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«Das Geschlecht kann nicht das einzige Kriterium sein»

Der Dübendorfer Stadtrat Martin Bäumle (GLP/GEU) möchte in den Ständerat. Im Interview sagt er, was ihn an der Aufgabe reizen würde, was er von seiner parteiinternen Konkurrentin hält und wieso er nicht Bundesrat werden möchte.

Ständerat – aber dann soll Schluss sein: Martin Bäumle will nicht Bundesrat werden, weil er dann auf vieles verzichten müsste.

Fotos PD/Grafik: Dominik Gut

«Das Geschlecht kann nicht das einzige Kriterium sein»

Herr Bäumle, Sie haben Interesse am freiwerdenden Zürcher Sitz im Ständerat angemeldet. Wieso das?
Martin Bäumle: Ich sitze nun seit 19 Jahren im Nationalra t und bin mir die enge Zusammenarbeit mit dem Ständerat gewohnt. Mit meiner Erfahrung, meinem Interesse und Wissen könnte ich bestimmt einiges bewirken – für die Ziele der GLP, aber auch den Kanton Zürich. Mir ist wichtig, dass die Partei in beiden Kammern vertreten ist.

Aber was würde Sie an der Arbeit im Ständerat reizen?
Es wäre sicherlich ein Karrieresprung, den ich gerne machen würde. Die Arbeit ist nicht eine völlig andere als im Nationalrat, aber das einzelne Mitglied hat mehr Gewicht, mehr Einfluss. Man ist in alle Vorgänge involviert und sitzt nicht nur in einer Kommission wie im Nationalrat, sondern in zwei bis dreien. Man kann sich darüber hinaus in der Zürcher Regierung einbringen und gleichzeitig deren Interessen in Bern deponieren. Das alles macht die Arbeit im Ständerat intensiver und damit auch zeitaufwendiger.

« Als Bundesrat wie auch als Regierungsrat müsste ich auf das alles verzichten.  »

Hätten Sie denn daneben noch Zeit für Ihr Stadtratsmandat in Dübendorf?
Grundsätzlich spricht nichts dagegen, da ich das Amt inzwischen doch mit einer gewissen Effizienz ausführe. Im konkreten Fall müsste man das aber sicher nochmals anschauen.

Wäre ein Sitz im Bundesrat ein weiterer denkbarer Karriereschritt?
Nein, diese Frage wird sich für mich nicht mehr stellen. Die Freiheitsgrade, die ich heute habe, ermöglichen mir neben meiner Arbeit als Unternehmer die Ausübung eines Milizamts und die Mitwirkung in verschiedenen Organisationen und Gremien. Als Bundesrat wie auch als Regierungsrat müsste ich auf das alles verzichten. 

« Tiana Moser und ich sind sicherlich ebenbürtige Kandidaturen »

Ihr Interesse am Ständerat war den meisten Medien – wenn überhaupt – nur eine Randnotiz wert. Gleichzeitig erhält Ihre Parteikollegin Tiana Moser als potenzielle Kandidatin viel mehr Aufmerksamkeit. Was läuft da falsch zwischen Ihnen und den Medien?
Das ist eine gute Frage. Ich will das aber nicht überbewerten. Wir sind noch in einer sehr frühen Phase, die Kandidatur der GLP für den Ständerat wird wohl erst nach den Kantonsratswahlen im kommenden Frühjahr festgelegt.

Könnte bei der Auswahl auch das Geschlecht eine Rolle spielen? Wenn man davon ausgeht, dass Daniel Jositsch die Wiederwahl schafft, dann wird von verschiedenen Seiten eine Kandidatin eingefordert werden.
Über das Geschlecht wird man diskutieren, ganz klar. Wenn man berücksichtigt, dass ich Gründer der GLP bin und einen nicht eben kleinen Leistungsausweis als Politiker habe, kann das aber nicht das einzige Kriterium sein. Tiana Moser und ich sind sicherlich ebenbürtige Kandidaturen. Letztlich könnte man auch so argumentieren: Nachdem mit Verena Diener acht Jahre lang eine Frau für die GLP im Ständerat sass, wäre jetzt ja auch Mann möglich.

«Ohne ein Bündnis zu haben, ist es nicht ganz einfach.»

Sie haben bereits 2015 für den Ständerat kandidiert, dann aber auf den zweiten Wahlgang verzichtet, weil Sie sich in einer Analyse zu geringe Chancen für den Wahlsieg ausgerechnet hatten. Haben Sie schon kalkuliert, wie gross ihre Chancen diesmal wären?
Natürlich habe ich einige Kalkulationen gemacht, schliesslich handelt es sich um den am schwierigsten zu erringenden Sitz im Kanton Zürich. Aber aktuell gibt es einfach noch zu viele unbekannte Faktoren, etwa was die Entwicklung der politischen Grosswetterlage betrifft.

Gemäss dem «Tages-Anzeiger» kostet die Kampagne für eine Ständeratskandidatur rund eine halbe Million Franken. Was wiegt schwerer: das Geld oder die Konkurrenz durch andere Kandidaten?
Der Betrag ist sehr hoch, könnte aber bei der Konkurrenz hinkommen. Vor sieben Jahren lagen wir unter 80’000 Franken. Ebenso wichtig wie das Geld ist die mögliche Blockbildung von rechts und links. Ohne ein Bündnis zu haben, ist es nicht ganz einfach.

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