Ein Wetziker schaut in Illnau-Effretikon nach dem Rechten
Es ist bei Michael Käppeli nicht immer ganz einfach, den Schalk vom Ernst zu trennen. Der Sicherheitsvorsteher von Illnau-Effretikon hat einen trockenen Humor. Doch als er in der letzten Fragestunde des Parlaments auf die Personalfluktuation bei der Stadtpolizei angesprochen wird, ist seine Antwort unmissverständlich. «Jetzt haben wir Vollbestand. Das freut mich ausserordentlich.»
Damit hat es der FDP-Stadtrat gleich offiziell verkündet: Die Stadtpolizei Illnau-Effretikon hat einen neuen Polizeichef. Martin Aegerter hat seinen Dienst am 1. Oktober aufgenommen. Derweil ist der stellvertretende Polizeichef Roger Studer, der die Position seit dem Abgang von Beat Möckli Ende Juni interimistisch besetzte, wieder ins zweite Glied zurückgetreten.
Ein guter Moment, um Luft zu holen? Nein.
Tatsächlich ist es in den Zeiten des grossflächigen Fachkräftemangels komfortabel, alle Stellen besetzt zu wissen. So kann sich das Korps, für das acht Polizistinnen und Polizisten und zwei Verwaltungsangestellte arbeiten, auch strategisch nach vorne orientieren. Ein guter Moment also, um einmal tief Luft zu holen? «Auf keinen Fall», sagt Käppeli. «Jetzt muss das Korps stabilisiert und die Motivation und der Teamspirit weiter gepflegt und gestärkt werden.»
Anruf beim Mann, dem diese Aufgabe übertragen worden ist. Martin Aegerter, das zeigt sich schnell, hat klare Vorstellungen. Er sagt: «Der Chef muss sich mit der Mannschaft auf Augenhöhe bewegen. Die Stärken jedes Einzelnen müssen zur Geltung gebracht werden. Und es braucht einen ehrlichen und wertschätzenden Umgang miteinander. Denn nur gemeinsam als Team erreichen wir unsere Ziele.»
Ein Blick auf die illustre Vita zeigt: Der 53-jährige Wetziker spricht aus Erfahrung. Nach einigen Jahren auf seinem gelernten Beruf als Lastwagenmechaniker bei den Verkehrbetrieben Zürichsee Oberland, absolviert er 1997 die Ausbildung zum Polizisten bei der Kantonspolizei am Flughafen Zürich. Es folgen sechs Jahre bei der Kommunalpolizei Uster, danach vier als stellvertretender Chef bei der Stadtpolizei Wetzikon. Im Regionalverbund ist er überdies als Instruktor Polizeischiessen und als Fachspezialist Schwerverkehr tätig.
2009 wechselt er zur Eidgenössischen Alkoholverwaltung, bei der er als Sektorleiter im Aussendienst sowohl Kontrollen als auch Strafuntersuchungen durchführt. 2017 schliesst er sich der Zollfahndung an, wo er sich in der gesamten Ost- und Zentralschweiz der Strafverfolgung von schwerwiegenden Schmuggeldelikten annimmt.
Keine grossen Kriminalfälle
Und jetzt also der Schritt zurück ins Zürcher Oberland. In Illnau-Effretikon übernimmt Aegerter erstmals die Führung einer Kommunalpolizei. Ein Karriereschritt, der ihn reizt. «Ich kann in einem dynamischen Umfeld ein Team leiten und etwas bewegen.»
Die Sachbearbeitung von grossen Kriminalfällen, das liegt in der Natur einer Kommunalpolizei, werden ihn hier nicht beschäftigen. Stattdessen geht es darum, für Sicherheit, Ruhe und Ordnung zu sorgen. «Wir müssen präsent und beim Bürger sein», betont er. Sei es bei der Fuss- und Velopatrouille oder etwa dem Stand am Herbstmärt.
An Ansagen wie diesen dürfte wiederum der Sicherheitsvorsteher Michael Käppeli Freude haben, entsprechen sie doch exakt seinen Vorstellungen einer «sichtbaren und bürgernahen» Polizei. Doch wohin soll die gemeinsame Reise konkret gehen? «Ich bin knapp 100 Tage im Amt, Herr Aegerter noch nicht einmal zwei Wochen», sagt Michael Käppeli. «Wir werden unsere Ziele nun gemeinsam mit dem Team erarbeiten und formulieren.»
Die Jagd nach dem unbelehrbaren Velodieb
Eine erste gemeinsame Herausforderung, der Martin Aegerter mit der Stadtpolizei begegnen muss, hat sich ebenfalls an der parlamentarischen Fragestunde offenbart. Auf eine konkrete Anfrage des SP-Parlamentariers Dominik Mühlebach bestätigte Sicherheitsvorsteher Michael Käppeli, dass beim Bahnhof Effretikon, speziell beim Velounterstand an der Brandrietstrasse, vermehrt Velos gestohlen werden. 2020 wurden im ganzen Jahr 16 Diebstähle notiert, im Jahr 2021 deren 30 und nun, Stand Juli 2022, bereits wieder 34.
Der Anstieg sei schwergewichtig auf eine Person zurückzuführen. Diese sei schon mehrfach überführt worden. «Bei dieser Deliktart können wir die Täterschaft nicht einfach wegsperren. Wir müssen sie immer wieder rausfischen», erklärt Käppeli. Deshalb werde er nun abklären, ob an der besagten Stelle eine Videoüberwachung hilfreich wäre. «Wir haben noch weitere Massnahmen im Kopf», sagt derweil Martin Aegerter. Bei der Nachfrage, welche das sein könnten, entschuldigt er sich. «Auch wenn ich das hier gerne sagen würde, unterlasse ich es aus polizeitaktischen Gründen. Die Täterschaft kann schliesslich mitlesen.» (mmu)
