Das sagt Monika Keller zum angestrebten Zusammenschluss
Gemeindepräsidentin von Greifensee
Nänikon und Werrikon wollen sich Greifensee anschliessen. Monika Keller ist Gemeindepräsidentin von Greifensee. Im Interview ordnet sie die Thematik ein.
Das «kleine Greifensee» würde sich mit den Ustermer Aussenwachten Nänikon und Werrikon vergrössern. Warum nicht den umgekehrten Weg wählen und sich Uster anschliessen?
Monika Keller (FDP): Das ist eine berechtigte Frage. Solche Ideen sind sicherlich da und auch schon mal besprochen worden. Allerdings glaube ich nicht, dass diese Option vor dem Souverän eine Chance zur Annahme hätte.
Warum?
Wie Martin Bornhauser als Sprecher des Komitees Pro 8606 bereits ausgeführt hat, sind Greifensee, Nänikon und Werrikon sehr ländlich geprägt. Hier kennt man sich, das Leben ist weniger anonym als in der Stadt und einem städtischen Zentrum. Wir sind ein Dorf, und das schätzen die Leute.
Wo sehen Sie als Gemeindepräsidentin von Greifensee die grössten Chancen eines Zusammenschlusses?
Wir würden zu einer stattlichen funktionierenden Gemeinde werden. Mit neu rund 8000 Einwohnenden würden wir eine gute Grösse abgeben. Und wir könnten gewisse Probleme viel besser, weil eigenständig, angehen.
Was geht Ihnen da durch den Kopf?
Ein aktuelles Beispiel ist der behindertengerechte Aus- und Umbau unseres Bahnhofs Nänikon-Greifensee. Dieser liegt als zweiter Ustermer Bahnhof auf dem Boden der Stadt, weshalb Ausschreibung und Auflagen vor allem an die Stadt Uster adressiert waren. So haben wir erst im letzten Moment erfahren, dass durch den Umbau die Unterführung des Bahnhofs für fünf Monate gesperrt gewesen wäre.
Und inwiefern wäre das für Greifensee, Nänikon und Werrikon problematisch gewesen?
Die Unterführung liegt unmittelbar auf dem Schulweg vieler Kinder und hätte für diese einen Umweg von 600 Metern bedeutet. Bei uns war die Angst vor Abkürzungen über die Gleise gross, weshalb wir mit den SBB und dem Bundesamt für Verkehr lange Verhandlungen führen mussten. Letztlich konnten wir dann aber dafür sorgen, dass die Unterführung nur für wenige Wochen und meist während der Schulferien gesperrt wurde. Dieses Problem hat man in Uster anscheinend nicht so direkt wahrgenommen.
Dafür in Greifensee.
Genau, wir sind zwar nicht betroffen, spüren aber die Auswirkungen. Der funktionale Raum zwischen Nänikon, Werrikon und Greifensee ist eine Tatsache.
Aber ein Zusammenschluss hätte doch bestimmt nicht nur positive Auswirkungen.
Gewiss nicht. Eine Herausforderung, die wir ganz genau anschauen müssten, wäre das Wachstum der Bevölkerung und damit einhergehend das der Verwaltung. Wie bewerkstelligen wir das? Bereits in den 1970er Jahren ist Greifensee als Gemeinde extrem gewachsen, um den Faktor zehn. Und auch das hat funktioniert.
Wo sehen Sie die grösste Schwierigkeit?
Vielleicht in der Bereitschaft der beiden Politischen Gemeinden, Gespräche auf Augenhöhe zu führen und dafür auch Termine finden zu wollen. Wir sind mehr als gewillt, auch die momentan illegale Situation in Bezug auf die Oberstufenschule Nänikon-Greifensee zu bereinigen. Es muss eine langfristig sinnvolle Lösung gefunden werden.
