Dübendorfer Gemeinderat zeigt wenig Begeisterung für Mega-Schulprojekt
Es war ein echtes Papiermonster, über das der Dübendorfer Gemeinderat am Montag beriet. Dabei handelte es sich eigentlich nur um ein Postulat – ein Vorstoss, der in aller Regel schlank abgehandelt wird. Doch seitdem Stefanie Huber (GLP/GEU) das Papier vor gut fünf Jahren eingereicht hat, ist das Ganze aufgrund zahlreicher Gutachten, Protokolle und Akten auf einen beachtlichen Umfang angewachsen.
Es geht eben auch um ein beachtliches Projekt: Die Sanierung und Erweiterung des Stägenbuck-Schulhauses. Die Anlage aus den 1970ern, die der Primarschule und der Sekundarschule Dübendorf-Schwerzenbach gehört, ist zu klein und in einem schlechten Zustand.
Eine erste Grobkostenschätzung ging von 111 Millionen Franken aus. Eine redimensionierte Version mit zusätzlichen Gebäuden und dem Verzicht auf die ambitionierte Sporthalle kam immer noch auf 85 Millionen Franken – die Kosten für die Provisorien nicht eingerechnet.
Unter Beobachtung der Denkmalpflege
Da kann man schon mal ein paar Fragen stellen. Im Postulat bezogen sich diese auf einen möglichen Ersatzneubau als Variante und die Schutzwürdigkeit der bestehenden Schule. Denn die kantonale Denkmalpflege hat den weitläufigen Schulhauskomplex als «höchst bedeutende Schulanlage der 1970er-Jahre» inventarisiert.
Nach diversen Abklärungen inklusive Workshops mit der kantonalen Denkmalpflege entschieden sich die Verantwortlichen gegen das von Huber ins Spiel gebrachte Provokationsbegehren, mit dem die Schutzwürdigkeit abgeklärt und bei einer positiven Beurteilung durch die Baudirektion festgesetzt würde.
Zu grosses Risiko
Hochbauvorstand Dominic Müller (Die Mitte) sagte am Montag, dass er das Risiko einer definitiven Unterschutzstellung als Folge eines Provokationsbegehrens als zu gross ansehe. Es drohe eine massive zeitliche Verzögerung und berge die Gefahr, dass das Vorhaben komplett neu aufgelegt werden müsse.
Mit dem aktuellen Projekt habe man eine gute und greifbare Lösung, sagte Müller. Er zeigte sich zwar nicht begeistert ob des eingeengten Handlungsspielraums bei einer Sanierung und Erweiterung, gerade auch was die energetischen Zielsetzungen des Stadtrats anbelange.
Letztlich würde ein kompletter Ersatzneubau aber teurer und habe aus nachhaltiger Sicht den Nachteil, dass bei einem Abbruch durch die zerstörte Bausubstanz viel graue Energie vernichtet werde. Weiter erinnerte Müller daran, dass neben der Stadt respektive der Primarschule auch die Sekundarschule Dübendorf-Schwerzenbach massgeblich involviert sei – und deren Raumbedarf sei akut.
Wenig begeistert von der Situation zeigte sich die Postulantin Stefanie Huber. Aufgrund der langwierigen Planung und des dringenden Sanierungsbedarfs der Schulanlage sei man fast gezwungen, «so weiterzumachen» und die Einschränkungen etwa in Bezug auf den Klimaschutz durch den Denkmalschutz «zu schlucken». Wobei man noch nicht mal genau wisse, wie viel der Zusatzaufwand koste und was der Kanton davon übernehme.
Weiter vermisse sie bei den beiden Varianten Angaben zur grauen Energie, ohne die es nicht möglich sei, die jeweiligen ökologischen Vor- und Nachteile zu beurteilen. Letztlich käme ein Ersatzneubau zwar teurer als eine Sanierung, dafür könne man gemäss aktuellen Vorgaben bauen und den Boden effizienter nutzen.
Huber: «Wenn wir parat sind, das Provokationsbegehren zu begraben, dann müssen wir auch parat sein, uns einzugestehen, dass wir den künftigen Generationen ein Denkmal im Stückwerk hinterlassen und ihnen Einschränkungen für ihre künftige Entwicklung aufbürden.»
Massive Mehrkosten?
Auch Patrick Walder (SVP) vermisste klare Angaben über die Mehrkosten aufgrund der Auflagen durch den Denkmalschutz. Er rechnete vor, dass der gemäss Stadtrat «tiefe einstellige Prozentsatz» ein Betrag von 850’000 Franken bis über 4 Millionen Franken sein könne. Ebenso könnten laut Walder die Gesamtkosten bis auf 120 Millionen Franken steigen, wenn man die Kostenschätzung des im Bau befindlichen Mehrzweckgebäudes als Massstab nehme.
Weiter wertete Walder die Chancen für eine Entlassung aus dem Schutzinventar deutlich positiver, da der grüne Baudirektor Martin Neukom doch kaum etwas gegen mehr Verdichtung oder eine bessere ökologische und energetische Umsetzung haben könne.
Der Witz des Abends
Und dann war da noch diese Steilvorlage, die Walder einfach annehmen musste. So zitierte er eine Aussage der Denkmalpflege, wonach das Stägenbuck-Schulhaus «in Farbgebung und Kubatur an Lehmbauten Nordafrikas» gemahne – und wies darauf hin, dass sich Personen vor dem Hintergrund der kulturellen Aneignung an dem Bau aus den 70er-Jahren stören oder sich deswegen unwohl fühlen könnten.
Am Ende wurde das Postulat zwar mit 24 zu 8 Stimmen abgeschrieben. Die Diskussion und die Forderung nach nachvollziehbaren Zahlen zeigte aber, dass die Verantwortlichen noch einiges an Arbeit werden investieren müssen, um für die Kreditvorlage sowohl im Parlament als auch im Volk eine verlässliche Mehrheit zu erhalten.
Der Gemeinderat hat an seiner Sitzung folgende Geschäfte behandelt
• Die Mitglieder des Parlaments haben dem verstorbenen Stadtschreiber Martin Kunz mit einer Schweigeminute gedacht.
• Gemeinderätin Stefanie Huber (GLP/GEU) forderte in einer Fraktionserklärung, die Stadt Dübendorf müsse vor dem Hintergrund eines möglichen Versorgungsengpasses 15 Prozent Energie einsparen. Ausserdem soll der Stadtrat aktiv kommunizieren, wir er mit der Situation umgehen werde und wer welche Massnahmen umsetzen müsse.
• Mit 24 zu 8 Stimmen abgeschrieben wurde das Postulat «Vorgehen bezüglich Gesamtsanierung/Erweiterung Schulhaus Stägenbuck bezüglich Denkmalschutz» von Stefanie Huber (GLP/GEU) und neun Mitunterzeichnenden.
• Die Interpellation « Niederschwellige Begegnungsräume für Dübendorf» von Angelika Murer Mikolasek (GLP/GEU) und fünf Mitunterzeichnenden wurde abschliessend behandelt. Aus dem Parlament gab es für einmal grossmehrheitlich Lob für die Beantwortung und das Vorgehen der Stadtregierung.
• Die dringliche Interpellation «Ausschreibung Baurechtsvergabe Entwicklungsareal Leepünt Dübendorf» von Lukas Schanz (SVP) und elf Mitunterzeichnenden wurde abschliessend behandelt. Die SVP wie auch die Grünen zeigten sich unzufrieden mit der Beantwortung durch die Exekutive. (zo)
