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Der Bagger holt die Natur zurück

Derzeit wird die Glatt im Gebiet Zwicky mit schwerem Gerät nicht eben zimperlich renaturiert. Das stresst die Fische, danach haben sie es aber umso schöner. Und die Menschen auch.

Störsteine, Schwellen und Mulden verursachen unterschiedliche Strömungen und diversifizieren die Lebensräume am und im Wasser. , Renaturiert wird ein rund 400 langer Flussbereich. Der Uferweg bleibt bis zum Frühjahr gesperrt., Die Platzierung der Steine und Verbauungen scheint zufällig, effektiv ist aber alles genau festgelegt. , Robert Kriewitz vom Awel ist der Projektleiter. , Die Mauer links muss stehen bleiben, damit das Grundwasser nicht abfliesst und den Untergrund destabilisiert. , Das verbaute Ufer wurde aufgebrochen, jetzt hat es mehr Platz für die Natur. , Hier bei der Überbauung Riedgarten entsteht eine breite Sitztreppe; die Besitzerin der Liegenschaft beteiligt sich finanziell.. , Unter dieser Steinplatte können sich die Fische vor dem Reiher verstecken.

Thomas Bacher

Der Bagger holt die Natur zurück

Es gibt idyllischere Orte als das Gebiet bei der ehemaligen Seidenzwirnerei Zwicky an der Grenze von Dübendorf und Wallisellen: Mehrspurige Strassen, eine Autobahnzufahrt, das S-Bahn-Viadukt, und mittendrin die Glatt, die sich zwischen dem urbanisierten Fabrikareal und der superverdichteten Überbauung Riedgarten als Kanal langweilt, bevor sie in einem 100 Meter langen Stollen verschwindet.

Doch jetzt wird das Gebiet für 2,5 Millionen Franken aufgewertet. Anfang Juli begann der Kanton damit, den Flussbereich auf einer Länge von 400 Metern zu renaturieren.

Glatt wird fast zum Badefluss

Dafür braucht es allerdings erst einmal wohldosierte Gewalt, wie sich am Mittwoch an einer Baustellenbesichtigung zeigt. Gerade holpert ein mit Steinen beladener Vorderkipper flussabwärts durch das niedrige Wasser. Weiter unten laufen die Vorarbeiten für den Bau der breiten Sitztreppe, die den Zugang zum Wasser ermöglichen und die Glatt fast ein bisschen zu einem Badefluss machen wird.

Daneben steht ein geländegängiger Bagger im Wasser. Der Mann an den Hebeln platziert mit dem Greifer einen grossen Stein im Flussbett, versetzt ihn ein paar Zentimeter, rüttelt daran, bis er richtig sitzt.

Baufahrzeuge am Glattufer.

«Das ist Präzisionsarbeit», sagt Projektleiter Robert Kriewitz vom kantonalen A mt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). Begeistert erzählt er den anwesenden Medienvertretern, welche Auswirkungen die Verbauungen im und am Wasser haben.

Zusammengefasst: Die Glatt wird wieder lebendiger, vitaler. Durch Störsteine oder Schwellen entstehen unterschiedliche Fliessgeschwindigkeiten, es gibt Senken, Rückzugsmöglichkeiten für die Fische sowie Nischen für Kleinstlebewesen und Insekten. Die ganze Nahrungskette eben.

Bereit für ein richtiges Hochwasser

Damit der Fluss zumindest wieder ein bisschen mäandrieren kann, wurde der schnurgerade Uferbereich auf einer Seite aufgebrochen und komplett neu gestaltet sowie von Neophyten befreit. Eine erste Bepflanzung ist bereits erfolgt, damit das einheimische Gewächs einen Vorsprung hat. Später folgen dann noch Sträucher und Bäume.

Insgesamt erhält der Fluss mehr Platz, was auch dem Hochwasserschutz zugutekommt. Der ist zwar schon jetzt nicht schlecht: «Ein hundertjähriges Hochwasser kann in diesem Bereich gerade so eben bewältigt werden», sagt Kriewitz.  Nach Abschluss der Bauarbeiten ist die Glatt bereit für ein Hochwasser, wie es alle 300 Jahre vorkommt.

Der Ausbau hat aber auch Grenzen, denn auf der anderen Uferseite muss die Mauer stehen bleiben. Sie wurde einst bei der Absenkung des Flussbetts erstellt, um das Abfliessen des Grundwassers und damit eine Beschädigung der Gebäude auf dem Fabrikareal zu verhindern.

Die Glatt und die beiden Ufer vor Beginn der Bauarbeiten.

Durch die Bauarbeiten im Wasser trübt sich das Glattwasser immer wieder kurzzeitig stark ein. Eine Situation, die es laut dem Schweizerischen Fischereiverband eigentlich zu vermeiden gälte. Im Juli warnte der Verband angesichts von extremem Niedrigwasser und hohen Temperaturen vor einem Fischsterben und bat darum, auf Bauarbeiten zu verzichten, weil Trübungen die Fische zusätzlich stressen und deren Kiemen schädigten würden.

Um die Fische zu schützen, wird gemäss Kriewitz im Gewässerbau bereits vorgängig eine Mindestabflussmenge definiert. Wird diese unterschritten, müssen die Bauarbeiten eingestellt werden. «Wir waren knapp über der Grenze», sagt der Projektleiter. «Um sicher zu gehen, standen wir aber ohnehin im engen Austausch mit dem Fischereiaufseher.»

Uferweg bleibt geschlossen

Die Arbeiten im Wasser dauern noch bis Ende September, Anfang Oktober wäre dann wegen der Schonzeit für die Fische sowieso Schluss. Die Umgebungsarbeiten inklusive Bepflanzung ziehen sich ins kommende Frühjahr hinein. Bis dann bleibt auch der Uferweg geschlossen.

Wie der Flussraum in diesem Bereich dereinst aussehen wird, zeigt sich am Beispiel des Chriesbachs, der oberhalb der Baustelle in die Glatt mündet. Nach dem massiven Eingriff mit schwerem Gerät dauerte es nicht lange, bis die Flächen von Pionierpflanzen besiedelt wurden. Bereits nach fünf Jahren sah man an den meisten Orten kaum noch, dass das Bachbett künstlich geschaffen wurde.

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