Der Lehrermangel findet woanders statt
Kurz vor Schulbeginn herrscht im Kanton Zürich ein akuter Mangel an Lehrpersonen, weswegen die Bildungsdirektion nun sogar Personen ohne anerkanntes Lehrdiplom für den Unterricht zulässt, was in Fachkreisen nachhaltig für Kritik sorgt.
Auch in Dübendorf suchten die Verantwortlichen in den vergangenen Jahren regelmässig quasi bis zur letzten Minute nach geeigneten Fachkräften. Und dieses Jahr? «Wir konnten alle vakanten Stellen für Klassenlehrpersonen besetzen», sagt Karin Zulliger, Leiterin Bildung der Primarschule Dübendorf. In den allermeisten Fällen handle es sich um Fachkräfte mit Lehrdiplom.
Primarschule sucht händeringend nach Personal
23.07.2021

Situation hat sich verschärft
Die Primarschule Dübendorf braucht dringend neue Fachkräfte. Beitrag in Merkliste speichern Effektiv unterrichten im neuen Schuljahr zehn Personen ohne Diplom an der Primarschule – gemäss Zulliger stammen alle aus «schulnahen» Berufen, etwa Fachpersonen Betreuung, Sozialpädagoginnen oder Lehrpersonen aus der Erwachsenenbildung.
«Nicht ideal»
«Grundsätzlich finde ich es auch nicht ideal, dass man auf Personen ohne Diplom zurückgreifen muss», sagt Zulliger. Sie sieht das Ganze aber auch als Chance, im Schulbetrieb «eine neue Perspektive» zu erhalten. Wichtig sei einfach, dass man die betroffenen Personen begleite – zum Beispiel in Bezug auf die Klassenführung oder im administrativen Bereich –, und dass diese dann in Zukunft auch die Ausbildung als Lehrperson absolvierten.
In Dübendorf sind Lehrerinnen und Lehrer ohne Diplom verpflichtet, diese Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Um dieses Coaching anbieten zu können, erhielt eine Schulleiterin ein entsprechendes Pensum.
Wandtafeln helfen bei Suche
Dass an der Primarschule Dübendorf gemessen an der Gesamtsituation im Kanton fast schon entspannte Verhältnisse herrschen, hat laut Zulliger einerseits damit zu tun, dass die Schulleitungen viel in die Suche nach Lehrpersonen investiert hätten und über persönliche Kontakte wie auch auf Branchenplattformen aktiv geworden seien.
«Wobei man natürlich sagen muss, dass dazu auch immer ein wenig Glück gehört.»
Karin Zulliger, Leiterin Bildung Primarschule Dübendorf
Auf der anderen Seite verfüge man gerade für jüngere Leute über eine attraktive Infrastruktur mit einer zeitgemässen IT und interaktiven Wandtafeln. Auch die Einführung von Schulassistenzen für die Entlastung der Lehrpersonen sei ein positiver Aspekt. Dazu komme die Lage in der Agglo: «Der Arbeitsort ist ideal für Lehrkräfte aus anderen Kantonen, die in Zürich wohnen möchten.»
Letztlich sei sie selber «sehr froh» gewesen, wie gut «trotz der allgemeinen Situation» in diesem Jahr die offenen Stellen hätten besetzt werden können. «Wobei man natürlich sagen muss, dass dazu auch immer ein wenig Glück gehört.»
Zu wenig Heilpädagogen
Im Gegensatz zu den Fachlehrpersonen gibt es allerdings im Bereich Schulische Heilpädagogik und Logopädie wie schon vor einem Jahr mehrere offene Stellen. In der Heilpädagogik kommen laut Zulliger ersatzweise Klassenlehrerinnen und -lehrer mit entsprechender Ausbildung zum Einsatz.
In der Logopädie könne man das Angebot aufrechterhalten, indem man auch mal zwei Kinder zusammen unterrichte, in Einzelfällen die Stunden für einen gewissen Zeitraum vorübergehend aussetze oder externe Fachkräfte engagiere.
Auch in der Sekundarschule Dübendorf-Schwerzenbach konnten alle Stellen für Lehrpersonen besetzt werden, wie es auf Anfrage seitens der Schulverwaltung heisst. Einzig im Bereich der Schulischen Heilpädagogik gebe es noch «vereinzelte Vakanzen».
