Wohin will der Gemeinderat als Hotelmanager des «Wallbergs»?
Volketswil bietet für Beherbergungen wenig Auswahl. Gästen steht als einzige Unterkunft das Parkhotel Wallberg zur Verfügung. Damit hat Volketswil die tiefste Hotelbettendichte aller Nachbargemeinden; nur Schwerzenbach, das aktuell kein Hotel hat – aber wieder eines bekommt –, steht schlechter da (siehe Tabelle).
Geschäftsführerin Celeste Oliveira sagt, dass sie hauptsächlich Monteure aus dem In- und Ausland zu ihren Kunden zähle. «Touristen übernachten bei uns nicht.»
Damit kommt das Hotel mit angeschlossenem Restaurant offenbar gut über die Runden. Im letzten Monat habe man beinahe alle 17 Zimmer vergeben können, sagt Oliveira.
«Es ist sicherlich nicht die Kernaufgabe einer Gemeinde, ein Hotel zu betreiben.»
Jean-Philippe Pinto (Die Mitte), Gemeindepräsident Volketswil
Zu schaffen machte dem Betrieb die Pandemie. Zwar konnten Hotels in der Schweiz geöffnet bleiben, doch das nützte Oliveira nicht viel. «Die Nachfrage aus dem Ausland brach völlig ein», sagt sie. Deshalb hätten sie lange Zeit Kurzarbeit gehabt und das Hotel nur für wenige Gäste betrieben.
Umstrittene Besitzverhältnisse
Besitzerin des Wallbergs ist die Gemeinde Volketswil. Weil somit die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler für Investitionen oder Sanierungen aufkommen müssen, gab es in Vergangenheit auch immer wieder eine Grundsatzdiskussion darüber, wie sinnvoll es für eine Gemeinde überhaupt ist, einen Hotelbetrieb zu besitzen.
Und auch Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) sieht sich heute keineswegs als Hotelmanager: «Es ist sicherlich nicht die Kernaufgabe einer Gemeinde, ein Hotel zu betreiben.»
In der laufenden Legislatur wolle der Gemeinderat seine Liegenschaftsstrategie bezüglich Wallberg abschliessen und einen «Grundsatzentscheid» herbeiführen, sagt Pinto. Was mögliche Folgen dieses Entscheids sein könnten, ob zum Beispiel der Verkauf an Private eine Option wäre, will weder Pinto noch Liegenschaftsvorstand Michael De Vita-Läubli (GLP) beantworten.
Pinto sagt aber, dass letztlich das Stimmvolk das letzte Wort haben wird: «Hierzu wird sich die Bevölkerung selbstverständlich äussern und auch darüber abstimmen können.»
Gescheiterter Hotelneubau
Dass in der Vergangenheit das Interesse an einem Hotel vonseiten Privater nur ein kurzes Strohfeuer war, zeigt der Fall des Bauarena-Neubaus. Im Zuge dieses Projektes war vor über 15 Jahren auch ein Hotel geplant. Doch die Initianten haben diese Pläne wieder verworfen.
Dagegen könnten laut Pinto mit der Entwicklung des Innovationsparks in Dübendorf auch der Anreiz für Investoren steigen, ein Hotel in Volketswil zu errichten. Mit dem Wachstum des Areals werden rund 10’000 Arbeitsplätze geschaffen.
Letztlich entscheide der Markt, so Pinto. «Wenn eine Nachfrage nach Hotels in Volketswil da ist, wird auch gebaut.» Aus Gesprächen mit Firmen habe er den Eindruck, dass die Nachfrage durch das Angebot in der Flughafenregion und der Nachbargemeinden zum jetzigen Zeitpunkt abgedeckt sei.
Dagegen bestehe etwa im Gastroangebot eine grosse Lücke. «Ein gutes Restaurantangebot ist viel wichtiger für Volketswil als die Hoteldichte.»
