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«Dass sich der politische Wind verändert hat, war spürbar»

Nach 16 Jahren in der Geschäftsleitung der Greifensee-Stiftung sucht Ute Schnabel-Jung eine neue Herausforderung. Vieles hat sie in dieser Zeit erreicht, vieles hätte sie gerne noch umgesetzt.

Sie müsse sich noch etwas an ihren neuen Alltag gewöhnen, sagt Ute Schnabel-Jung.

PD

«Dass sich der politische Wind verändert hat, war spürbar»

In den letzten Jahren hat die Greifensee-Stiftung einige Veränderungen durchgemacht. «Noch ist nicht alles in trockenen Tüchern, dennoch konnte ich mit gutem Gewissen gehen», sagt Ute Schnabel-Jung. Sie steuerte die Stiftung seit 2006 als Geschäftsführerin durch intensive Zeiten und hat ihre Stelle Ende Juli an Urs Wegmann übergeben.

In diesen 16 Jahren hat sich einiges getan: Der Aufbau des Ranger-Teams und der Biberfachstelle, der Umbau der Naturstation Silberweide, die Renaturierung des Gebiets Stocklen in Fällanden, sowie zahlreiche Naturschutzprojekte, die ihre Handschrift tragen und dank ihrer Initiative realisiert worden sind.

«Ich habe immer ein anstrengendes Programm gefahren zwischen Familie und Beruf», sagt die dreifache Mutter. «Darum habe ich mir jetzt eine Auszeit bis Ende Jahr verordnet.» Wie es danach beruflich weitergehen wird, sei noch offen. «Aber es soll etwas im Bereich Naturschutz sein.»

Stiftung weiterentwickelt

Ursprünglich hat die heute 56-Jährige in Deutschland Geografie studiert und danach an der ETH Zürich den Doktor im Bereich Umweltnaturwissenschaften absolviert.

«Bereits während meiner Doktorarbeit zum Thema Bodenschutz war ich im Naturschutz engagiert, machte Ornithologiekurse bei Birdlife und andere Ausbildungen in der Umweltbildung bei Pro Natura», erzählt Ute Schnabel-Jung. Dadurch habe sie auch Bekanntschaft mit Vertretern der Greifensee-Stiftung gemacht, über die sie schliesslich auf die Stelle in Uster aufmerksam wurde.

«Zu Beginn war ich Geschäftsführerin, Fundraiserin, Kommunikations- und Kursleiterin in Personalunion.» Seither hat sich die Stiftung schnell weiterentwickelt – nicht zuletzt aufgrund Schnabel-Jungs strategischen Entscheiden. «Heute ist für die nötige Fachkompetenz mehr als gesorgt.»

«Plötzlich war man offener gegenüber ‹grünen› Themen.»
Ute Schnabel-Jung

Zu ihren Aufgaben gehörte unter anderem die Zusammenarbeit mit den Vertretern der Anrainergemeinden des Greifensees. Dies sei nicht immer einfach gewesen, doch seit der Legislatur 2014-2018 habe sich vieles massiv verbessert. «Dass sich der politische Wind verändert hat, war auch für uns spürbar. Plötzlich war man offener gegenüber ‹grünen› Themen.»

Gleichzeitig habe der Druck auf die Natur stark zugenommen. «Spätestens mit Beginn der Corona-Pandemie strömten unzählige Spaziergänger und Sportler in die Naherholungsgebiete.» Diese zu erreichen und für die nötigen Regeln zu sensibilisieren, sei eine grosse Herausforderung.

Glatt-Ausfluss renaturieren

Im Gegensatz zu ihrer Anfangszeit in der Greifensee-Stiftung habe sie in den letzten jahren immer weniger in der Natur, dagegen mehr im Büro gearbeitet. Eine Ausnahme machte dabei die Renaturierung des Gebiets Stocklen, das sie als ihr grösstes Herzensprojekt bezeichnet. «Für diverse Bodenbeurteilungen oder Exkursionen war ich in Fällanden wieder mehr vor Ort tätig.»

Doch auch viele andere Projekte, die in den letzten 16 Jahren ausgeführt wurden, bedeuten ihr viel, etwa die Eisvogelwand im Aabach, die Renaturierung bei der Badi Egg sowie Kampagnen zu mehr Toleranz unter den Besuchern. «Aber es gäbe noch so vieles, das ich gerne umgesetzt hätte. Gerade im Uferbereich des Greifensees wären viele Naturschutzprojekte ausbauwürdig.»

Als konkretes Beispiel nennt sie die Ausweitung des Glatt-Ausflusses, der heute stark begradigt ist. «Ziel wäre es, dass die Glatt dort wieder frei mäandrieren kann», sagt die ehemalige Geschäftsführerin. «Doch aufgrund verschiedener Besitzverhältnisse, politischen Entscheiden und Vorgaben des Kantons war dies bisher nicht möglich.»

Nur zu Randzeiten am See

Noch fühle sich ihre neue Auszeit eher wie Ferien an, sagt Ute Schnabel-Jung. «Aber ich kann bereits mit einem entspannteren Blick Fachliteratur zum Thema Naturschutz lesen und neue Ideen zulassen.» Dies sei einer der Gründe gewesen, dass sie sich für eine Neuorientierung entschieden hat: «Ich hatte oft das Gefühl, alles bereits einmal durchgedacht zu haben und die neuen Ideen fehlten.»

Sich ganz vom Greifensee abwenden, kommt für sie indes nicht in Frage – nicht zuletzt weil sie mit ihrer Familie in Uster wohnt. «Aber am See findet man mich nur zu Randzeiten. Sonst ist es mir dort zu voll.»

Die Greifensee-Stiftung setzt sich ein für den Erhalt der Greifensee-Landschaft für Mensch und Natur. Sie realisiert Projekte in den Bereichen Naturschutz, Umweltbildung, Erholung und Öffentlichkeitsarbeit. Zur Stiftung gehören die Naturstation Silberweide und die Ranger. Weitere Infos unter www.greifensee-stiftung.ch.

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