«Ich habe schon Respekt vor der Debatte, bin aber zuversichtlich»
Herr Ingold, das kürzlich vorgestellte Freiraumkonzept zeigt auf, wie das Flugplatzareal teilweise geöffnet und ökologisch aufgewertet werden soll. Sind die Anrainergemeinden zufrieden mit der eingeschlagenen Richtung?
André Ingold: Wir sind sehr zufrieden. Die Pläne bauen auf dem Natur- und Erholungskonzept auf, das Dübendorf, Wangen-Brüttisellen und Volketswil zusammen mit Naturschutzorganisationen vor gut einem Jahr vorgelegt haben. Alles, was wir angedacht und uns gewünscht haben, ist in das Freiraumkonzept eingeflossen.
Als der Bund noch die Planungshoheit hatte, waren die Flugplatzgemeinden mehr oder weniger zum Zuschauen verdammt. Das hat sich also definitiv geändert, seitdem die Planung auf Stufe Kanton läuft?
Ja, die Stimmen aus den Gemeinden werden jetzt gehört, Zusammenarbeit und Informationsaustausch funktionieren. So waren wir zuletzt auf operativer Ebene stark in die Ausarbeitung des Freiraumkonzepts involviert.
« Für die Entwicklung des Areals wäre der Gesamtbetrag wichtig. »
Der Druck auf freie Landflächen ist extrem gross, muss man den Verantwortlichen jetzt auf die Finger schauen, damit nicht alles überbaut wird?
Nein, die Freiräume sind so ausgeschieden, dass darauf nicht gebaut werden darf.
Haben die Pläne finanzielle Folgen für Dübendorf?
Die Stadt übernimmt lediglich die Kosten für die Ausdolung des Chrebsschüsselibachs sowie die Abfall- und Entsorgungsstellen, der grosse Rest entfällt auf den Kanton.
Die Entwicklung des Flugplatzareals hängt auch davon ab, ob die rund 100 Millionen für die Anschubfinanzierung vom Kantonsrat bewilligt werden, doch von links und rechts gibt es Kritik. Befürchten Sie, dass eine unheilige Allianz die Pläne kippen könnte?
Ich habe schon Respekt vor der Debatte, bin aber zuversichtlich, dass die Anträge durchkommen. Für die Entwicklung des Areals wäre der Gesamtbetrag wichtig. Würde nur ein Teil des Geldes gesprochen, wäre die Realisierung natürlich erschwert, ich glaube aber nicht, dass die Entwicklung daran scheitern könnte.
Unterschiedliche Meinungen aus den Parteien gibt es zur Anzahl Flugbewegungen. Die einen möchten den Betrieb eher vage auf 20’000 Starts und Landungen auslegen, andere wollen den Betrieb bei 20’000 Bewegungen deckeln. Was ist da die Haltung der Anrainer?
Wir möchten maximal 20’000 Starts und Landungen. Die Chancen sind gross, dass das am Schluss so festgelegt wird.
Es gibt auch Kritiker, die die Piste aufheben und den Betrieb auf Helikopterflüge beschränken möchten.
Da sind wir klar dagegen, weil es die Attraktivität des Innovationsparks extrem schmälern würde. Die Piste ist wichtig für Testflüge oder auch Testfahrten auf dem Boden.
Die Frage der Wohnnutzung ist ebenfalls nicht vom Tisch. Wäre es nicht sinnvoll, wenn angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt auf dem Areal Wohnungen gebaut werden könnten?
Eine Wohnnutzung war von Anfang nicht vorgesehen, daran halten wir fest. In den Anrainergemeinden und der weiteren Region wird es genügend Raum für dauerhaftes Wohnen geben. Möglich werden einzig eine beschränkte Anzahl Kurzaufenthalte in einem der Campusgebäude.
«Die 10’000 Arbeitsplätze entstehen nicht von heute auf morgen.»
Auf dem Areal soll es nicht weniger als 10’000 Arbeitsplätze geben. Kritiker befürchten, dass dies negative Auswirkungen auf die Stadt haben wird.
Alle reden immer von diesen Arbeitsplätzen und vergessen dabei, dass die nicht von heute auf morgen entstehen. Diese Entwicklung läuft über viele Jahre – wenn es denn überhaupt so viele werden. Eine Stärke der Planung für den Innovationspark ist, dass ohne weiteres die Möglichkeit besteht, die Weiterentwicklung zu stoppen, wenn kein Bedürfnis mehr besteht.
Wie gross ist die Gefahr, dass der Innovationspark nie richtig zum Rest von Dübendorf gehört, also zu einer Stadt neben der Stadt wird?
Auf diese Problematik haben wir ein grosses Augenmerk gelegt. Der Eventplatz und vor allem die grossen Parks sollen die Bevölkerung dazu animieren, das Gelände zu nutzen. Immerhin werden rund 50 Prozent der Fläche, die jetzt abgesperrt ist, öffentlich zugänglich werden.
