Alt Nationalrätin Barbara Marty Kälin ist gestorben
Am 27. November ist die Gossauer SP-Politikerin Barbara Marty Kälin 68-jährig gestorben. Sie wuchs als zweites von fünf Kindern in Feuerthalen auf, wo ihre Familie eine Schlauchweberei betrieb.
Politisiert wurde sie durch ihre Eltern. Ihr Vater wirkte dort für die FDP einige Jahre als Gemeindepräsident und ihre Mutter war in der Schulpflege.
Kampf gegen neue Strassen
Erstmals engagierte sie sich politisch während ihrer Kantonsschulzeit in Schaffhausen. Sie wehrte sich gegen eine Strasse, die von Deutschland in die Schweiz durch eine Landschaft mit Auenwald und Flussbiotop führen sollte.
So wie damals eckte sie mit ihrer Haltung auch später immer wieder an. Ins Zürcher Oberland nach Gossau kam sie, weil sie hier 1978 an der Oberstufe eine Sprachklasse übernahm.
Schon bald wehrte sie sich auch hier gegen eine geplante Neubaustrecke, die Oberlandautobahn. Diese hätte nach den damaligen Plänen mitten durch Bertschikon geführt werden sollen. Zudem war dort auch noch eine Raststätte geplant. In der Folge sagten damals 70 Prozent der Stimmenden in Gossau Nein zum Vorhaben.
Politik auf drei Ebenen
In der Schule lernte sie ihren Mann, den Mathematiklehrer Emil Kälin kennen. Seit 1980 wohnte sie in Bertschikon und wurde Mutter von drei Kindern.
1980 engagierte sie sich für den Neubau der Badi Gossau. Und dank dem Engagement der unbequemen Vollblutpolitikerin erhielt Bertschikon auch die ersten Fussgängerinseln auf einer Staatsstrasse.
1991 wurde sie für die SP in den Zürcher Kantonsrat gewählt, wo sie bis 2003 wirkte. 1998 stieg sie auch in die kommunale Exekutive ein.
Im Gemeinderat blieb sie aber nur vier Jahre, denn am 5. Juni 2000 rückte sie für die zurücktretende Ursula Koch in den Nationalrat nach. Damit war sie für rund zwei Jahre gleichzeitig auf drei Ebenen als Politikerin tätig.
Umweltthemen wichtig
In ihrer Zeit im Nationalrat war sie Präsidentin der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie. Zudem gehörte sie für kürzere Zeit der Kommission für Rechtsfragen und der Finanzkommission an.
Ihr Wirken in Bern fand 2007 ein abruptes Ende, wurde sie doch nicht mehr gewählt und schied am 2. Dezember aus dem Parlament aus.
Im Jahr 2010 wurde Barbara Marty Kälin zur Präsidentin der Non-Profit-Organisation «KAGfreiland» gewählt, die sich für die artgerechte Haltung von Nutztieren in der Schweiz einsetzt. Diese Funktion führte sie zwei Jahre lang.
Sie übernahm in Bern die Geschäftsführung «Forum Landschaft». Zudem wurde sie beim Schweizer Tierschutz Leiterin der Fachstelle «Grizzly». Sie engagierte sich dafür, dass Bewohner in Alters- und Pflegeheimen ihr Haustier mitnehmen dürfen oder das Heim eigene Tiere hält.
«Global denken – lokal handeln»
Barbara Marty Kälin politisches Handeln war stets durch den Slogan «Global denken – lokal handeln» oder umgekehrt «Lokal denken – global handeln» bestimmt. Sie blieb auch nach ihrem Ausscheiden in Bern politisch mindestens auf kommunaler Ebene aktiv.
So lancierte sie etwa 2008 mit einer Initiative schärfere Energievorschriften bei Neubauten – sie wurde aber für ungültig erklärt.
2009 wehrte sie sich gegen die Einführung der Einheitsgemeinde. Ihre Stimmrechtsbeschwerde hatte zwar keinen Erfolg, doch das Volk erteilte dem Ansinnen eine Abfuhr. Bald nach der Erkrankung und dem Tod ihres Mannes erkrankte auch sie 2016 selbst schwer an Krebs.
Die Abdankung für Barbara Marty Kälin findet am 14. Dezember um 14.15 Uhr in der reformierten Kirche Gossau statt.