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Tösstaler diskutieren über ihre Zukunft – aber ohne die Jugend

Unter dem Motto «Jung und alt – gemeinsam Zukunft gestalten» haben die Tösstaler Kirchen den dritten Zukunftsabend organisiert. Zu Gast war ein renommierter Zukunftsforscher. Doch ein wichtiger Teilnehmer fehlte in der Diskussion.

Diskutieren über die Zukunft: Christa Hess-Brüngger, Markus Preisig, Zukunftsforscher Andreas Walker, Markus Schaaf, David Bach., Man müsse als junger Mensch Erfahrungen sammeln, sagte Brüngger, die Mitglied in der Schulpflege Turbenthal war., Zuvor gab der Zukunftsforscher Andreas Walker einen Einblick in die kommenden «Megatrends».

Foto: Noah Salvetti

Tösstaler diskutieren über ihre Zukunft – aber ohne die Jugend

«Nach uns die Sintflut» – dieses bekannte Sprichwort prangt auf einem Mauerwerk, durchgestrichen und ergänzt mit dem Schlagwort «Zukunft».

Mit diesem Motiv warb der Allianzkreis Mittleres Tösstal, ein Zusammenschluss verschiedener Tösstaler Kirchen, für den dritten Zukunftsabend, der am vergangenen Freitag stattfand. Er bildete den vorläufigen Abschluss der Veranstaltungsreihe.

Pandemiebedingt liegen die ersten beiden Abende schon länger zurück. Unter dem Motto «Jung und Alt – gemeinsam Zukunft gestalten, sollte über den Umgang mit den grossen Herausforderungen der Zeit diskutiert werden.

«Gehen wir in die Zukunft oder kommt sie bloss auf uns zu?»
Andreas Walker, Zukunftsforscher aus Basel

Heidi Noll, die reformierte Pfarrerin in Wila, wandte einige einleitende Worte an das Publikum. Auffallend: Die Stühle im Eichhalden-Saal in Wila waren zwar nicht leer, aber mehrheitlich von älteren Zeitgenossen besetzt. Wie sich später zeigen sollte, wurde denn auch mehr über als mit der Jugend diskutiert.

Aktiv in die Zukunft gehen

Star des Abends war Andreas Walker. Der Zukunftsforscher aus Basel befasst sich seit Jahren mit den grossen Trends der kommenden Jahre und Jahrzehnte.

In seinem Referat schlug er immer wieder Brücken von der Generation der «Babyboomer» zur «Generation Z», verglich deren Umgang mit Veränderungen. Folglich zeichnete Walker ein Bild vom Abwarten und falscher Bescheidenheit als klassische Schweizer Eigenschaften.

Porträtbild von Zukunftsforscher Andreas M. Walker.

Dabei erforderten Veränderungen ein offenes Denken. Schliesslich gebe es nicht nur einen Weg in die Zukunft, sondern viele verschiedene. «Gehen wir in die Zukunft oder kommt sie bloss auf uns zu?», fragte Walker in die Runde.

Man solle ob der Veränderungen nicht ohnmächtig sein, sondern sie aktiv beeinflussen, und den Mut haben, Dinge auszuprobieren, schlug er schliesslich vor.

Einer der «Megatrends»: die Digitalisierung. Früher sei es schlimm gewesen, den Zug zu verpassen, habe man doch seine Eltern im Ungewissen über die Verspätung gelassen.

Hoffnungen statt Sorgen messen

Ein weiterer Trend: Die «Silver Society», die Überalterung der Gesellschaft. «Heute gibt es mehr Senioren als Schüler und Studierende», sagte Walker. Am sogenannten «Prince Charles-Effekt» illustrierte er die Problematik, dass Generationenwechsel in Firmen oft erst kurz vor der Pensionierung des Nachfolgers vollzogen würden.

« Wir haben viele coole junge Menschen – ich habe immer wieder mit engagierten Polizeiaspiranten zu tun. »
Markus Schaaf, Präsident Verband der Kantonspolizei Zürich

Abschliessend präsentierte Andreas Walker einen Gegenentwurf zum traditionellen Sorgenbarometer, das die Credit Suisse zusammen mit dem Umfrageinstitut GFS Bern herausgibt. So stellte er die Hoffnungsquellen der Schweizerinnen und Schweizer vor: die freie Natur, Familie und Freunde, gelöste Probleme.

Es folgte eine kurze, aber dennoch lebhafte Podiumsdiskussion. David Bach, Pastor der Viva Kirche Wila, moderierte diese. «Wir haben auch einige Jugendliche zur Diskussion eingeladen, aber leider haben alle abgesagt», verkündete Bach mit Blick auf das Motto des Abends – «Jung und Alt».

Es diskutierten Christa Hess-Brüngger, ehemaliges Mitglied der Schulpflege Turbenthal, Markus Preisig, Vorsteher der Gesellschaftskommission Wila, der Zukunftsforscher Walker und Markus Schaaf, EVP-Kantonsrat und Leiter des Zentrums Rämismühle.

Braucht die Jugend mehr Freiheiten?

«Wir haben viele coole junge Menschen. So habe ich zu Beispiel immer wieder mit engagierten Polizeiaspiranten zu tun», sagte Kantonsrat Schaaf, der auch Präsident des Verbands der Kantonspolizei Zürich ist.

 Auch die abendlichen Versammlungen von Jugendlichen am Bahnhof Wila und die Abfälle, die sie hinterlassen würden, waren Thema.

«Viele der Freiheiten gingen auf Kosten der Natur oder ärmerer Gegenden wie Afrika.»
Markus Preisig, Mitglied Gesellschaftskommission Wila

«Es gibt eben nicht nur die eine Jugend, sondern auch viele, die sich freiwillig und gerne engagieren – etwa in der Jungschar oder der Klimajugend», erwiderte Markus Preisig.

 «Man muss als junger Mensch Erfahrungen sammeln. Die Erfahrungen, deren Spuren man dann vielleicht am Bahnhof sieht», sagte Christa Hess-Brüngger. Früher habe man eine gewisse Narrenfreiheit gehabt, die die heutige Jugend nicht mehr habe.

Jugendliche brauchen Freiräume – dies unterschrieb auch Zukunftsforscher Walker. Ideen, wie man solche Freiräume schaffen könnte, kamen aber nicht zur Sprache.

Hoffnungsträger Versicherungsmakler

Es sei aber nicht nur schlecht, dass man sich heute nicht mehr gleich viel erlauben könne wie damals, betonte Markus Preisig: «Viele der Freiheiten gingen auf Kosten der Natur oder ärmerer Gegenden wie Afrika.» Welche Freiheiten genau gemeint waren, blieb jedoch unklar.

Der reformierte Pfarrer aus Zell, Jens Liedtke Siems, verabschiedete sich schliesslich beim Publikum. «Wir haben viel Gutes gehört, das es mitzunehmen gilt.» Nachdenklich gemacht habe ihn einzig, dass Pfarrer im Hoffnungsträger-Index inzwischen hinter den Versicherungsmaklern rangieren würden.

 «Es hat Mut gemacht, zu sehen, wie viele sich für eine bessere Zukunft einsetzen und zu erfahren, dass Interesse an diesem Austausch besteht – auch wenn wir nicht immer viele Besucher hatten», bilanzierte Heidi Noll am Ende des dritten Zukunftsabends.

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