Das halten die Ustermer Parteien von den Plänen zum autofreien Zentrum
Zentrumsentwicklung bewegt, auch in Uster. Am Donnerstag informierte der Stadtrat über Pläne, das Zentrum um Webern-, Gerichts-, und Poststrasse zur Begegnungszone zu machen. Nachdem bereits im Dezember letzten Jahres für den Weihnachtsmarkt ein «Testbetrieb» mit gesperrtem Zentrum durchgeführt worden war, soll das Ustermer Zentrum voraussichtlich zwischen den Frühlings- und Sommerferien 2023 für zwei Wochen gesperrt werden.
Während dieser temporären Sperrung, die auch die Erfüllung eines Postulats der Grünen und GLP darstellt, soll eine improvisierte Gestaltung mit beweglichem Mobiliar einen Vorgeschmack auf das neue verkehrsfreie Stadtzentrum entwickeln. Die Grundlage dafür hat der Stadtrat bereits in seiner «Strategie Uster 2030» und im Stadtentwicklungskonzept STEK gelegt, welches vor rund drei Jahren festgesetzt wurde.
Damit sich die Stadt als attraktiver Wohn- und Arbeitsstandort weiterentwickeln kann, sieht dieses verschiedene Massnahmen vor. Unter anderem soll in ein attraktiveres Stadtzentrum investiert, der Fuss- und Veloverkehr erhöht und der öffentliche Verkehr ausgebaut werden.
Wie stehen die Ustermer Parteien den Plänen des Stadtrats gegenüber?
SP freut sich über Ausgestaltung
Bei der SP heisst es, man «begrüsse es sehr, dass sich endlich etwas tut», schliesslich habe man schon länger darauf gewartet. «Wir freuen uns über die Ausgestaltung, die für die temporäre Schliessung auch schon viel Stadtgrün vorsieht, um ein angenehmeres Klima zu schaffen.» Es gehe darum, die Bevölkerung «glustig» zu machen, dass ein autofreies Zentrum wirklich funktionieren könne, wie Gemeinderätin Angelika Zarotti für die SP Uster erklärt.
«Die Kosten von rund 60’000 Franken, die das Projekt kosten werden, sind es das wert», so die Politikerin.
Grüne wünschen sich fünf Wochen
«Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden», heisst es bei den Grünen. Ein autofreies Zentrum sei für die Partei ein Hauptanliegen. Allerdings, wenn es um die temporäre Sperrung 2023 und die damit erfüllte Forderung des eigens eingereichten Postulats aus dem Jahr 2021 geht, hätte man sich erhofft, dass es etwas schneller gegangen wäre.
«Wir sehen, dass der Stadtrat bemüht ist, aber es geht einfach alles langsam voran.» Bezüglich Kosten für das Projekt wünscht man sich, dass diese im Gemeinderat auch durchkommen und genehmigt werden und «die bürgerlichen Parteien den unmittelbaren Mehrwert und Nutzen sehen», erklärt Natalie Lengacher, Fraktionspräsidentin der Grünen im Gemeinderat.
Und sie fügt an, wenn es um die Kosten und die Rechtfertigung derselben gehe, der Stadtrat doch noch einmal über die Bücher gehen und die Dauer des Projekts verlängern sollte. «Drei bis fünf Wochen ergäben in unseren Augen mehr Sinn, auch was das Aufstellen der diversen Objekte und Massnahmen angeht», sagt Lengacher.
SVP fordert Zugang für Verkehr
Die SVP, die zwar ein «attraktives, belebtes Zentrum» möchte, hält fest: « Das Zentrum muss weiterhin für den motorisierten Verkehr erreichbar sein. Nur so ist gewährleistet, dass die Leute auch in Uster einkaufen und so das lokale Gewerbe erhalten bleibt. » Der Stadtrat erwähne mit keinem Wort, wie er das Gewerbe besser positionieren könne.
«Wir erwarten vom Stadtrat, dass er zuerst einen konkreten Plan in Absprache mit den betroffenen Gewerbetreibenden erstellt und auch Gastrobetriebe einbezieht, die die Strassencafés bewirtschaften wollen», sagt Daniel Schnyder, Gemeinderat und Präsident der SVP Uster. Nur zusammen mit dem Gewerbe könne das Zentrum belebt werden.
EVP findet Idee spannend
Die EVP habe in den letzten Jahren die Bemühungen um ein verkehrsfreies Zentrum unterstützt, wie es auf Anfrage heisst. Der Partei sei es aber auch wichtig, «dass die Parkplatzfrage gelöst wird».
«Aus unserer Sicht kann eine definitive Fussgängerzone erst gebaut werden, wenn die nötigen Parkplätze (vermutlich in Parkgaragen unter der Erde) gebaut sind», sagt EVP-Gemeinderat Walter Meier.
Die Idee einer verkehrsfreien Woche, welche der Ustermer Bevölkerung eine Vorstellung über das neue verkehrsfreie Zentrum vermitteln solle, halte man derweil für eine «spannende Idee».
BPU versteht Pläne zum Stadtgarten nicht
Die BPU zeigt sich erfreut, dass der Stadtrat jetzt «einen wirklich ernsthaft gemeinten Anlauf unternimmt», dem bald 30-jährigen Volksauftrag nachzukommen, zeigte sich doch schon 1983, dass Uster mit der damaligen «Volksinitiative für ein fussgängerfreundliches Zentrum» eine Fussgängerzone wollte. Allerdings könne sich die BPU, so Gemeinderat Paul Stopper, « bei aller Liebe zu einer Fussgängerzone sich nicht vorstellen, dass die Post ohne Parkplätz auskommen soll».
Zudem werde die BPU a us der Ankündigung des Stadtrates «Das Herzstück ist ein Stadtgarten auf der Webernstrasse samt Pavillon» nicht ganz schlau und stellt folgende Fragen:
- Soll die Weberstrasse nun Fussgängerzone werden oder soll ein Pavillon die Fussgänger zwingen, sich zwischen den heutigen Hauskanten und dem Pavillon durchzuzwängen?
- Wozu soll der Pavillon dienen?
- Ist es vielleicht der Pavillon Nouvel, also die Rostlaube, die am Greifensee hätte erstellt werden sollen?
*Bis Redaktionsschluss waren Stellungnahmen der folgenden Ustermer Parteien ausstehend: Die Mitte, FDP, GLP.
