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Im Rund des Effimärts hat sich ihr Kreis geschlossen

Die abgetretenen Stadträtinnen Salome Wyss und Erika Klossner und Stadtpräsident Ueli Müller haben sich von der Bevölkerung Illnau-Effretikons verabschiedet. Es war eine Stunde im Zeichen der Hitze, Emotionen und des Weins.

Wurden in Illnau-Effretikon verabschiedet (v.l.n.r.): Salome Wyss (SP), Erika Klossner (FDP) und Ueli Müller (SP)., Der neu gewählte Stadtpräsident Marco Nuzzi (FDP) lobte die drei., Ueli Müller indes liess es sich nicht nehmen, letztmals zur Bevölkerung von Illnau-Effretikon zu sprechen., Die Verabschiedung fand anlässlich des Festivals «Musig am Effimärt» statt.

Fotos: Seraina Boner

Im Rund des Effimärts hat sich ihr Kreis geschlossen

Dass Ueli Müller nicht zu den lautesten und schillerndsten seiner Zunft gehört, kann nach seiner elfjährigen Amtszeit kein Geheimnis mehr sein. Was man dem abtretenden Stadtpräsidenten von Illnau-Effretikon dagegen nicht absprechen kann, ist eine gewisse Eloquenz und die Fähigkeit zur Selbstironie.

«Ärgere mich über jeden Agenda-Eintrag, der neu dazukommt»

10.06.2022

Illnau-Effretikons Stadtpräsident

Am Donnerstag wird Ueli Müller (SP) zum letzten Mal an einer Parlamentssitzung teilnehmen. Beitrag in Merkliste speichern Genau das stellte der 65-Jährige Neo-Pensionär in seiner letzten Ansprache an die Bevölkerung noch einmal unter Beweis. «Einen guten Roten erkennt man am Abgang – und den mach ich jetzt», schloss der Sozialdemokrat, nachdem er zuvor mehrfach süffisant auf seine Weinaffinität hingewiesen hatte. «Auf Wiedersehen.»

Es war eine nette Pointe, die dem Anlass ebenso gut anstand wie der Rahmen. Am Samstagmittag, ziemlich genau in der Halbzeit des Festivals «Musig am Effimärt», hatten die Veranstalter dem neuen Stadtpräsidenten Marco Nuzzi (FDP) die Möglichkeit gegeben, seine drei Alt-Stadträte und Stadträtinnen auf der grossen Bühne zu verabschieden.

Volksfestliche Ambiance

Die Ambiance auf dem Platz hatte etwas Volksfestliches, das Einkaufspublikum der Grossisten und der Gastrobetriebe vermischte sich mit den Markt-, Stand- und Festivalbesuchern zu einer bunten beweglichen Menschenmasse. Obschon die strahlende Sonne die Luft zwischen den braunroten Backsteinmauern erbarmungslos aufheizte, waren die Bänke vor der Bühne gut gefüllt.

Unter dem Strich waren geschätzte 150 Bürgerinnen und Bürger gekommen, um Ueli Müller, Erika Klossner (FDP) und Salome Wyss (SP) zu lauschen. Für das Trio, das gemeinsam 1998 (!) mit der Wahl ins Parlament das politische Parkett betreten und es nun, 24 Jahre später, auch gemeinsam wieder verlassen hatte, schloss sich im Rund des Effimärts der politische Kreis. In der Summe hat es 43 Jahre im Stadtrat gesessen.

Dem neuen Stadtoberhaupt war die Tragweite zweifelsohne bewusst. Unter der Begleitung der Stadtmusik Illnau-Effretikon führte Marco Nuzzi zuweilen fast schon ehrfürchtig durch die Zeremonie.

Es war seinerseits der erste öffentlich Auftritt im Amt – gut möglich, dass dieser Eindruck auch ein wenig diesem Umstand geschuldet war.

Konstruktiv, entscheidungsfreudig und geschickt

Nuzzi lobte die abgetretene Sicherheitsvorsteherin Wyss für ihre «Konstruktivität» und ihr «Gespür dafür, wann es heikel wird». Der Bildungsvorsteherin Klossner attestierte er eine «klare Meinung» und «Entscheidungsfreudigkeit». Und seinem Vorgänger Müller «geschickte Führung» und die Fähigkeit, «kreative Ansprachen und legendäre Reden» zu halten – etwas, das er selbst noch lange üben müsse, wie er schmunzelnd zugab.

Den Abtretenden waren umgekehrt die Emotionen anzumerken. Während Wyss sich in ihrer Rede vor allem bei allen Seiten bedankte, erinnerte Klossner daran, wie tiefgreifend sich das Schulwesen, dem sie 20 Jahre lang vorgestanden war, gewandelt hat. Ueli Müller genoss es derweil sichtlich, noch einmal, das Wort an die Menschen richten zu können.

«Auch Sozialdemokraten haben gerne gesunde Finanzen.»
Alt-Stadtpräsident Ueli Müller (SP)

Zum Ende wollte er dem neuen Stadtrat drei «Ö»’s mitgeben, denen es unbedingt weiterhin Sorge zu tragen gelte: eines für die Ökologie, eines für die Ökonomie – «auch Sozialdemokraten haben gerne gesunde Finanzen» – und eines für die Önologie. Önologie?

Richtig gehört. Offenbar gönnte sich das Gremium nach einer intensiven und umkämpften Sitzung, jeweils gerne ein Glas Wein. «Im Sinne der Geselligkeit», wie Ueli Müller erklärte. Der Geist des guten Roten – er soll im Stadtrat auch ohne ihn weiterleben.

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