Politik

Oberländer bleiben doch lieber beim Apérol Spritz

Für viele alkoholische Getränke gibt es mittlerweile Alternativen mit null Promille. Diese schaffen es aber nur schleppend in Oberländer Gläser.

Getränkelieferanten Eveline und Erst Bösch wissen, was Oberländer trinken wollen - und was nicht., In der Ustermer Zeughausbar könnte fast jeder Cocktail auch alkoholfrei zubereitet werden, sagt Betreiber Ueli Fritschi. , Im Pfäffiker Restaurant Hecht steigen viele Gäste direkt auf Wasser um.

Archivfoto: Christian Merz

Oberländer bleiben doch lieber beim Apérol Spritz

Bier, Wein, Wodka und Gin – und das alles alkoholfrei: So sieht es seit einiger Zeit in den Regalen von grösseren Supermärkten aus. Doch wie gross ist die Nachfrage wirklich? Eine Einordnung von Gastronomen und Getränkelieferanten aus der Region.

Im Pfäffiker Restaurant Hecht hält sich die Nachfrage nach alkoholfreien Getränken in Grenzen. Über Mittag werde zwar oft alkoholfreies Bier oder am ehesten noch der alkoholfreie «Suure Moscht» bestellt, sagt Betreiberin Regula Schellenberg. «Die meisten Gäste steigen jedoch gleich ganz auf Wasser um.»

Artistische Cocktails in Uster

Etwas anders sieht es in der Ustermer Zeughausbar aus. Dort werden seit rund einem Jahr ausserordentlich viele Cocktails getrunken, auch alkoholfreie. Der Grund steht hinter der Bar: John «Johnny»  Marquez, der Schweizermeister im «Flairtending» – die Kunst, mit artistischen Einlagen Drinks zu mixen.

«Wir haben zwar nur vier alkoholfreie Drinks auf der Karte», sagt Betreiber Ueli Fritschi, «aber unser Bartender kann auf Wunsch fast jeden Drink auch ohne Alkohol zubereiten.» Dabei werde allerdings auf die alkoholfreien Alternativen gewohnter Produkte verzichtet. «Diese anzuschaffen, lohnt sich eigentlich nicht. Dafür ist die Nachfrage noch zu klein.» Dasselbe gilt für alkoholfreien Wein.

«Wir lassen lieber die Finger davon, als ein Produkt zu verkaufen, das nicht ‹verhebt›.»
Eveline Bösch, E. Bösch Getränke GmbH

Der Effretiker Getränkelieferant E. Bösch Getränke GmbH hat über 250 Weine im Angebot, aber keinen ohne Alkohol. «Dies allerdings nur, weil wir noch keinen gefunden haben, welcher uns überzeugt und wir mit gutem Gewissen weiterempfehlen können», sagt Eveline Bösch, die Ehefrau von Inhaber Ernst Bösch. «Dann lassen wir lieber die Finger davon, als ein Produkt zu verkaufen, das nicht ‹verhebt›.»

Im Gegensatz zu den Gastronomen erkennt man beim Getränkelieferdienst einen leichten Trend in Richtung Nullpromille. «Darum haben wir auch die Alternativprodukte zu Gin oder Martini an Lager.» Diese würden vor allem in Mengen für den Privathaushalt bestellt. «Bei grossen Bestellungen für Anlässe und Feste besteht kein Bedarf.»

Lockdown schärfte Bewusstsein

Spätestens mit der Corona-Pandemie sei die Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen gewachsen, sagt Bösch. «Als im Lockdown alle zu Hause sassen, stieg wohl bei vielen das Bewusstsein für ihren Alkoholkonsum – oder sie wollten sich selbst vor einer allfälligen Sucht schützen, indem sie eher alkoholfreie Getränke in Griffnähe hatten.»

Im Gegensatz zu alkoholfreien Getränken ist die Nachfrage nach Apérol Spritz seit Jahren ungebrochen hoch – das Mischgetränk aus Mineralwasser, Prosecco und Aperol. Ein Trend, den sowohl Regula Schellenberger, Ueli Fritschi als auch Eveline Bösch unabhängig voneinander benennen. «Diesen haben wir mittlerweile fertig gemischt im Angebot», sagt Bösch. «Und immer genug Flaschen im Kassenbereich in Griffnähe.»

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