Mehr Geld für Pfäffiker Vereine
Obwohl am Montagabend an der Pfäffiker Gemeindeversammlung ein Geschäft beraten wurde, das die Jugend direkt betrifft, war das Durchschnittsalter der 133 Versammelten im Chesselhuus gewohnt hoch. Die Einzelinitiative der EVP zur finanziellen Unterstützung der Kinder- und Jugendförderung war das einzige Geschäft auf der Traktandenliste.
Diese wurde von Laura Weidmann, Mitinitiantin und Vorstandsmitglied der JEVP Kanton Zürich, präsentiert. «In der Gemeinde fehlt ein verbindliches und übersichtliches Konzept zur finanziellen Unterstützung von Vereinen mit regelmässigen Aktivitäten für Kinder und Jugendliche», führte sie aus.
60’000 Franken pro Jahr
In Anlehnung an die Stadt Wetzikon forderten die Initianten, dass der Gemeinderat einen «Förderverein Jugend Pfäffikon» gründet, in dem Pfäffiker Vereine mit Kinder- und Jugendförderung Mitglied werden. Die Generalversammlung des Vereines soll ein Beitragsreglement verfassen, welches den Verteilschlüssel für den jährlichen Förderbeitrag von mindestens 60’000 Franken regelt.
«Aktuell erfolgt die Vergabe von Geldern in der Gemeinde situativ und punktuell», sagte Weidmann. «Zudem wird die wertvolle Kinder- und Jugendarbeit nur wenig ästimiert.»
«Wir bräuchten schon konkrete Hinweise, was wir besser machen können.»
Lukas Weiss (Grüne), Gemeinderat
Ein Vorwurf, den Gesellschaftsvorstand Lukas Weiss (Grüne) in der Stellungnahme des Gemeinderates zurückwies. Es bestehe bereits ein Jugendleitbild und es würden regelmässig Fördergelder gesprochen. «Der Gemeinderat schätzt die Vereinsarbeit sehr und nimmt, wenn immer möglich, auch an Anlässen teil», sagte Weiss. «Wir bräuchten schon konkrete Hinweise, was wir besser machen können.»
Alleine über den Bosshard-Spörri-Stadelmann-Fonds stehen jährlich 30’000 Franken für Beiträge zur Verfügung. «Aber wenn keine Gesuche gestellt werden, kann der Gemeinderat auch keine Gelder sprechen», sagte Weiss. «Die 30’000 Franken werden eigentlich nie ganz ausgeschöpft.»
Grösster Verein ginge leer aus
Max Hächler, Präsident des FC Pfäffikon, kritisierte in der folgenden Diskussion, dass Vereine mit einer Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde vom Förderverein ausgeschlossen würden und daher keine Chance auf zusätzliche Beiträge hätten. «Es darf nicht sein, dass der grösste Verein der Gemeinde leer ausgeht.» Die Leistungsvereinbarung des FC beziehe sich denn auch nur auf das Garderobengebäude und dessen Unterhalt und habe nichts mit Kinder- oder Jugendförderung zu tun.
Mitinitiantin Ursula Longatti, Präsidentin der örtlichen EVP, führte aus, man sei davon ausgegangen, die Gemeinde sei dem FC durch das neue Garderobengebäude, schon stark entgegengekommen sei. «Würde man den FC zum Kreis der Vereine dazunehmen, der etwas vom Topf erhalten würde, müsste der verfügbare Gesamtbetrag wohl massiv erhöht werden.»
Andi Räz von der IG Sport Pfäffikon und Präsident der ZO Pumas präsentierte einen Gegenvorschlag zur Initiative: Der Gemeinderat soll beauftragt werden, jedem Verein in Pfäffikon, der nachweislich regelmässig Kinder- und Jugendförderung anbietet, jährlich pro Kind und Jugendlichem mit Wohnsitz in Pfäffikon einen Betrag von 100 Franken zu überweisen.
Auch Pirmin Knecht, Präsident der Grünen Pfäffikon, wollte eine Alternative zur Initiative bieten. Er stellte den Änderungsantrag, der Gemeinderat solle die Anliegen der Initiative in die angekündigte Überarbeitung des Jugendleitbildes einfliessen lassen, das neue Beitragsreglement von der Gemeindeversammlung abgesegnet und das Ganze in einem Workshopverfahren mit den Vereinen erarbeitet werden.
Keine neuen Vorlagen erlaubt
Doch der Versammlung war es nicht vergönnt, über diese beiden Vorschläge abzustimmen. «Nur der Gemeinderat kann einen Gegenvorschlag ausarbeiten», stellte Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma klar. Und Änderungsanträge dürfen keine derart neue Vorlage darstellen, dass die Elemente der Initiative ausgeblendet würden. «Die Folgen wären nicht absehbar.»
Ein Änderungsantrag, der akzeptiert werden konnte, kam schliesslich von Stephan Portmann, der ebenfalls im Vorstand der ZO Pumas ist. Er forderte, den Text so anzupassen, dass nur Vereine mit einem Leistungsauftrag «im Bereich der Kinder- und Jugendförderung» nicht Bestandteil der Initiative sind. Da dadurch mehr Vereine mit umso mehr Mitgliedern zum Zug kämen, sollte auch der jährliche Förderbeitrag von 60’000 auf 100’000 Franken erhöht werden.
Zuletzt liess Hansjörg Klossner, Präsident des Seniorenvereins, die Emotionen noch etwas hochkochen, indem er die Vereine dazu animierte, selbst für ihr Geld zu arbeiten und sich nicht der «Selbstbedienungsmentalität» hinzugeben. In der Folge trat das zweite junge Gesicht des Abends vor die Versammlung.
Der Cevi-Leiter stellte klar, mit dem Einsammeln von Zeitungen und Zopfbackaktionen leiste man sehr wohl einen eigenen Beitrag. «Und wir jagen nicht einfach alle zwei Wochen irgendwelche Kinder umher – wir machen Ausbildungskurse, die nicht gratis sind.» Dies zusätzlich zu all den Materialkosten, welche etwa Lager auslösen.
Ja nach eineinhalb Stunden
Lukas Weiss trat noch ein letztes Mal ans Rednerpult und stellte klar: Ob Ja oder Nein zur Initiative ändere nichts daran, dass alle Pfäffikerinnen und Pfäffiker jederzeit ein Gesuch um Unterstützung stellen können. «Für einen Betrag bis zu 5000 Franken ist es wohl nicht zu viel verlangt, ein Formular auszufüllen.»
In der Folge wurde zuerst über den Änderungsantrag mit der Anpassung bezüglich Leistungsauftrag und erhöhtem Förderbetrag abgestimmt, der mit 68 Ja- zu 54 Nein-Stimmen angenommen wurde. Auch die bereinigte Initiative konnte die Versammlung überzeugen und wurde eineinhalb Stunden nach Start der Versammlung mit 71 Ja- zu 54 Nein-Stimmen abgesegnet.
