Freiheit und Sicherheit als zentrale Werte
Es ist bereits der dritte Auftritt, den Regierungspräsident Ernst Stocker an diesem 1. August absolviert. Nach Auftritten in Rafz und Zürich Schwamendingen ist am Abend um Viertel nach Acht das kleine Seegräben an der Reihe.
Allerorten dasselbe Menü
Neben dem ehemaligen Schützenhaus im Ortsteil Sack und nach dem Einsatz des Wetziker Jodler-Clubs Seerösli kann er zum dritten Mal an diesem Tag zu seinem Vergleich ansetzen: «Mit den 1.-August-Feiern ist es ein bisschen wie mit den Badis: Es sieht überall ziemlich ähnlich aus. Überall ähnliche Dekoration, überall die gleichen Würste auf dem Grill, und alle sitzen auf einer Festbank und trinken Most, Bier oder Wein.»
Und tatsächlich: Die Würste hat es schon gegeben, dazu aber auch noch Schnitzelbrot mit Kartoffelsalat. Und neben Mineral und Cola stehen auf den Tischen … Bier, Wein und auch noch Most. Für Stocker sind diese Ähnlichkeiten logisch: «Die 1.-August-Feiern gleichen sich, weil es der gleiche Staat ist, den wir feiern: die Schweiz.»
Begriffe mit neuer Aktualität
Ins Zentrum seiner Ansprache stellt er denn mit Sicherheit und Freiheit auch zwei Werte, die in der ganzen Schweiz geschätzt werden, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise. Zu finden sind die beiden Begriffe in der Bundesverfassung: «Die Schweizerische Eidgenossenschaft schützt die Freiheit und die Rechte des Volkes und wahrt die Unabhängigkeit und Sicherheit des Landes.»
Und gleich schlägt er den Bogen zur Aktualität: «Diese Zeilen sind in diesen unruhigen Zeiten aktueller denn je. Sie halten die grundlegende Idee der Eidgenossenschaft fest: dass wir, die Bürgerinnen und Bürger dieses Staates, ein Leben in Freiheit und Sicherheit führen können.»
Wichtig für alle
Zu den Facetten der Freiheit zählt er etwas die Bildungs-, die Meinungsäusserungs-, die Glaubens- oder die Bewegungsfreiheit. «Natürlich gilt die Freiheit nicht grenzenlos. Gesetze, Regeln und Vorschriften regeln die Freiheit. Und nur mit diesen Grenzen funktioniert das freie Zusammenleben. Sie schützen uns alle. Weil die eigene Freiheit dort aufhört, wo die Freiheit von anderen anfängt.»
Und doch sei vielen gar nicht bewusst, wie weit unsere Freiheit gehe. Dabei werde einem das gerade im Vergleich mit dem Ausland bewusst. «Doch egal, was einem an der Freiheit wichtig ist, klar ist: Wir können unsere Freiheit nicht nutzen, wenn wir uns nicht sicher fühlen. Auch Sicherheit ist ein weiter Begriff, der für uns alle wichtig ist und wiederum nichts mit der politischen Gesinnung zu tun hat», unterstreicht der Finanzdirektor vor den gut 220 Besucherinnen und Besuchern.
Sicherheit könne etwa bedeuten, dass man abends unversehrt nach Hause komme. Dies werde durch die Polizei gewährleistet. Sicherheit könne aber auch militärisch verstanden werden oder im sozialen Sinn. So seien wir im Krankheitsfall, im Alter oder auch beim eigenen Besitz abgesichert.
Sorge tragen und pflegen
«Die vergangenen zweieinhalb Jahre haben gezeigt, dass Freiheit und Sicherheit eben doch nicht selbstverständlich sind», mahnt Stocker und führt die Coronavirus-Pandemie an, während der die persönlichen Freiheiten stark eingeschränkt worden seien. «Und der Angriff von Russland auf die Ukraine zeigt, dass die Eigenständigkeit eines Landes und seine Grenzen keine Selbstverständlichkeit mehr sind.» Dieser Krieg stelle auch unsere Versorgung mit Energie und Nahrungsmitteln in Frage.
«Diese Entwicklungen zeigen, dass für uns so selbstverständliche Werte wie Sicherheit und Freiheit nicht einfach für alle Zeiten gegeben sind. Wir selber müssen dazu Sorge tragen, und wir müssen sie pflegen. Das macht man am besten ständig und nicht erst, wenn man merkt, dass sie nicht mehr da sind.» Darum seien gute Handelsbeziehungen mit den Nachbarn ebenso wichtig wie eine gut ausgestattete Armee. «Wir müssen den Preis für diese Freiheiten und die Sicherheit zahlen – und das können wir auch», unterstreicht der Finanzdirektor zum Schluss.
Verzicht aufs Feuer
Eigentlich sollte nach der Landeshymne der Fackelzug zum grossen Feuer erfolgen. Und eigentlich hatten die Gemeindepräsidenten des Bezirks Hinwil sich gegen ein generelles Feuerverbot ausgesprochen und hätten damit einen August-Funken und Feuerwerk mit genügend Abstand zum Wald ermöglicht.
Eigentlich sollte nach der Landeshymne der Fackelzug zum grossen Feuer folgen. Und eigentlich hatten die Gemeindepräsidenten des Bezirks Hinwil sich gegen ein generelles Feuerverbot ausgesprochen und hätten damit einen August-Funken und Feuerwerk mit genügend Abstand zum Wald ermöglicht.
In Seegräben aber ist Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) vorsichtig geblieben, «der Abstand zum Wald ist hier oben überall zu gering». So heisst es zum Abschluss des Feiertages beim ehemaligen Schützenhaus schon «Feuer halt», bevor es überhaupt losgegangenen ist. Einzig ein paar Gläser lassen den Abend ausklingen. Und als Ersatz für das Feuerwerk gibt es ein prächtiges Abendrot.
