Rüti wehrt sich weiter gegen Deponie-Lastwagen
Der zusätzliche Lastwagenverkehr, der durch Rüti rollen soll, sei gering. «Und die Lärmemissionen liegen im nicht wahrnehmbaren Bereich.»
So versucht die Schmucki Kies + Tiefbau AG, eine Tochterfirma der Johann Müller AG Schmerikon (JMS), der Oberländer Gemeinde ihr Projekt für eine Deponie im Weiler Ermenswil schmackhaft zu machen.
Von der Kiesgrube zur Deponie
Die seit den 1970er-Jahren dort betriebene Kiesgrube Sonnenfeld, die auf St. Galler Boden, aber nur 400 Meter von der Grenze zum Kanton Zürich entfernt liegt, soll ausgedehnt werden. Und anschliessend sollen die Löcher mit unverschmutztem Aushubmaterial sowie leicht belasteten Bauabfällen wieder aufgefüllt werden.
Das «Sonnenfeld» liegt in Blickweite der Rütner Aussenwacht Weier. Mit der Vergrösserung der Kiesgrube zur Deponie wird diese für die Anwohner noch augenfälliger – und vielleicht auch hörbarer.
73 Lastwagenfahrten pro Tag
Schon heute sind es pro Betriebstag 19 Kieslaster, die von Ermenswil aus ihren Weg durch Rüti suchen. 28 sind es nach Eschenbach.
Mit der Realisierung der Deponie kämen nach den neusten Plänen 14 Transporte pro Betriebstag durch das Rütner Zentrum hinzu. Richtung Eschenbach wären es deren 12.
Gesamthaft rechnet die Firma bei einem Deponiebetrieb mit 17’500 Lastwagenfahrten pro Jahr oder 73 pro Betriebstag. Noch vor zwei Jahren ging die JMS gar von 24’200 aus. Doch seither musste die Firma ihre Pläne abspecken.
Im Rahmen eines Anhörungs- und Mitwirkungsverfahrens hatte es Proteste aus der Bevölkerung gehagelt – und vor allem hatte ein Grundbesitzer die JMS wissen lassen, dass er nicht verkaufen werde.
Waldrodung vorgesehen
So soll nun 15 Prozent weniger Kies abgebaut werden und die Deponie flächenmässig um 9 Prozent reduziert werden. Mit einem Deponievolumen von noch 804’000 Kubikmetern wird sie nun deutlich kleiner ausfallen als etwa die vor kurzem beschlossene Vergrösserung der geplanten Inertstoffdeponie in der Leerüti zwischen Gossau, Egg und Mönchaltorf. Dort ist das Volumen von 500’000 auf 1’300’000 Kubikmeter vergrössert worden. Eingelagert werden sollen dort wenig verschmutztes Aushubmaterial, mineralische Bauabfälle sowie Flachglas.
Im Oberland wie in Ermenswil soll für die Deponie Wald gerodet werden. 25’200 Quadratmeter sollen es im Sonnenfeld sein. Das entspricht immerhin der Fläche von rund fünf Fussballfeldern.
Einsprache aus Rüti
Obwohl die Zahl der erwarteten Lastwagentransporte mit der Verkleinerung der Deponie sowie der Vermeidung von Leerfahrten reduziert worden ist, stossen die Pläne in der Gemeinde Rüti auf keine Begeisterung.
Während des Auflageverfahrens, das den Sommer über lief, hat sich auch Rüti eingeschaltet, wie der stellvertretende Gemeindeschreiber Simon Bornhauser bestätigt: «Die Gemeinde Rüti hat eine Einsprache gegen den Sondernutzungsplan eingereicht. Sie bezieht sich vor allem auf die Verkehrssituation, die unsere Gemeinde betrifft, und deren negativen Auswirkungen auf Rüti.»
Auf Einzelheiten will die Gemeinde allerdings nicht eingehen, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. So stellt sich etwa die Frage, wieso Rüti mehr Mehrverkehr schlucken soll als Eschenbach. Vor zwei Jahren hatte sich der damalige Rütner Gemeindepräsident Peter Luginbühl (FDP) noch optimistisch gezeigt, dass «eine intelligente Lösung» gefunden werde.
Geplante Deponie vor Rütis Haustüre wird kleiner
06.07.2020

Baufirma lenkt ein
Die Gemeinde Eschenbach hat den Mitwirkungsbericht zum Deponieprojekt der ausführenden Baufirma v Beitrag in Merkliste speichern Vom Tisch ist etwa auch eine Einleitung des Lastwagenverkehrs von Ermenswil direkt auf die nahe A15, der Fortsetzung der Oberlandautobahn. Das Problem sind offenbar die kurzen Abstände zwischen den Tunnels in diesem Streckenbereich.
«Entsprechende Abklärungen seitens Kanton und Region haben ergeben, dass die Erstellung einer Ein- und Ausfahrt aufgrund der Sichtweiten nicht in Frage kommt», hält die JMS auf der eigens eingerichteten Online-Informationsseite fest.
Betreiberin hat Stellung genommen
Zum aktuellen Stand des Verfahrens hält sich auch die Standortgemeinde Eschenbach kurz. Deren Gemeindepräsident Cornel Aerne (Die Mitte) meint nur: «Die Einsprachefrist für das Projekt ist Ende Juni 2022 abgelaufen. Zur Anzahl und zum Inhalt der Einsprachen können wir aufgrund des laufenden Verfahrens aktuell keine Auskünfte erteilen.»
Und während Aerne sagt, dass sich die eingegangenen Einsprachen noch beim Gesuchsteller zur Stellungnahme befänden, heisst es von Bettina Jud, JMS-Geschäftsleitungsmitglied, dass sie diese Ende September eingereicht habe. Auch sie schweigt sich aber über deren Inhalt aus.
Kein Zeitplan
Die Zurückhaltung rührt wohl auch daher, dass das Vorhaben nicht nur auf der Zürcher Seite, sondern auch im st. gallischen Eschenbach auf grosse Opposition stösst. Eine gewichtige Einsprache stammt von 36 Privatpersonen, die sie gemeinsam mit dem Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) eingereicht haben. Darin werden insbesondere Mängel punkto Verkehrsplanung und Lärmbelastung moniert. Zudem gibt es Bedenken wegen der Verkehrssicherheit in Rüti und Eschenbach.
Obwohl der Ball aktuell bei der Gemeinde Eschenbach liegt, gibt es vom Gemeindepräsidenten keinen Kommentar zum weiteren Zeitplan. Gemäss dem an einer Informationsveranstaltung im Mai vom St. Galler Amt für Umwelt vorgestellten Prozessablauf müsste nun eigentlich als nächstes die Baubewilligung durch die Gemeinde erfolgen.
Auch wenn das Urteil ausfällt, gibt es aber noch weitere Hürden zu nehmen. So müsste dann die Umweltverträglichkeitsprüfung samt kantonaler Errichtungsbewilligung erfolgen. Danach stünde auch noch die Genehmigung des Sondernutzungsplans an, ehe dann die Betriebsbewilligung erteilt würde. Das dürfte nochmals einige Zeit dauern.
Betrieb während Vierteljahrhundert
Immerhin handelt es sich bei der Deponie aber auch um ein Jahrhundertvorhaben. Über 25 Jahre hinweg soll die Deponie in drei Etappen betrieben werden. Für langjährigen Verkehr ist also gesorgt – und wohl auch für langen Streit.
Anwohner haben nämlich angekündigt, dass sie wegen des Deponieausbaus eine Klage vorbereiten würden. Werde diese realisiert, würden ihre Liegenschaften an Wert verlieren. Und dafür wollen sie dann von der JMS eine Entschädigung erhalten.
