Die SVP meldet sich im Bezirk Pfäffikon zurück
Kantonsratswahlen 2023
Keiner der sieben Pfäffiker Kantonsratssitze wechselt den Besitzer. In den Stimmverhältnissen des kleinen Bezirks akzentuieren sich die Entwicklungen des Kantons.
«Wer kann die Ketten sprengen?» hatte sich diese Zeitung im Vorfeld der Kantonsratswahlen im Bezirk Pfäffikon vor einigen Wochen gefragt. Die Antwort vom Wahlsonnntag vermag nicht wirklich zu überraschen: Niemand.
Für die sieben zu vergebenden Sitze hatten sich alle sieben Bisherigen beworben. Alle wurden sie wiedergewählt. Ein Ergebnis, das einmal mehr bestätigt, welche Kraft der Bisherigen-Bonus entfalten kann.
Förderlich war den sieben Wiedergewählten darüber hinaus der Umstand, dass die Verschiebungen auf kantonaler Ebene gering ausfielen. Diese knappen Verhältnisse im Kanton spiegeln sich denn auch im Bezirk Pfäffikon: Die SVP kann sich mit einem Zugewinn von 2,5 Prozent als Wahlsiegerin ausrufen lassen, FDP (-0,6%), SP (-0,8%) und Grünliberale (-0,5%) verlieren leicht, die Grünen (-1,2%) und die EVP (-2,2%) etwas deutlicher.
Klima-Allianz als Vorbild
«Es tut gut, wenn man nach zwei Wahljahren mit Verlusten wieder einmal zulegen kann», sagt ein glücklicher Paul von Euw. Der Bezirksparteipräsident der SVP darf sich indessen nicht nur für seine Partei, sondern auch ganz persönlich freuen: Mit 5419 Stimmen machte er nicht nur das beste Resultat aller Kandidierenden, sondern auch noch über 1000 Stimmen mehr als vor vier Jahren.
Der Kantonsrat aus Bauma bedient sich in diesem Zusammenhang mit einer Analogie aus der Wirtschaft: «Wahltag ist Zahltag. Dieses Mal habe ich einen schönen Bonus gekriegt. Doch ich wäre auch mit dem Normalsalär zufrieden gewesen.»
Wahltag ist Zahltag. Dieses Mal habe ich einen schönen Bonus gekriegt.
Paul von Euw (SVP)
Der überdurchschnittliche hohe Erfolg der Partei im Bezirk verdanke man derweil den «guten Kandidaten» und einer lokalen Bevölkerung, die tendenziell konservativ-bürgerlich denke. Deren Anliegen will er nun gemeinsam mit René Truninger aus Illnau-Effretikon, der ebenfalls problemlos wiedergewählt wurde, Gehör verschaffen.
Im Ringen mit der Klima-Allianz aus SP, GLP, Grünen, AL und EVP sei es nun umso wichtiger, dass man sich vor allem mit der FDP auf die «80 Prozent deckungsgleichen Ziele und nicht auf die 20 Prozent Unterschiede» konzentriere. «Hier müssen wir uns die Klima-Allianz zum Vorbild nehmen, die hat das gut gemacht», gesteht von Euw ein.
FDP überholt SP
Ähnlich, aber inhaltlich 180 Grad umgekehrt, liest man die Verhältnisse auf der anderen Seite des politischen Spektrums, bei der SP. «Wir müssen weiterhin diszipliniert die Ratssitzungen besuchen, jede Stimme zählt», mahnt Brigitte Röösli.
Die Stadträtin aus Illnau-Effretikon, die auch weiterhin als einzige Frau den Bezirk im Kantonsrat repräsentiert, ist mit ihrem eigenen Resultat und demjenigen ihrer Partei zufrieden. Von der erwarteten Erholung der SVP, über einer höhere Anzahl Listen bis hin zu den Corona-Massnahmen, für man bei der SP da und dort noch verantwortlich gemacht werde: die Gründe für das Minus von 0,8 Prozentpunkten, seien vor allem Momentaufnahmen.
Dass indessen die FDP, die 2019 noch gleichauflag, die SP nun erstmals überholt hat, schmerzt sie. Die Liberalen, die weiterhin durch den Russiker Andreas Juchli in Zürich vertreten werden, haben zwar ebenfalls verloren. Allerdings nur 0,6 Prozentpunkte. Immerhin: «Als Sozialdemokraten sind wir vor allem in den Städten stark. Und in Illnau-Effretikon konnten wir die FDP deutlich hinter uns lassen», sagt Röösli.
Der Wackelkandidat fiel nicht
Etwas knapper wurde es beim Grünen Kantonsrat Urs Dietschi. Der Lindauer hat zwar ein paar Dutzend Stimmen mehr geholt als noch vor vier Jahren. Doch im Bezirk hat die Sektion im Zuge des allgemeinen Abschwungs der Kantonalpartei ebenfalls mehr als einen Prozentpunk verloren.
Dass es eng werden könnte, war angesichts der dunklen Prognosen absehbar gewesen. Auch deshalb hat er sich im Vorfeld klar positioniert und sich gegenüber den Grünliberalen, bei denen der Illnauer Andreas Hasler problemlos wiedergewählt wurde, abgegrenzt.
Von seinem Glück erfährt Urs Dietschi in seinen Ferien in den Dolomiten, just nachdem der von einer Schneeschuhtour zurückgekehrt ist. «Ich freue mich natürlich, dass es geklappt hat», sagt er. Allerdings habe sich am inhaltlichen Problem, dem Klimawandel, nichts geändert.
EVP muss Federn lassen
Auf dem Papier die grösste Verliererin im Bezirk ist mit einem Minus von 2,2 Prozentpunkten die EVP. Das mag auf den ersten Blick erstaunlich scheinen, da die Partei hier insbesondere im Bezirkshauptort tief verwurzelt ist.
Ihr bisheriger und künftiger Vertreter im Kantonsrat, der Pfäffiker Schulpräsident Hanspeter Hugentobler, hat dafür allerdings eine relative einfache Erklärung: «Vor vier Jahren hatte ich noch für den Regierungsrat kandidiert, also konnten wir damals auch von meiner Bekanntheit profitieren.»

Das aktuelle Resultat mag er deshalb nicht überbewerten. Stattdessen stellt er fest: «Die nur sehr kleinen Verschiebungen deuten darauf hin, dass die Menschen mit der Politik im Kanton zufrieden sind – zumindest jene 35 Prozent, die überhaupt an die Urne gehen.» Die grosse Herausforderung sei es aber, dass man die anderen 65 Prozent verliere, sagt Hugentobler. Denn so entstünden Protestbewegungen.
Damit spricht er direkt die neue Kraft im politischen Raum an: Die Massnahmen-Gegner von Aufrecht/Freie Liste, die im Bezirk aus dem Stand heraus 3,3 Prozent der Stimmen erhalten haben – einige kamen wohl auch aus Hugentoblers Partei.
Andere Stimmen könnte die EVP dagegen auch an die neu formierte Mitte verloren haben. Diese gilt auf kantonaler Ebene mit drei gewonnen Sitzen als die grosse Wahlsiegerin. Die Pfäffiker Sektion spielt dabei aber mit ihren 5,5 Prozent vorderhand noch keine Rolle.
