Hier suchten Usters Stadträte den Dialog mit der Bevölkerung
Obwohl der Anlass «Stadtrat im Dialog» bereits zum dritten Mal durchgeführt worden ist, hat es am Donnerstag eine kleine Premiere gegeben: Nach zwei Pandemiejahren mit Videoauftritten stellte sich der Ustermer Stadtrat am Donnerstag erstmals leibhaftig den Fragen aus der Bevölkerung.
Und diese war gut vertreten. Immerhin rund 80 Einwohnerinnen und Einwohner waren in den Stadthofsaal gekommen, um während einer Stunde die fünf Stadträtinnen und zwei Stadträte mit ihren Fragen zu löchern. Besonders gefordert war Bauvorstand Stefan Feldmann (SP). Er versprach, dass bald alle Bushaltestellen mit Bänken ausgestattet sein würden, mit Priorität auf den Stopps in Richtung Bahnhof.
Kein Gratis-Busbetrieb
Und etwas Hoffnung machte er der Vertreterin der IG Wermatswilerstrasse: So sei es mindestens das Ziel, dass auch auf der Buslinie 818 wie überall sonst auch der Viertelstundentakt eingerichtet werde. Eine Absage erteilte er allerdings jenem Einwohner, der sich einen vergünstigten oder gar Gratis-Busbetrieb in Uster wünschte.
Auch das Problem der lauten Laubbläser fällt in Feldmanns Zuständigkeit. Diesen habe auch die Stadt den Kampf angesagt: «Innerhalb der kommenden zwei, drei Jahre werden die mit einem Benzinmotor ausgestatteten Modelle durch solche mit Elektromotor ersetzt.» Verbesserung versprach er auch bei der Lichtverschmutzung. So würden die alten Strassenlaternen mit dimmbaren LED-Leuchten ausgestattet in «Warm-Weiss».
Und natürlich kam wie schon in den Vorjahren das Ustermer Barrierenproblem aufs Tapet. Die zwei vorgesehenen Strassenunterführungen auf der Zürich- und der Winterthurerstrasse sowie die drei zusätzliche Passagen für Velofahrer und Fussgänger würden nun auf ihre Machbarkeit hin überprüft. Bis Anfang 2023 hofft er auf Resultate.
Nachtleben versus Lärmbelästigung
Gefragt war auch die neue Sicherheitsvorsteherin Beatrice Caviezel (GLP). Allerdings konnte sie nicht auf alles eine Antwort gegeben – wie etwa auf den Einwand, ob es wirklich Velofahrverbotstafeln bei der erneuerten Kawamata-Holzbrücke im Zellwegerpark brauche. Solche würden das Kunstwerk verschandeln, meinte ein Ustermer.
Von wilden Töffparkierern, die Velos verdrängen würden, wusste sie ebensowenig. Am Bahnhof gebe es ein Platzproblem, «doch es gibt keine rechtliche Handhabe, um die einen oder anderen Zweiradfahrer abzuhalten».
Ein Dauerbrenner auf der Problemliste ist auch der nächtliche Lärm. Ein Anwohner des Zeughausareals beklagte sich insbesondere über die laute Musik aus der Zeughausbar bis morgens früh an Wochenenden. Caviezel hielt dem entgegen, dass sich die Situation doch jetzt gebessert habe. Gleichzeitig machte sie klar, dass man gar nicht allen Lärm vermeiden wolle, da dieser eben auch zum Nachtleben gehöre.
Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP) hakte hier nach: «Das Lärmthema beschäftigt jede Stadt. Doch es ist gewollt, dass es hier auch Veranstaltungen gibt.» Allenfalls müsse eine Dialoggruppe ins Leben gerufen werden.
Sammeltour für Kunststoff
Stark zu beschäftigen scheint die Ustermer auch die Frage nach einer Kunststoffsammlung. Gesundheitsvorsteherin Karin Fehr (Grüne) hielt fest, dass eine solche Sammelstelle in der neuen Hauptsammelstelle in der Loren vorgesehen sei. Da diese aber erst 2025/26 in Betrieb genommen werde, soll nun eine spezielle Sammeltour in der ersten Hälfte des nächsten Jahres eingeführt werden.
Eine Absage musste Bildungsvorsteherin Patricia Bernet (SP) dem Wunsch aus Nänikon erteilen, dort eine Tagesschule einzurichten. Neben der bereits bestehenden in Niederuster werde es dagegen in Oberuster eine weitere Tagesschule geben.
In Nänikon fehlen Krippenplätze
Und in Nänikon fehlt es offensichtlich auch an Krippenplätzen. Sozialvorsteherin Petra Bättig (FDP) ist auf der Suche nach passenden Räumlichkeiten, allerdings seien potenzielle Krippenbetreiber noch nicht fündig geworden.
Bättig nahm die Anregung einer aus Mariupol geflüchteten Ukrainerin auf, für kommunale Sprachkurse zu schauen. Es soll auch ein Informationsblatt auf Ukrainisch verfasst werden, wie hier das Entsorgungssystem läuft. Im Übrigen freut sich Bättig, dass gemäss einer Umfrage der grösste Teil der privaten Unterkunftsgeber, die Platz für rund 150 Ukraineflüchtlinge anbieten, dies noch über Monate hinweg fortsetzen wollten.
Kaum gefragt war Finanzvorstand Cla Famos (FDP), der aber immerhin verkünden konnte, dass das laufende Jahr sich für die städtischen Finanzen gut angelassen habe. «Der Finanzausgleich und die Steuereinnahmen dürften höher als budgetiert ausfallen.»
Und was ist mit den Tauben?
Nach einer guten Stunde verschoben die Besucher und der Stadtrat zum Apéro ins Foyer. Dort durften die Politiker weiter mit den Sorgen und Ideen belagert werden. Und die Stadträte nehmen einige Hausaufgaben mit. So wollen sie noch allen 40 Fragestellern, die sich im Vorfeld schriftlich gemeldet hatten, eine Antwort geben. Leider wird die Allgemeinheit so nicht erfahren, was die Stadtregierung von einer zentralen Abfeuerstelle am 1. August hält, oder was die Stadtoberen gegen lästige, gurrende Tauben zu tun gedenken.
