Eine strahlende Siegerin und ein erfolgloser Aufmüpfiger
Das Resultat lässt keine Fragen offen: Am Montagabend wählte das Parlament von Dübendorf Cornelia Schwarz als neue Präsidentin des Gemeinderats. 35 von 37 möglichen Stimmen gingen an sie – ein Glanzresultat.
Für das Amt des ersten Vizepräsidenten wäre eigentlich A ndreas Sturzenegger (FDP) vorgesehen gewesen. Er war im Amtsjahr 2021/22 der zweite Vize, womit er turnusgemäss – sofern er die nötigen Stimmen erreicht hätte – im kommenden Jahr Ratspräsident geworden wäre.
Doch der langjährige Gemeinderat hatte seinen Verzicht erklärt. «Ich war bereits 2006/07 Gemeinderatspräsident», sagte Sturzenegger vor der Gemeinderatssitzung auf Anfrage. Für ihn sei immer klar gewesen, dass er das Amt nicht noch einmal wolle, und das habe er auch so kommuniziert.
An seiner Stelle amtet nun Patrick Schärli (Die Mitte/EVP) als erster Vizepräsident. Roger Gallati nimmt für die FDP auf dem Bock Platz – und das gleich an seiner ersten Parlamentssitzung. Damit legt er sogar noch ein höheres Tempo vor als Ivo Hasler (SP), der 2021/22 Präsident des Gemeinderats war und in diesem Frühjahr in den Stadtrat gewählt wurde.
Wenig Komfort in der Schule
Cornelia Schwarz war unübersehbar sehr glücklich über das gute Wahlresultat. Sie sei überwältigt und freue sich «mega» auf ein spannendes Präsidialjahr, sagte sie. Als Präsidentin der St. Nikolaus Gesellschaft sei sie es sich zwar gewohnt, Sitzungen zu leiten. «Aber das hier ist schon noch einmal etwas ganz anderes.»
Dann ging es in die Antrittsrede, die im Grunde eine Kennenlern-Runde ist, in der die neue höchste Dübendorferin oder der höchste Dübendorfer etwas über sich erzählt. Cornelia Schwarz berichtete über ihre zwei Jahre in Kroatien, wo ihr Vater beruflich zu tun hatte, und über die aus heutiger Sicht wenig komfortablen Verhältnisse im Dübendorfer Sonnenberg-Schulhaus, die sie aber nicht gestört hätten.
«I ch liebe es, ohne rassistischen Hintergrund in einen mit Schokolade gehüllten Eiweissschaum zu beissen.»
Cornelia Schwarz (SVP), frisch gewählte Gemeinderatspräsidentin
Weiter gab sie den Anwesenden einen Einblick in ihre Ausbildungen und ihre Tätigkeiten im medizinischen Bereich; heute arbeitet Schwarz als medizinische Praxisassistentin in einer Dübendorfer Hausarztpraxis und schreibt daneben im Stundenlohn Berichte für drei verschiedene Ärzte.
«Lächerliche» Sprachvorschriften
Die heute 55-jährige, die sich als Fan der Schweizer Luftwaffe bezeichnet, blickte auch auf ihre Wahl ihn den Gemeinderat zurück, bei der sie es 2018 mit einem rekordverdächtigen Sprung aus dem Mittelfeld unter die Top Ten schaffte. Ihr Erfolgsgeheimnis? Viel Werbung machen über Bekannte und die sozialen Medien.
Weiter sprach sich Schwarz dafür aus, dass «trotz der vielen Einwanderungen die Werte und Traditionen der Schweiz bestehen bleiben». Und sie bezeichnete es als «lächerlich», wenn einem vorgeschrieben werde, welche Wörter ausgesprochen werden dürfen, und welche nicht: «Denn ich liebe es, ohne rassistischen Hintergrund in einen mit Schokolade gehüllten Eiweissschaum zu beissen.»
Ohne Fraktion kein Sitz
Bis zu diesem Zeitpunkt verlief die Sitzung des Gemeinderats harmonisch und in ruhigen Bahnen, doch dann standen die Wahlen in die Kommissionen an. Eigentlich hätte die Ratspräsidentin die von der interfraktionellen Konferenz nominierten Gemeinderätinnen und Gemeinderäte in globo als gewählt erklären können, weil die Anzahl Bewerber jeweils der Anzahl Sitze entsprach.
Doch der neu gewählte Gemeinderat Patrick Jetzer machte dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Jetzer, ein Vertreter der aus Impfgegnern und Massnahmenkritikern heraus entstandenen «Bürgerbewegung» Aufrecht Schweiz, war als Fraktionsloser nicht nominiert worden, weil die Zugehörigkeit zu einer Fraktion Voraussetzung ist für den Einsitz in einer Kommission.
Sich selber nominiert
Jetzer nominierte sich also kurzerhand selber, was zur Folge hatte, dass für jede der drei Kommissionen Wahlzettel ausgefüllt und ausgezählt werden mussten. Das verzögerte das Prozedere insgesamt um zirka eine Stunde und sorgte für viele Pausen, in denen sich die Anwesenden – darunter auch viele ehemalige Gemeinde- und Stadträte, die der Sitzung beiwohnten – ausgiebig dem Socializing widmen konnten.
Am Ende brachte der Sondereinsatz allerdings keine Änderung, denn Jetzer erhielt in jeder Runde lediglich eine Stimme.
Stadtrat hat sich neu aufgestellt
Nicht nur im Gemeinderat sind die Aufgaben verteilt worden, auch der Stadtrat hat sich neu konstituiert. Nachdem Jürgen Besmer (FDP) und Jacqueline Hofer (SVP) nicht mehr zur Wahl angetreten waren, übernehmen die zwei Neuen ihre Dossiers. Ivo Hasler (SP) hat jetzt das Soziale unter sich, und Adrian Ineichen (FDP) übernimmt von seinem Parteikollegen den Tiefbau.
Die bisherigen Stadträte bleiben ihren Ressorts treu: Stadtpräsident André Ingold (SVP) behält – selbsterklärend – das Präsidiale, Martin Bäumle (GLP/GEU) bleibt Finanzvorstand, Dominic Müller (Die Mitte) Hochbauvorstand, Hanspeter Schmid (Die Mitte) kümmert sich weiterhin um die Sicherheit und die wiedergewählte Primarschulpräsidentin Susanne Hänni (GLP/GEU) bleibt von Amtes wegen Bildungsvorsteherin.
Der erste Vizepräsident ist unverändert Martin Bäumle, zum zweiten Vizepräsidenten ist Dominic Müller bestimmt worden.
- Beschlüsse des Gemeinderats
- Das Parlament hat das Büro des Gemeinderats für das Amtsjahr 2022/23 neu gewählt. Ratspräsidentin ist Cornelia Schwarz (SVP), erster Vizepräsident Patrick Schärli (Die Mitte/EVP), zweiter Vize Roger Gallati (FDP). Stimmenzähler sind Christian Meyer (GLP/GEU), Oliver Kellner (Grüne) und Alexandra Freuler (SP). Als Ratssekretärin wiedergewählt wurde Edith Bohli, ihre Stellvertreterin ist Franziska Sager.
- Die Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission (GRPK) ist in der Amtsperiode 2022 bis 2026 folgendermassen besetzt: Lukas Schanz (SVP), Paul Steiner (SVP), Sarah Steiner (SVP), Andrea Brühlmann (GLP/GEU), Rico Eberle (GLP/GEU), Thomas Maier (GLP/GEU), Alexandra Freuler (SP), Christian Gross (SP), Tanja Boesch (Die Mitte/EVP), Reto Heeb (Die Mitte/EVP), Stefan Angliker (FDP), Roger Gallati (FDP) und Oliver Kellner (Grüne). Präsident ist Paul Steiner.
- Die Kommission für Raumplanungs- und Landgeschäfte (KRL) besteht neu aus Daniel Griesser (SVP), Orlando Wyss (SVP), Valeria Rampone (GLP/GEU), Nicole Zweifel ( GLP /GEU), Leandra Columberg (SP), Susanne Schweizer (SP), Theo Johner (Die Mitte/EVP), Andreas Sturzenegger (FDP) und Julian Croci (Grüne). Präsidentin ist Nicole Zweifel.
- Auch die Kommission für Schulgeschäfte (KSG) wurde gewählt, die Mitglieder sind: Daniel Burkhardt (SVP), Christian Ingold (SVP), Angelika Murer Mikolasek (GLP/GEU), Urs Menet (SP), Bruno Eggenberger (Die Mitte/EVP), Rafa Tajouri (FDP) und Flavia Sutter (Grüne), die auch die Präsidentin ist.
- Die 90 Mitglieder des Wahlbüros wurden in globo gewählt.
- Stadtpräsident André Ingold (SVP) verabschiedete die zurückgetretenen Mitglieder des Gemeinderates und des Stadtrates der Legislaturperiode 2018 bis 2022, als Geschenk gab es einen Silbertaler.
