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Ustermer Benno Scherrer will Zürichs Glanz aufpolieren

Er will das «Bildungschaos» beenden und die Innovationskraft des Kantons wieder stärken: Am Freitag hat der Ustermer Benno Scherrer vor GLP-Publikum seinen Kampf um einen Sitz in der Regierung lanciert.

Der Ustermer Benno Scherrer will für die GLP einen Sitz in der Regierung erobern., Rund 140 Parteimitglieder waren beim Wahlkampfauftakt der Zürcher GLP dabei.

Christian Brändli

Ustermer Benno Scherrer will Zürichs Glanz aufpolieren

Der Zürcher Regierungsrat ist bei diesen Wahlen heisst begehrt. Neben allen Bisherigen treten sechs neue an. Zu diesen gehört der 57-jährige Ustermer GLP-Kantonsrat Benno Scherrer. Zusammen mit rund 140 Parteimitgliedern ist er am Freitag in Zürich in die heisse Wahlkampf-Phase eingetreten. «Diese Wahl ist entscheidend für die nächsten 30 Jahre, für die Zukunft des Kantons Zürich», findet Scherrer, der im vergangenen Amtsjahr 2021/22 das Kantonsparlament präsidiert hat.

«Der Regierungsrat verschläft die Zukunft»

Der Regierungsrat nutze die Chancen des Kantons in der Bildung, der Wirtschaft und dem Klimaschutz viel zu wenig, so der GLP-Kandidat. «Der Regierungsrat verschläft die Zukunft.»

«Bildung ist unsere wichtigste Ressource», hält Scherrer fest. Als Berufsschullehrer und Präsident der Ustermer Sekundarschulpflege hat er einen direkten Zugang zu diesem Thema. Doch gerade hier ortet er eine lange Problemliste, die vom chronischen Lehrermangel über ungelernte Lehrkräfte und fehlende Stipendien bis zu Führungslosigkeit während der Corona-Pandemie führe.

Steiner im Visier

Ohne den Namen auch nur einmal zu nennen, nimmt er damit direkt die Vorsteherin der Bildungsdirektion, Silvia Steiner (Mitte), ins Visier. Und deutet an, wo er seine Ressort-Präferenz hätte, wenn er den Sprung in die kantonale Exekutive schaffen würde.

Bildungsfragen sind dem Präsidenten der Ustermer Sekundarschulpflege am nächsten. (Foto: PD)

Begegnen will Scherrer diesem «Bildungschaos», indem er keine «unnötigen Reformen» mehr dulden, die Beteiligten besser in die Bildungspolitik einbinden, die Lehrpersonen in der Administration entlasten oder einfachere Stipendienabläufe ermöglichen würde.

Scherrers erste Führungserfahrung

Für diesen Wahlkampfauftakt hat die GLP die Paulus Akademie in Zürich gewählt. Nicht weil sie eine besondere Nähe zur katholischen Kirche hätte. Der Grund ist viel profaner: Hier ist die Saalmiete offenbar noch zahlbar. Für Benno Scherrer hatte die Wahl des Veranstaltungsorts aber dennoch etwas Erleuchtendes. So fand die Zusammenkunft im Saal «Korinth» statt. Gleich hiess auch der Pfadistamm, «in welchem ich meine erste Führungserfahrung sammelte», meinte Scherrer.

Der einzige Regierungsratskandidat aus dem Zürcher Oberland genoss die besondere Atmosphäre – «einen solchen Wahlauftakt mit so vielen Leuten haben wir noch nie gehabt»  – nicht zuletzt auch wegen der besonderen Publikumsanordnung. Er bewegte sich in einem Zuhörer-U, «ganz so angeordnet wie das englische Parlament», meinte die kantonale GLP-Co-Präsidentin Corina Gredig, die in Maur aufgewachsen ist.  

Benno Scherrer ist der einzige Kandidat für den Regierungsrat aus dem Zürcher Oberland. (Foto: PD)

Im Gegensatz zu jenem Gremium flogen aber die Argumente nicht von Seite zu Seite, sondern es wurde einträchtig die Zuversicht zelebriert, dass die Grünliberalen bei diesen Wahlen noch weiter Boden gut machen werde.

Hitzesommer und ein trockener Mund

«Zurück an die Spitze» lautet denn auch das Motto beim zweiten Schwerpunktthema von Scherrer, der Wirtschaft. Eigentlich sei Zürich ein hervorragender Wirtschaftsstandort. Doch unter der aktuellen Regierung sei er punkto Innovationskraft weit zurückgefallen. «Zürichs Glanz ist am Verblassen.» Es gelte die Fachkräftebasis zu stärken, indem Studierende aus Drittstaaten vereinfachten Zugang zum Arbeitsmarkt erhielten, die Steuern massvoll gesenkt würden und mehr auf Europa gesetzt werde.

«Ein Hitzesommer jagt den nächsten», meinte Scherrer schliesslich. Und es machte den Anschein, als darob gleich auch Scherrers Mund austrocknete. Jedenfalls gewann er erst mit einem Glas Wasser wieder seine Stimme zurück.

Es gelte, den Klimawandel endlich ernst zu nehmen. «Zürich muss sich bis spätestens 2040 zu einem klimaneutralen Kanton entwickeln», fordert er. Es gelte, sich von russischem Öl und Gas zu verabschieden und mit alternativen Energieträgern die Versorgung zu sichern. Zudem müsse die Bauverwaltung zu einem Kompetenz- und Supportzentrum für die Energiewende weiterentwickelt werden.

Social Media, Socken und viele Mezzes

Angesichts dieser Probleme, die gelöst werden müssten, aber auch weil die GLP zur viertstärksten Partei herangewachsen ist, sei es Zeit für eine grünliberale Stimme im Zürcher Regierungsrat. «Ich bin bereit dafür», unterstrich Scherrer.  

Neben digitaler Werbung setzt die GLP weiterhin auf Handfestes. (Bild: PD)

«Natürlich geht das», meinte Corina Gredig in Anspielung auf den Wahlslogan ihrer Partei. Sie schränkte aber ein, dass die Ausgangslage nicht einfach sei. Damit der Einzug in die Regierung gelingt, «landet Benno in jedem Briefkasten», wie sie betonte.

Auch wenn die GLP-Wahlkampagne «digitaler denn je» sein werde, setzen die Grünliberalen doch noch auf einige handfeste Dinge wie grün und blau gepunktete Socken und Taschen als Give-Aways. Und Benno Scherrer will mit zusätzlichen Fundraising-Dinners im House of Mezze in Uster Geld für den Wahlkampf sammeln.

Geforderte Zürcher GLP

Zum Abschluss stellten sich noch die GLP-Kantonsratskandidatinnen und -kandidaten vor, die sich fast die Waage halten. Dabei war zu erfahren, dass nicht nur «der FDP auf den Sack gegangen» werden soll, sondern Wähler mit «selbstgemachten Guetzlis, Öpfelchüechli und Punsch bestochen» würden.

Jürg Grossen, Präsident der GLP Schweiz, nimmt die Zürcher Partei in die Verantwortung. (Foto: PD)

Auf diese Innovationskraft der Zürcher zählt der Schweizer GLP-Präsident Jürg Grossen ganz besonders: «Der Zürcher Wahlkampf ist matchentscheidend für die GLP.» Die kantonale Partei trage eine grosse Verantwortung , auch um das Ziel eines Sitzes im Bundesrat zu erreichen.

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