Fällander Weihnachtsbaum wird gefällt
Ein Sprichwort sagt: «Ein Baum, der fällt, macht mehr Krach als ein Wald, der wächst.» In Fällanden ist der prominenteste Baum zwar noch nicht gefallen, doch der Lärm ist zumindest in den sozialen Medien schon da. Gemeint ist die Tanne beim Sternenkreisel, die jeweils zur Adventszeit mit zahllosen Lichtern in einen gigantischen Weihnachtsbaum verwandelt wird.
Doch nicht in diesem Jahr. Die reformierte Kirche, auf deren Grund der Baum liegt, hat beschlossen, den Baum im nächsten Jahr zu fällen, weil er in einem schlechten Zustand ist. Und weil die Lichterkette laut einer Mitteilung des Gemeinderats defekt ist, haben die beiden Behörden beschlossen, auch auf den Weihnachtsschmuck zu verzichten.
«Diesen Betrag auszugeben für eine letzte Dekoration des Baumes, wäre völlig unverhältnismässig gewesen.»
Tobias Diener (FDP), Gemeindepräsident Fällanden
In der Fällander Facebookgruppe «Fällande, euses Dorf und eusi Gmeind» kommentierten etwa 20 User die bevorstehende Fällung. Die meisten bedauern das baldige Verschwinden ihres Dorfbaumes. «Schon als ich noch ein kleines Kind war, war es eine wunderschöne Tanne», schreibt eine Userin. Und eine andere: «Sehr, sehr schade. Ich würde mich auch an einem nur halb beleuchteten Baum erfreuen, wenn es schon das letzte Mal ist.»
Teure Reparatur
Eine alternative Dekoration des Fällander Wahrzeichens, wie es etwa in Wangen-Brüttisellen gemacht wird, ist allerdings nicht vorgesehen. Dort ruft der Vorstand der «Frauen Brüttisellen» die Bevölkerung zum Baumschmücken beim Gsellhof auf.
Gemeindepräsident Tobias Diener (FDP) sagt: «Man muss sich bewusst sein, dass an diesem grossen Baum ohne Hilfsmittel nur gerade die untersten Äste geschmückt werden könnten.»
Die Lichterkette musste jeweils mit einer Hebebühne aufwändig am hohen Baum angebracht werden. Laut Diener hat sich die Gemeinde finanziell beteiligt und die Arbeiten wurden zusätzlich vom Gewerbeverein und ein paar Freiwilligen unterstützt.
Die defekte Lichterkette zu reparieren, hätte einen «fünfstelligen Betrag» mit sich gezogen. «Diesen Betrag auszugeben für eine letzte Dekoration des Baumes, wäre völlig unverhältnismässig gewesen.»
«Mehr als ein Drittel des Stammes ist inzwischen durch den Käfer zerstört worden.»
Thomas Schaad, Kirchenpflegepräsident
Dass nun der Baum ganz verschwindet, macht auch Diener zu schaffen. «Der Baum war eine positive Assoziation von Weihnachten an einem Kreisel, der wegen des starken Verkehrs nicht nur positive Assoziationen weckt.»
Borkenkäfer lässt Baum sterben
Auch für den Fällander Kirchenpflegepräsidenten Thomas Schaad ist der lichterlose Baum ein grosser Verlust: «Unser Baum war weit herum sichtbar und hat alle erfreut.»
Für den Tannenbaum gebe es keine Rettung, weil er vom Borkenkäfer befallen sei. «Mehr als ein Drittel des Stammes ist inzwischen durch den Käfer zerstört worden.» Vor zwei oder drei Jahren seien erste Anzeichen dafür entdeckt worden.
Ein Datum für die Baumfällung stehe noch nicht fest. Laut Schaad gibt es auch wenig Anlass zur Hoffnung, dass ein neuer Baum anstelle des alten gepflanzt wird. «Wahrscheinlich wird es sehr schwierig, das Wurzelgeflecht zu entfernen und Platz für eine Neubepflanzung zu machen.» Zudem werde es nun wohl schwierig, den nötigen Grenzabstand zur Strasse einhalten zu können.
Immerhin habe die Kirche gleich hinter der alten Tanne einen Ersatz. Der Jungbaum sei allerdings noch sehr zierlich und erst zirka drei Meter hoch.
Der altehrwürdige Fällander Weihnachtsbaum bleibt zwar bis zu seiner Fällung ungeschmückt, dafür will Schaad an einem anderen Ort für Weihnachtsstimmung sorgen. «Wir werden im kleinen Nebenraum der reformierten Kirche eine beleuchtete Krippe aufstellen.»
Auch vonseiten der Politischen Gemeinde kommt ein festlicher Gruss. Gemeindepräsident Diener sagt, dass die Weihnachtsbeleuchtung entlang der Strassen trotz der Diskussion über eine mögliche Strommangellage installiert werde. Dabei hat offenbar auch der Tannenbaum beim Sternenkreisel eine Rolle gespielt. «Dieser Entscheid ist nicht nur, aber auch wegen des Baumes gefällt worden.»
