Bubikerin rennt für Moldawische Kinder
Indien, Burkina Faso, Panama – wenn Jacqueline Bachmann verreist, steht die Erholung an zweiter Stelle. Seit Jahren opfert die Bubikerin ihre Ferien, um den Ärmsten auf der Welt zu helfen.
Die Malariaprophylaxe, die sie während ihres einjährigen Aufenthaltes in Madagaskar über sich ergehen lassen musste, forderte allerdings ihren Tribut. «Die Medikamente lösten Magen-Darm-Probleme aus die unter anderem zu so krassen Gelenkschmerzen führten, dass ich keine zehn Minuten mehr rennen konnte und kaum mehr die Treppe in meine Wohnung im dritten Stock hochkam.»
Rennen als Privileg
Fast fünf Jahre brauchte sie, um sich richtig zu erholen. Hilfseinsätze in fernen Ländern waren vorerst gestrichen. Sie bezeichnet es denn auch als Privileg, dass sie aktuell wieder genug fit ist, um einmal in der Woche um den Pfäffikersee zu rennen.
Damit ist die Bachmann zwar nur eine von vielen Joggern, aber bei ihr rennt ein ganzes moldawisches Dorf mit. Zumindest im Geiste. Mit ihren Runden sammelt sie Spenden für den Aufbau eines Gemeinschaftszentrums im moldawischen Dorf Cucoara.
2017 war die heute 26-Jährige zum ersten Mal im osteuropäischen Land. «Wir waren eine Gruppe von Freunden, die während zwei Wochen halfen, Kindercamps zu leiten.» Viele Moldawier würden im Ausland arbeiten, um das verdiente Geld zurück in die arme Heimat zu ihren Familien zu schicken.
«Dadurch wachsen viele Kinder bei Ihren Grosseltern auf», sagt Bachmann. «Diese können sich aber oft gesundheitsbedingt gar nicht um die Kleinen kümmern.» Neben der Armut sei auch der Alkoholismus ein grosses Problem. «Zudem wird die Wirtschaft durch Korruption, politische Unsicherheit, schwache behördliche Strukturen, hohe Energiekosten und von politischem Druck aus Russland gelähmt.»
Hilfe für gefährdete Kinder
Um den betroffenen Kindern in den schulfreien Sommermonaten ein sinnvolles Programm bieten zu können, finden solche Kindercamps statt. Im Rahmen dieses Einsatzes lernte Jacqueline Bachmann die Moldawierin Tamara Bucur aus dem Nachbardorf Paicu kennen, welche die Camps initiiert und leitet.
Auch sie hatte keine einfache Kindheit, sondern psychische und physische Gewalt von ihren Eltern erlebt. «Ihre Ausgangslage im Leben wollte sie anderen Kindern ersparen und hat daher gefährdete Kinder und Jugendliche bei sich aufgenommen.»
Seit ihrem Einsatz vor Ort war Bachmann zwar nicht mehr in Moldawien, aber der Kontakt zu Tamara Bucur brach nie ab. Als diese sich meldete und um Unterstützung aus der Schweiz für den Bau eines Gemeinschaftszentrums im Dorf bat, fiel der Entscheid für die Spendenläufe. «Ich renne ja sowieso, dann kann ich zugleich etwas Gutes tun.»
Dies war im Februar. Seither ruft Bachmann per Instagram und Whatsapp regelmässig dazu auf, sie mit einem freien Geldbetrag pro Runde um den See zu unterstützen. Ein Konzept, das bereits einmal funktioniert hatte.
Idee nach Hochzeit
«Als meine beste Freundin heiratete und ich ihre Trauzeugin sein durfte, reichte das Hochzeitsbudget nicht für einen speziellen Glacéwagen, den sich das Brautpaar so gewünscht hätte.» Also rief sie in ihrem Umfeld zu Spenden pro gerannter Runde um den Pfäffikersee auf, um der Freundin den Wunsch erfüllen zu können. «Und es hat geklappt!»
Bestätigt in der Erfahrung, dass man auf diese Art Geld zusammentragen kann, entstand die Idee für die Spendenläufe für Moldawien. Bisher konnte sie bereits 8500 Euro an Tamara Bucur überweisen. «Die Spender schätzen es, dass ich den direkten Draht nach Moldawien habe und garantieren kann, dass das Geld auch wirklich ankommt.»
Arbeit und Ausbildung haben Vorrang
Trotzdem glaubt Jacqueline Bachmann noch nicht ganz daran, dass das Gemeinschaftszentrum am 14. September wie geplant eröffnen kann. «Die Einweihung wäre ursprünglich im Juli geplant gewesen und wenn ich mir die aktuellen Bilder so anschaue, ist der Baufortschritt nicht so weit wie er sollte.» Darum werde es wohl auch mit dem Verschiebedatum knapp.
Wann Sie selber das nächste Mal nach Moldawien reisen wird, ist noch offen. Derzeit steht ihre Ausbildung an erster Stelle. Nebst ihrer Arbeit in der Gemeindeverwaltung Seegräben – in der Mittagspause geht’s um den Pfäffikersee – absolviert sie den Master in «Public Management», ist danach ausgebildete Gemeindeschreiberin.
Trotzdem gab es in diesem Frühling ein Wiedersehen mit Tamara Bucur. Im Juli kam sie mit einigen ihrer Pflegekinder für ein Kinderlager in die Schweiz. «Ich hatte mit dem Beginn des Krieges in die Ukraine fast die Motivation für das Spendenprojekt verloren», gibt Bachmann zu. «Warum für den Bau eines Hauses sammeln, das vielleicht bald wieder zerbombt wird, sollte sich der Krieg ausbreiten.»
Doch das Treffen mit der moldawischen Gruppe habe ihr wieder Hoffnung gegeben. Einige der Kinder, die in die Schweiz gereist waren, hatte sie bereits 2017 kennengelernt. «Ich habe ihnen angesehen, wie viel Lebensfreude trotz allem in ihnen steckt. Das hat mir neue Kraft gegeben.»
«A uch in der Schweiz gibt es viele Projekte, die Unterstützung verdienen.»
Jac queline Bachmann
Bucur brachte bei dieser Gelegenheit einige Flaschen moldawischen Wein mit, um sich bei Jacqueline Bachmann für ihren Einsatz zu bedanken. Diese organisierte gleich einen Degustationsabend und lud alle bisherigen Spender dazu ein. «Es war wunderschön, so viele grosszügige Menschen versammelt zu sehen.»
Doch mit dem Sammeln von Geld ist es für sie nicht getan. Sie will andere Läufer dazu motivieren, ihre sportlichen Runden für einen guten Zweck zu Nutzen. «Dies kann jeder auf seine Art und Weise organisieren – und die Gelder müssen ja auch nicht unbedingt ins Ausland fliessen, auch in der Schweiz gibt es viele Projekte, die Unterstützung verdienen.»
Wer Jacqueline Bachmann bei ihren Sponsorenläufen unterstützen will oder Ideen zur Umsetzung von eigenen Sponsoringprojekten möchte, meldet sich telefonisch oder per Whatsapp via 078 654 71 33. Weitere Informationen online unter https://forms.gle/LDGoAQ2Z3hV1paEcA.
