Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

Geldsorgen trotz hoher Besucherzahlen

Der Verein Naturzentrum Pfäffikersee hat die drei Anrainergemeinden um finanzielle Hilfe gebeten um den letzten Schuldenbrocken der Bauarbeiten zu tilgen. Dies sei jedoch kein Zeichen dafür, dass der Betrieb schlecht läuft, sagt Präsident Ernst Ott.

Seit 2019 steht das Naturzentrum Pfäffikersee der Bevölkerung offen.

Archivfoto: Nathalie Guinand

Geldsorgen trotz hoher Besucherzahlen

Obwohl rund ein Drittel aller Veranstaltungen pandemiebedingt abgesagt werden mussten, haben im letzten Jahr weit über 10’000 Personen das Naturzentrum Pfäffikersee in Pfäffikon besucht. Eine Zahl, die Ernst Ott, Präsident des Trägervereins, freut. «Die Besucherzahlen entwickeln sich sehr gut und die Rückmeldungen sind ebenfalls durchs Band positiv.»

Trotzdem hat der Verein Naturzentrum Pfäffikersee mit Geldsorgen zu kämpfen. Denn vom Bau der Anlage, die im April 2019 eingeweiht wurde, bleibt noch eine Restschuld zurück: 2,8 Millionen Franken haben die Bauarbeiten gekostet, fast 300’000 Franken davon konnten auch bisher nicht zurückbezahlt werden.

Kein Eintrittsgeld geplant

Nicht nur die Corona-Pandemie belastete die Kasse. Bereits im ersten Betriebsjahr erlitt das Naturzentrum einen Wasserschaden und musste während zwei Monaten unter der Woche geschlossen bleiben. Somit war die Ausstellung nur am Wochenende geöffnet. Grund für den Schaden war ein fehlerhafter Schacht, über den Monate lang Wasser in das Gebäude eindringen konnte.

«Die laufenden Kosten sind nicht das Problem», betont Ott. «Aber diese Restschuld der Baukosten ist wie ein Klotz am Bein, den wir bisher nicht abschütteln konnten.» Und er hindere potenzielle Spender daran, das Zentrum zu unterstützen. «Vor allem Gemeinden beteiligen sich lieber an einem gesunden Betrieb.»

Und genau auf diese Gemeinden sei der Vereinsvorstand nun mit seinem Anliegen zugegangen. Beim jährlichen Austausch mit den Präsidenten der Anrainergemeinden des Pfäffikersees habe man das Geldproblem adressiert. «Und es waren sich alle schnell einig, dass das Loch in der Kasse auf eine andere Art als durch die Einführung eines Eintrittsgeldes in das Zentrum gestopft werden muss.»

Der Verein Naturzentrum Pfäffikersee wurde durch die Vereinigung Pro Pfäffikersee, Pro Natura Zürich, Birdlife Schweiz und Birdlife Zürich gegründet. Er betreibt das Naturzentrum Pfäffikersee, das vom Kanton Zürich einen Bildungsauftrag hat und demnach auch von ihm finanziell unterstützt wird. Daneben wird der Betrieb durch Beiträge von Gemeinden und Spendern ermöglicht. Der Eintritt in das Naturzentrum ist kostenlos, für Veranstaltungen und Führungen wird ein Preis verrechnet. Weitere Informationen unter www.naturzentrum-pfaeffikersee.ch.

So hat der Verein einen Plan ausgearbeitet, mit dem er die Schulden bis 2030 abbauen will. Gleichzeitig soll eine Liquiditätsreserve von 100’000 Franken aufgebaut werden, mit der etwa neue Elemente in der Ausstellung finanziert werden können. Die Stadt Wetzikon hat noch keinen abschliessenden Entscheid gefällt, aber aus Seegräben und Pfäffikon liegt die Antwort bereits vor.

Die Seegräbner Exekutive hat dem Verein seine Unterstützung zugesichert und einen jährlichen Beitrag von 1500 Franken – einen Franken pro Jahr und Einwohnerzahl – zugesichert. Von der Gemeinde Pfäffikon gibt es ebenfalls Geld. Allerdings etwas weniger als im Plan vorgesehen.

Nur Zuschuss für Tilgung der Schulden

2017 hatte die Pfäffiker Gemeindeversammlung für den Neubau des Naturzentrums der Abgabe von Gemeindeland im Baurecht im Betrag von 300’000 Franken zugestimmt, sowie dem Erlass des jährlichen Baurechtszinses von 6000 während der ersten zehn Jahren. Auch hat der Gemeinderat in eigener Kompetenz bereits einen einmaligen Investitionsbeitrag von rund 60’000 Franken gesprochen.

«In Anbetracht der bereits bewilligten Beiträge sieht der Gemeinderat lediglich einen Zuschuss zur Tilgung der Restschuld», schreibt er in seinem aktuellen Bericht. An den Aufbau einer Liquiditätsreserve möchte er keinen Beitrag leisten. So wird statt der angefragten rund 12’500 Franken ein Betrag von 8500 Franken im Budget für die nächsten Jahre vorgesehen.

«Ich bin schon während der ganzen Planung, die über über fünf Jahre vor der Eröffnung begonnen hatte, optimistisch geblieben.»
Ernst Ott, Präsident Verein Naturzentrum Pfäffikersee

Für Ernst Ott ist diese Nachricht trotzdem ein Grund zur Freude. «Wenn es um die Erneuerung der Ausstellung oder andere einmalige Unterstützungsbeiträge geht, hat man uns signalisiert, dass solche Beiträge trotzdem möglich seien.» Denn dass das Naturzentrum eine Bereicherung für den Standort ist, darüber seien sich alle einig.

Und sowieso: «Ich bin schon während der ganzen Planung, die über über fünf Jahre vor der Eröffnung begonnen hatte, optimistisch geblieben.» So habe man etwa auch den Spatenstich gefeiert, als erst 1,5 Millionen Franken zusammengekommen waren. «Aber das Echo war schon von Anfang an so gut, dass wir das finanzielle Risiko in Kauf nahmen und zuversichtlich blieben, dass die Baukosten gedeckt werden können.»

Start mit hundert Prozent

Dass dies nicht ganz funktioniert hat, sei insofern zu bewältigen, da man einen Kredit habe aufnehmen können, bei dem die Konditionen dem Verein viel Flexibilität ermöglichen. «Gemäss Vertrag gibt es einen gewissen Spielraum für Zeitpunkt und Höhe der Rückzahlungsraten», sagt Ott. Trotzdem seien beide Parteien daran interessiert, dass die Schulden zeitnah gedeckt würden.

Im Rückblick würde er trotz der heutigen finanziellen Lage nicht anders an das Projekt herangehen. «Mit einem langsamen Aufbau des Betriebs, hätte man sich gewisse Ausgaben noch aufsparen und mit der Zeit dazunehmen können.» Dazu gehören etwa Elemente der multimedialen Infrastruktur, das Infomobil oder das Material für Schulklassen. «Aber wir wollten von Anfang an hundert Prozent geben, und das hat sich auch gelohnt.»

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns