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Stimmvolk verwirft Tempo 30 deutlich – die Reaktionen

Die Stimmbevölkerung von Wald lehnt beide Varianten der Tempo 30-Einführung deutlich ab. Das sagen Gegner und Befürworter zum überraschenden Entscheid.

Sorgte für grosse Diskussionen in Wald: Einführung von Tempo 30.

Foto: Christian Merz

Stimmvolk verwirft Tempo 30 deutlich – die Reaktionen

Das Thema Tempo 30 bewegt. So auch das Stimmvolk von Wald. Zwei Varianten für Tempo 30-Zonen in grossem Stil standen am 25. September zur Abstimmung: Eine flächendeckende, wie vom Gemeinderat vorgeschlagen, und eine abgespeckte Version, die an der Gemeindeversammlung im Frühjahr entstand.

77 Strassen sollten bei der grossflächigen Variante B neu eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h erlauben. 27 wären es bei der schlankeren Version A gewesen. Der Urnengang vom Sonntag zeigt: Beide Varianten bleiben chancenlos.

Die Variante A «Tempo 30 reduziert» umfasst die Zonen A (Blattenbach und Feracher), B (Binzhalde) D im Raum südlich Sanatoriumsstrasse bis und mit Plattenstrasse bis hinauf zur Heferen und zwei Wohnstrassen in Laupen: die Hofacherstrasse (H) und die Mürtschenstrasse (J). (siehe Karte)

 

Die Variante B «Tempo 30 in den Quartieren» umfasst eine vergrösserte Zone B, Zone C (Strassen nördlich Sanatoriumsstrasse, E erweitert, die Zonen F und G rechts und links der Laupenstrasse nach Laupen und dort erweiterten Zonen H und J. (siehe Karte)

61,4 Prozent der Stimmberechtigten legten bei Variante B ein Nein in die Urne. Variante A lehnten 58,9 Prozent der Bürgerinnen und Bürger ab. Die Stimmbeteiligung lag bei rund 51 Prozent.

Zwei Varianten mit Tücken

 «Offenbar vermochte keine der beiden Vorlagen zu überzeugen», bilanziert Gemeindepräsident Ernst Kocher (SVP). Er seit jedoch froh über das eindeutige Resultat.

Gründe für die Ablehnung beider Varianten sieht Kocher vor allem in ihrem jeweiligen Umfang. «Meiner Interpretation nach war die Vorlage des Gemeinderates zu weitreichend, während in der abgespeckten Variante viele Strassen fehlten, bei denen Tempo 30 Sinn machen würde», sagt Kocher.

«Interessant ist, dass es bei der Einführung von Tempo 30-Abschnitten bei Strassensanierungen nie Widerstand gab.»
Ernst Kocher, Gemeindepräsident Wald (SVP)

Dies seien beispielsweise Zufahrtsstrassen zu Schulhäusern. Bei der umfangreicheren Version hätte es hingegen Strassen gegeben, bei denen Tempo 30 mehr Belastung als Verbesserung dargestellt hätte, etwa für den Winterdienst, so Kocher weiter.

Ist das Thema Tempo 30 in Wald mit dem klaren Volksentscheid nun vom Tisch? «Das kann ich so noch nicht sagen», erwidert der Gemeindepräsident. Interessant sei aber, dass es bei der punktuellen Einführung von Tempo 30-Abschnitten, etwa bei Strassensanierungen, nie Widerstand aus der Bevölkerung gegeben habe.

«Haben den Puls der Leute getroffen»

«Mit dem klaren Resultat müssen wir uns nun aber fragen, ob wir die Philosophie, solche Zonen wo sinnvoll und angezeigt einzurichten, so weiterverfolgen können», sagt Kocher.

«Ich denke nicht, dass der Gemeinderat punktuelle Tempo 30-Zonen ganz zur Seite legen wird.»
Walter Honegger, alt Gemeindepräsident (SVP)

Gegen beide Varianten waren FDP und SVP und mit ihnen alt Gemeindepräsident Walter Honegger (SVP). Entsprechend zufrieden stimmt ihn das deutliche Resultat. «Offensichtlich haben wir den Puls der Leute getroffen. Wir sind froh, dass das Ergebnis so klar ausgefallen ist», sagt Honegger.

Er heisse es gut, dass die Vorlage an der Urne entschieden wurde. «So konnten sich zehnmal mehr Leute äussern.» Der grosse Nein-Anteil zeige, dass die Mehrheit der Walder kein Interesse an grossflächigen Tempo 30-Zonen habe.

«Ich denke aber nicht, dass der Gemeinderat punktuelle Tempo 30-Zonen ganz zur Seite legen wird, denn zur Verkehrsberuhigung scheint es ja erwünscht zu sein», so Honegger weiter.

Tempo 30 nicht endgültig vom Tisch

Gross ist die Enttäuschung bei den Befürwortern um Mitinitiantin Lea Burkart. «Vier Jahre Arbeit und viel Steuergeld wurden in den Sand gesetzt», sagt sie.

«Wir haben hier Schulwege ohne Trottoir, durch die man mit 50 durchbrettern kann.»
Lea Burkart, Mit-Initiantin Tempo 30 Wald

Die Gegner hätten massiv mobilisiert, was die beiden Vorlagen wohl zum Scheitern gebracht habe. « Die reduzierte Variante war wohl keine ernstgemeinte Alternative, zumal die Gegner diese dann selbst versenkt haben», sagt Burkart. Tempo 30 ist für die Initianten indes noch nicht endgültig vom Tisch.

«Wir müssen uns erst sammeln, akzeptieren aber das Ergebnis. Neue Pläne werden wir zu gegebener Zeit offen kommunizieren», so die Mit-Initiantin weiter. Die Gegner hätten hingegen alles andere als mit offenen Karten gespielt.

An der Absicht des überparteilichen Komitees ändert sich nichts. «Der Bedarf für mehr Tempo 30-Zonen in Wald ist unbestritten. Wir haben hier Schulwege ohne Trottoir, durch die man mit 50 durchbrettern kann», sagt sie weiter.

Viele Strassen seien sowieso schon eng und unübersichtlich und erforderten, das Tempo zu drosseln. «Man hätte also gar keine grossen Anpassungen machen müssen, um Tempo 30 offiziell einzuführen.»

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