Gegner der Deponie im Tägernauer Holz machen mobil
«Gang ans Bundesgericht nötig»
Die Deponiepläne der ZAV Recycling AG im Tägernauer Holz rufen die Interessengemeinschaft DepoNie wieder auf den Plan. Sie kritisiert, dass auch eine kleinere Deponie den Wald zerstöre.
«Ist das Tägernauer Holz erst einmal ruiniert, erweitert sich die Deponie ganz ungeniert!» Für Susanna Jenny, die frühere Gemeindepräsidentin von Grüningen, ist klar, dass den Anfängen gewehrt werden muss.
Deshalb mobilisiert sie nun als Wortführerin der Interessengemeinschaft (IG) DepoNie Tägernauerholz gegen die Pläne der ZAV Recycling. Die Hinwiler Firma hatte Ende Februar angekündigt, dass sie bald den Gestaltungsplan für eine 750'000 Kubikmeter grosse Schlackendeponie einreichen werde.
Salamitaktik befürchtet
Das Bundesgericht hatte die Pläne des Kantons gestoppt, das Deponievolumen zu verdoppeln. Doch Jenny misstraut dem Kanton: «Unser Verdacht ist, dass die gewünschte erweiterte Deponie mit 1,5 Millionen Kubikmetern durch Salamitaktik doch noch realisiert werden soll.»
Sie bezweifelt, dass eine Deponie in der jetzt geplanten Grösse überhaupt rentabel betrieben werden könnte.
Baudirektor als «Waldfäller»
Ihr geht es aber weniger um eine allfällige Vergrösserung der Deponie, sondern vielmehr darum, überhaupt eine solche Lagerstätte im Wald zuzulassen. «Wer ein ökologisches Gewissen hat, macht keinen gesunden Wald kaputt», meint sie.
Und sie zeigt sich deshalb gerade auch enttäuscht von Zürichs Baudirektor Martin Neukom. Dass ein Grüner Hand biete für «diese Walddeponie im Tägernauer Holz», ist für sie unverständlich. «Damit wird er zum Waldfäller von gesunden, wertvollen Bäumen im grossen Stil.»
Eine reine Walddeponie
Hier werde ein Projekt geplant, für das rund 70'000 Quadratmeter «gesunder Wald vernichtet» werden müsse, «die erste, reine Walddeponie im Kanton Zürich».

Es brauche sehr lange, bis das besondere Mikroklima des Wald entstehe. «Waldboden entsteht nicht einfach mit Wiederaufforsten.» Deshalb hält sie auch nichts vom Argument einer höheren Biodiversität nach der Rekultivierung, das die ZAV Recycling vorgebracht hat.
Gemeinden sollen klagen
Etwas Hoffnung hat die IG DepoNie noch. So erteile der Bund nur dann eine Rodungsbewilligung, wenn eine Anlage zwingend auf diesen Standort im Wald angewiesen ist. «Gerade dieser Nachweis ist beim Standort Tägernauer Holz aber in keinster Weise erbracht», findet die ehemalige Lokalpolitikerin und Aktivistin. «Ein weiterer Gang ans Bundesgericht ist vorhersehbar und nötig», resümiert sie.
Sie sieht dabei die beiden betroffenen Gemeinden Gossau und Grüningen in der Pflicht, die Planung für die Deponie auf rechtlichem Weg weiter anzufechten. Der Interessengemeinschaft seien die Hände gebunden, da sie nicht als Direktbetroffene gelte und damit nicht einspracheberechtigt sei.
Die IG will sich auf die Mobilisierung der Politik und der Bevölkerung konzentrieren. Zurzeit seien noch keine grossen Walddemonstrationen geplant, wie sie schon 2018 und 2019 durchgeführt wurden. Wenn der Gestaltungsplan aber eingereicht sei, wollten sie wieder aktiv werden.
Deponie auf Staatsboden
Jenny findet, dass der Kanton versuche, ein kantonales Problem – also die Entsorgung der Schlacken aus den Zürcher Kehrrichtverbrennungsanlagen – dort zu lösen, wo er als Landbesitzer frei planen könne. So ist das Tägernauer Holz grösstenteils Staatswald. Somit müsse der Kanton mit keinem Enteignungsverfahren rechnen.
Walliser lassen in Hinwil verbrennen Sie stellt auch die Frage in den Raum, wann Abfall von irgendwoher zum Zürcher Abfall werde. Denn nur solcher darf auch in eine Zürcher Deponie.

Die Kezo Hinwil wie die ZAV Recycling AG hätten seit Langem Verträge mit den Kantonen Solothurn und Wallis. Beide verfügten aber über keine eigenen Schlackendeponien. Laut Jenny ist die Kapazität der Schlackenaufbereitung der ZAV Recycling heute erst zur Hälfte ausgeschöpft. Eigentlich peile diese bis 2025 an, die volle Kapazität auszuschöpfen.
Technisch sei das zwar möglich, allerdings falle aktuell gar nicht so viel Abfall im Kanton an. «Lediglich das Zukaufen von weiterem Abfall aus dem In- und Ausland würde ein Ausschöpfen der Kapazität möglich machen», gibt sie zu bedenken. Dabei gehe es doch darum, möglichst die Schlackenmenge zu reduzieren.
