Bei den Dübendorfer Behörden ist Livia Hertler als widerspenstige Bürgerin bekannt. Sie weiss das, und es ist ihr egal. «Vielleicht finden die, ich sei ein Trötzli.»
Mit «die» meint Hertler etwa das Sozialamt, die Kesb oder aktuell das Einwohneramt. Mit der Abteilung hat die 66-jährige Rentnerin zu tun, weil sie ihre Wohnung innerhalb Dübendorfs wechseln musste.
In ihrer neuen Wohnung erzählt Hertler, dass ihr jetziges Daheim vor allem eines sei: viel kleiner und 500 Franken im Monat teurer. Freiwillig tauschte die Rentnerin ihre 4,5-Zimmerwohnung, in der sie 37 Jahre gewohnt hatte, nicht mit einer 2,5-Zimmerwohnung. Ihr und den anderen Mietern sei vier Tage vor Weihnachten im letzten Jahr gekündigt worden, weil die Liegenschaft einen neuen Besitzer erhielt, der die Wohnungen sanieren will.
Eine ungemütliche Situation für Hertler, die sehr an dem Standort hing und nicht mehr umziehen wollte. «Seit Corona verlasse ich meine Wohnung nur im Notfall, lungenkrank und ungeimpft lebe ich in freiwilliger Isolation. Unterstützt von meinen lieben Nachbarn bin ich gut umsorgt.» Dank Internet habe sie alles lebensnotwenige online bestellt und bis in die Wohnung liefern lassen.

