Jetzt werden herrenlose Velos konsequent entfernt
Zwei, drei Mal kurz mit der grossen Zange angesetzt, und schon ist das billige Veloschloss geöffnet. «Schreiben Sie jetzt bloss nicht, ich sei der Profi-Veloschloss-Knacker von Dübendorf», sagt Luis Baptista vom Unterhaltsdienst des Tiefbauamts und schiebt das Velo zum Anhänger, auf dem an diesem Dienstagmorgen am Bahnhof Stettbach herrenlose Fahrräder verstaut werden.
Nachdem die Stadt die Räumaktion öffentlich publiziert und seit Wochen mit Tafeln an den insgesamt vier Velostationen bei den Bahnhöfen Dübendorf und Stettbach angekündigt hat, gilt es nun Ernst: Fahrräder, die 30 Tage nicht bewegt wurden, werden konsequent eingesammelt. Überprüft wird die Standdauer mittels einer unscheinbaren Markierung an der Felge.
Plätze waren immer wieder knapp
«Wir haben schon immer nach dem Rechten geschaut in den Anlagen und bei Bedarf Velos weggebracht», sagt Marco Strebel, der Leiter der Abteilung Sicherheit, «aber jetzt machen wir das regelmässig und mit einem klaren Konzept inklusive Infotafeln und Kontaktangaben.»
Aus Erfahrung schätzt Strebel den Anteil herrenloser Fahrräder in den Veloabstellanlagen auf fünf bis zehn Prozent – wenn denn regelmässig geräumt wird. «Würden wir die Velos nicht entfernen, hätte es immer wieder zu wenig Platz für diejenigen, die ihre Fahrräder korrekt abstellen.»
Tatsächlich sind an diesem Morgen nur noch wenige Plätze frei, obwohl die Kapazität der Anlage im Süden des Bahnhofs, wo es auch eine kleine Servicestation mit Pumpe und Werkzeugen gibt, erst vor zwei Jahren verdoppelt wurde.
Einsatz der Trennscheibe
Wenn die Zange mal vor einem Veloschloss kapituliert, kommt die Trennscheibe zum Einsatz. Auch hier dauert es nur wenige Augenblicke, bis das Sicherheitsschloss geknackt und das Fahrrad bereit ist zum Abtransport. Rund ein Dutzend Velos kommen so allein bei dieser Station in knapp einer Stunde zusammen. Manche haben nur noch Schrottwert, doch es sind auch ein paar teurere Exemplare dabei.
«Ich verpasse sonst den Zug!»
Leicht erboste Velofahrerin, die es pressant hat
Unabhängig vom Zustand werden alle Velos fotografiert und mit Rahmennummer digital erfasst. Wer sein Velo wieder zurück will, hat drei Monate Zeit, um sich bei der Stadt zu melden. Das geht telefonisch oder über ein spezielles Online-Formular, zu dem man über einen QR-Code gelangt. Ist die Rahmennummer nicht bekannt, müssen die Besitzer ihr Gefährt anhand von Fahrzeugart, Marke, Farbe oder Zubehör identifizieren.
Nach Ablauf der Frist gehen die Fahrräder an gemeinnützige Organisation wie Velafrica, welche die Gefährte nach Afrika verschifft.
Ein Auge zugedrückt
Weggeräumt werden aber nicht nur herrenlose Velos, sondern auch solche, die auf der frisch markierten Sperrfläche inner- und ausserhalb der Station abgestellt und dabei gerne noch ans Aussengitter gekettet werden.
Die entsprechende Hinweistafel hat eine junge Frau jedoch nicht dazu motiviert, ihr Velo so abzustellen, wie das von der Stadt Dübendorf vorgesehen ist. «Ich verpasse sonst den Zug!», ruft sie im Vorbeihasten den Männern des Unterhaltsdienstes zu. Doch die machen klar, dass sie das Velo mitnehmen werden. Leise fluchend kehrt sie zurück und arretiert ihr Fahrrad in der dafür vorgesehen Vorrichtung.
Wobei man auch mal ein Auge zudrückt. So wird ein Velo, das den Zugang zum Abfalleimer blockiert, ein paar Meter weiter auf einen freien Platz gestellt. Keine Gnade gibt es hingegen für den Velobesitzer, der sein Fahrrad mitten auf der Sperrfläche am Absperrgitter der Station angekettet hat – just in den Moment, als die Männer kurz mit Aufladen beschäftigt waren, und direkt unter der Hinweistafel. Luis Baptista zückt die Riesenzange…
