erst wenn das Eigenkapital unter 50 Prozent sinkt, wird es dramatisch.» Nichtsdestotrotz müsse man jetzt handeln – in Form einer Erhöhung des Aktienkapitals.
Geht es rein nach den Wünschen des Spitals, so sollte nach der Aktienkapitalerhöhung das Eigenkapital mindestens 40 Millionen Franken betragen. «Momentan laufen die Gespräche mit den Gemeinden.»
Bereits hat die Stadt Uster signalisiert, bis maximal 20 Millionen Franken einzuschiessen. «Das ist sehr wichtig für uns, zu wissen, wer an unserer Seite steht. Uster ist ein sehr wichtiger Partner», sagt der Spital-CEO.
Doch warum wird das Aktien- und Eigenkapital gerade so massiv erhöht, wenn der Verlust doch «nur» 5,2 Millionen Franken beträgt?
Andreas Greulich führt aus, dass dies auch eine Auflage der Gesundheitsdirektion war. Diese hatte das Spital erst nach einigen Abklärungen auf die definitive Spitalliste gesetzt. «Die Eigenkapitalquote muss gemäss Gesundheitsdirektion 30 Prozent betragen, das wären zirka 30 Millionen Franken.»
Da aber im Rahmen der nicht vorhergesehenen Aufhebung des Gestaltungsplans über mehrere Jahre diverse Umbau- und Renovierungsarbeiten noch nicht durchgeführt wurden, bräuchte man in absehbarer Zeit auch dafür Geld. «Wenn wir jetzt einmal erhöhen, dann wollen wir es richtig machen und nächstes Jahr nicht schon wieder hier stehen.»
Das sagen die anderen Aktionärsgemeinden
Der Gemeinderat Schwerzenbach beobachte die finanzielle Situation der gesamten Zürcher Spitallandschaft mit grosser Sorge, sagt Gemeindepräsident Martin Hermann (FDP) auf Anfrage.
Das Spital Uster sei ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung in der Region. «Wir werden deshalb alles daran setzen, die Finanzierung des Spitals langfristig auf eine gesunde Basis zu stellen.» Voraussetzung dafür sei, dass die nötigen Lehren gezogen würden, damit sich eine derart schwierige Situation in Zukunft nicht wiederhole. «Über die Höhe eines finanziellen Beitrags können wir im Moment noch nichts sagen.»
In Pfäffikon begrüsse man das wichtige Zeichen, das der Ustermer Stadtrat mit seiner Bereitschaft für eine Kapitalerhöhung gesetzt habe.
Wenn die Gespräche mit dem Verwaltungsrat des Spitals abgeschlossen seien, werde der Gemeinderat Stellung beziehen, so der Pfäffiker Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma.
Ähnlich klingt es auch in Fehraltorf. Hier beurteilt die Gemeinde das Jahresergebnis grundsätzlich als positives Zeichen.
«Insbesondere das operative Betriebsergebnis und das Wachstum der Patientenzahlen stimmen zuversichtlich», sagt Gemeindepräsident Anton Muff (DGF).
Mönchaltorf lässt bereits durchblicken, sich gegebenenfalls gemäss Aktienanteilen im Verhältnis zu beteiligen.
Die Gemeinde Hittnau beurteilt das Jahresergebnis des Spitals Uster als «grundsätzlich positiv». Hinsichtlich der Kapitalerhöhungen will man sich mit den anderen Aktionärsgemeinden abstimmen und gemeinsam kommunizieren.
In Greifensee verweist der Gemeindeschreiber Philippe Sturzenegger auf den Umstand, dass die Gemeinde mit 7,3 Prozent des Aktienkapitals (1,45 Millionen Franken) im Vergleich zur Einwohnerzahl bereits überproportional stark am Spital beteiligt ist.
Stellung beziehen werde der Gemeinderat aber auch hier erst nach Abschluss der laufenden Abklärungen.
In Wildberg ist die Beteiligung mit 0,33 Prozent sehr klein. Der Betrag zur Erhöhung des Aktienkapitals der Gemeinde müsste an einer zukünftigen Gemeindeversammlung behandelt werden, sagt Gemeinderat Thomas Kupper (parteilos). «Die Entscheidung liegt schliesslich bei unseren Stimmbürgern, ob die Gemeinde Wildberg an der Aktienkapitalerhöhung mitmachen wird oder nicht.»
Wie die meisten anderen Aktionärsgemeinden betont auch Wildberg, wie erfreulich es sei, dass das Spital Uster 2022 ein gutes Betriebsergebnis abgeliefert habe. «Der allgemeine positive Trend in der Weiterentwicklung des Spitals Uster stimmt uns zuversichtlich», sagt Kupper.
Das Echo der Gemeinden, die sich bislang geäussert haben, klingt somit zuversichtlich. Doch was passiert, wenn an Gemeindeversammlungen, in Parlamenten oder an der Urne eine Aktienkapitalerhöhung abgelehnt wird?
Diese Möglichkeiten hat das Spital Uster
«Es gibt keinen fixfertigen Plan B, sollte in demokratischen Prozessen eine Erhöhung des Aktienkapitals abgelehnt werden», sagt der CEO des Spitals, Andreas Greulich. Dann gelte es, weiterzudenken. Es gäbe grundsätzlich im Rahmen der neuen Interkommunalen Vereinbarung (IKV) die Möglichkeit einer Aktienkapitalaufstockung um maximal 40 Prozent durch das Einsteigen von Investoren.
Auf die Frage, ob auch die Aufnahme von Krediten eine Möglichkeit sei, antwortet Greulich: «Man muss unterscheiden zwischen Eigenkapitalquote (durch Aktienkapitalerhöhung) und Krediten. Hinsichtlich der Kredite möchten die Banken zunächst sehen, dass wir gut aufgestellt sind, die Rahmenbedingungen erfüllt sind und das Eigenkapital gross genug ist.»