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Anschluss an Greifensee – Nänikon und Werrikon machen Ernst

Im Bezirk Uster könnte ein einmaliger Prozess ausgelöst werden, wenn 3000 Einwohnern die Gemeinde wechseln.

Nähe sichtbar: Greifensee und die beiden Ustermer Aussenwachten Nänikon und Werrikon liegen nahe beieinander.

Foto: PD

Anschluss an Greifensee – Nänikon und Werrikon machen Ernst

Gemeindewechsel zweier Aussenwachten

Die Ustermer Aussenwachten Nänikon und Werrikon streben einen Gemeindewechsel an. Angestossen wird der Prozess vom Komitee Pro 8606.

Nänikon und Werrikon sind Aussenwachten der Stadt Uster, seit Jahrzehnten aber viel enger mit der Gemeinde Greifensee zusammengewachsen. Nun will das Komitee Pro 8606 zusammenführen, was zusammengehört – und einen Gemeindewechsel zu Greifensee anstreben.

Zu diesem Zweck hat das Komitee am Montagmorgen im «Gleis 1» in Nänikon zu einer Medienkonferenz geladen, um über das weitere Vorgehen zu informieren. So soll der Ustermer Stadtrat mit einer Volksinitiative beauftragt werden, mit dem Gemeinderat von Greifensee in einem Vertrag zu definieren, wie der Gemeindewechsel von Nänikon und Werrikon vollzogen würde. Dieser Vertrag würde in einem zweiten Schritt den Stimmberechtigten von Uster und Greifensee in getrennten Volksabstimmungen zum Entscheid vorgelegt.

Grundlagen transparent ausarbeiten

Einen Musterprozess oder ein vergleichbares Beispiel für einen Gemeindewechsel dieser Grösse gibt es im Kanton Zürich nicht, wie das Komitee sagt. Klar sei aber, dass die Rahmenbedingungen für einen Gemeindewechsel durch die beiden betroffenen Gemeinden ausgehandelt und in einem Vertrag verbindlich definiert werden müssten. Genau dies will das Komitee Pro 8606 nun initiieren.

Der Gemeinderat von Greifensee hat den Zusammenschluss mit Nänikon und Werrikon bereits als Legislaturziel definiert. Der mittels Volksinitiative angestossene Prozess soll Uster den Auftrag erteilen, zusammen mit dem Gemeinderat von Greifensee die vertragliche Grundlage für einen Gemeindewechsel der beiden Aussenwachten zu erarbeiten.

Auch sollen die damit verbundenen Konsequenzen transparent aufgezeigt werden. Auf dieser Basis könnten dann die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in Uster und in Greifensee abschliessend darüber entscheiden, ob sie dem angestrebten Gemeindewechsel zustimmen.

Denn eines ist klar: Damit der Gemeindewechsel vollzogen werden kann, müssen die Stimmberechtigten beider Gemeinden in Urnenabstimmungen den Vertrag genehmigen.

Historisches Datum – für Nänikon

Das Vorgehen ist wie folgt geplant: Aktuell erarbeitet das Komitee Pro 8606 den konkreten Initiativtext. Nach einer Vorprüfung durch die Behörden soll noch im ersten Halbjahr 2023 mit der Unterschriftensammlung begonnen werden.

Der Startpunkt des Prozesses ist mit dem 27. März alles andere als zufällig gewählt. In Nänikon sprechen sie auch von ihrem 1. August. Denn vor genau einem Jahr gaben über 92 Prozent der Abstimmenden aus Nänikon, Werrikon und Greifensee der Oberstufenschulgemeinde Nänikon-Greifensee einen Auftrag. Dieser lautete, sich für die politische Vereinigung der drei Dörfer mit künftig rund 8000 Einwohnerinnen und Einwohnern einzusetzen.

Ein funktionaler Raum

Denn so gehören Nänikon, Werrikon und Greifensee aus Sicht des Komitees zusammen. Die beiden Ustermer Aussenwachten seien schon lange mit der Gemeinde Greifensee zusammengewachsen.

Das zeigt sich in gemeinsamen Vereinen, der gemeinsamen Jugendarbeit und der gemeinsamen Oberstufenschule, dem gemeinsamen Bahnhof und vielem mehr.

Bereits im Juni 1964 hatte die Post – anlässlich der Einführung der Postleitzahlen – für Greifensee, Nänikon und Werrikon die gemeinsame Postleitzahl 8606 festgelegt. Für die Post, so das Argument der Verantwortlichen, sei schon damals klar gewesen, dass diese drei Ortschaften eine Einheit bildeten.

Keine Probleme mit Uster

Über die Jahrzehnte sei der Wunsch der Einwohnerinnen und Einwohner von Nänikon und Werrikon kontinuierlich gewachsen, die bestehenden Gemeinsamkeiten und die dörfliche Einheit zusammen mit Greifensee weiterzuentwickeln.

Karte mit den Gemeindegrenzen zwischen Greifensee und Uster. Das Oberstufenschulhaus Wüeri, in der Nähe vom Bahnhof Nänikon-Greifensee, liegt auf dem Gebiet von Nänikon. Werrikon liegt auf derselben Bahnseite.
Die Situation.

Deshalb sollen nun die politischen Strukturen der gelebten Realität angeglichen werden.

Dabei unterstreicht das Komitee Pro 8606, dass der angestrebte Gemeindewechsel nicht gegen Uster gerichtet ist. Treiber der Initiative sind nicht etwa Probleme mit Uster, solche werden nicht beklagt. Aber Nänikon und Werrikon gehörten zu Greifensee. Diese Haltung kommt auch im Motto von Pro 8606 zum Ausdruck: «Zusammenführen, was zusammengehört. Gemeinsam eine Gemeinde. Mit Uster eine Region.»

Partnerschaftliche Entwicklung der Region

Ein Gemeindewechsel ergebe auch aus regionaler Sicht Sinn, so die Initianten. Uster ist städtisch geprägt, während Greifensee, Nänikon und Werrikon ausgeprägt dörflichen Charakter haben. Für Greifensee mit seinen heute rund 5400 Einwohnerinnen und Einwohnern wäre ein Zusammenschluss mit Nänikon (2600 Einwohner) und Werrikon (270 Einwohner) ein willkommener Entwicklungsschritt.

Mit Uster und einem gestärkten Greifensee würde sich die Region langfristig gut positionieren. Bei einer partnerschaftlichen Umsetzung könnte dieses Potenzial optimal genutzt werden, während weiter gärende Abspaltungsdiskussionen in Nänikon und Werrikon die Entwicklung erschweren und bremsen würden.

Das Komitee Pro 8606 appelliert deshalb an die Behörden und die Einwohnerinnen und Einwohner von Uster, das Bedürfnis der Bevölkerung in den Aussenwachten «ergebnisoffen und partnerschaftlich zu prüfen». Ein Ja zu der geplanten Volksinitiative bedeute noch keineswegs, dass der Gemeindewechsel vollzogen werde.

Vielmehr schaffe es eine solide, verbindliche und transparente Grundlage für einen späteren faktenbasierten Volksentscheid.

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