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Politik

Ein Vierteljahrhundert im Dienst der katholischen Kirche

Vom Jugendarbeiter bis an die Spitze der Glattaler Kirchen: Markus Zeier war 24 Jahren in der Kirchenpflege und machte die Gemeinde zu dem, was sie heute ist.

Seit 1998 sitzt Markus Zeier in der katholischen Kirchenpflege. Nicht alles lief immer rund während seiner Zeit.

Fotos: Christian Merz

Ein Vierteljahrhundert im Dienst der katholischen Kirche

«Ich fordere und fördere mein Team», sagt Markus Zeier. Das müsse ein Chef nun mal. Zeier gibt Ende Juni nach 24 Jahren sein Amt in der katholischen Kirchenpflege Dübendorf auf, die er 16 Jahre lang präsidierte. Eine Kirchenpflege, welche nicht nur für Dübendorf, sondern auch für Fällanden und Schwerzenbach verantwortlich ist.

Der 60-Jährige sitzt aufrecht auf dem Stuhl und gestikuliert lebhaft, während er von seinem Schaffen erzählt. Sätze wie «Von nichts kommt nichts» oder «Es ist ein Geben und Nehmen» sind seine Leitmotive.

«Ursprünglich wollte ich gar nicht so lange bleiben», gibt Zeier zu. Es habe alles damit angefangen, dass er keine Stelle als Primarlehrer fand. Darum trat er eine als Jugendarbeiter in der katholischen Pfarrei Dübendorf an. «Ich war damals einer der wenigen Jugendarbeiter in der Region. In den 80ern war der Beruf im Kanton Zürich noch eine Seltenheit.»

Etwas zurückgeben

Zuvor betätigte er sich in der Pfadi, die der katholischen Kirche angehörte – nicht ungewöhnlich in der Zürcher Agglomeration, meint Zeier. Dieser verdanke er einen guten Draht zu den damaligen Jugendlichen von Dübendorf, von denen heute viele ein öffentliches Amt bekleiden würden.

Markus Zeier war 24 Jahre lang in der katholischen Kirchgemeinde Dübendorf. Hier lehnt er an eine Wand im Pfarreizentrum Leepünt.

Nach fünf «absolut tollen Jahren» als Jugendarbeiter hat es für Zeier 1991 dann doch noch geklappt mit der Stelle als Lehrer im Primarschulhaus Birchlen, in dem er noch heute unterrichtet.

Doch Zeier wollte der Kirche etwas zurückgeben: «Die Kirche gab mir einen super Job, nun war ich an der Reihe.» 1998 trat er in die Kirchenpflege ein. «Nach den ersten vier Jahren war ich drin. Darum blieb ich noch ein bisschen.»

Ganz oder gar nicht

Nach seiner zweiten Amtsperiode wurde ein Präsident gesucht. Da sich aber niemand wirklich für das Präsidium aufdrängte, fiel nach einem «Ahzelle, Bölle schäle» fiel die Wahl auf ihn. «Und wenn ich etwas mache, dann nur mit 110 Prozent. Sonst kann ich nicht dahinterstehen.»

Auf die Frage, wie Zeier das Amt mit seiner Vollzeitanstellung als Lehrer in der Primarschule Birchlen vereinbart, sagt er: «Ich schlafe wenig», und lacht. Zudem verweist er auf seine Papieragenda. «Ich habe keinen Termin in 24 Jahren verpasst.»

Und wenn Zeier einmal ein Treffen eingetragen hat, will er dieses unbedingt wahrnehmen. Seine Tage seien jeweils streng geplant. So leicht lasse sich nicht wieder ein Termin finden, sagt er. «Das nervigste ist, wenn sich jemand verspätet, den Termin schieben oder ihn absagen will.»

Abendessen mit dem Bischof

Während seiner Amtszeit begegnete er vielen bemerkenswerten Menschen. «Das war das Schönste an dem Amt.» Als Beispiel nennt er das Treffen mit dem aktuellen Bischof Joseph Maria. In welchem Restaurant er denn essen wolle, fragte Zeier ihn. «Er antwortete, dass er am liebsten im Pfarreizentrum speisen würde. So kam er vorbei, ass Schinken im Teig mit uns und stiess mit einem Glas Wein an.»

«Der Spagat zwischen den drei Orten war nicht immer leicht.»
Markus Zeier, abtretender kath. Kirchgemeindepräsident

Schwieriger hingegen war das Zusammenbringen der Pfarreien Schwerzenbach, Fällanden und Dübendorf. Dass die zwei erstgenannten lange kein eigenes Pfarreizentrum hatten, führte zu Spannungen. Hatten sie ein Anliegen, mussten sie jeweils nach Dübendorf fahren.

Ein Fakt, der Zeier lange ein Dorn im Auge war. «Es war immer mein Ziel in allen Dörfern eine solche Instanz zu schaffen.» Mit den Bauten 1991 in Fällanden und 2017 in Schwerzenbach hat er dies erreicht.

Markus Zeiers Kirchenleben in Zahlen

Markus Zeier:

  • überlebte zwei Päpste und drei Bischöfe
  • unterschrieb in 16 Jahren Budgets von insgesamt 80 Millionen Franken
  • nahm an allen 400 Sitzungen und Klausuren teil
  • arbeitete mit 24 unterschiedlichen Kirchenpflegern zusammen
  • stellte insgesamt 80 Mitarbeitende ein

«Der Spagat zwischen den drei Orten war nicht immer leicht», sagt der Noch-Präsident. «Dübendorf war immer gross und die anderen beiden fühlten sich manchmal untergeordnet.»

Dies sei mit Sicherheit einer der grössten Erfolge während seiner Zeit. In allen Gemeinden ein Pfarreisekretariat zu errichten und einen vollamtlichen Seelsorger anzustellen, sei zwar aufwendiger, aber die Leute schätzen dies sehr. Zudem stifte es Identität.

Auch schwierige Jahre hinter sich

Alles sei jedoch nicht immer glatt gelaufen. So mussten auch Pfarreileiter entlassen oder Pfarrer demissioniert werden, was immer sehr schwierig sei. «Pfarrer sind Identifikationspersonen.» Auch gab es mal Streit im Seelsorgeteam als die Religionspädagogin und die Pastoralassistentin die Pfarrei verliessen.

In der Kirche hängt der Haussegen schief

31.05.2011

Die Religionspädagogin und die Pastoralassistentin der Katholischen Kirche Dübendorf, die im Konf Die Religionspädagogin und die Pastoralassistentin der Katholischen Kirche Dübendorf, die im Konflikt mit den neuen Leitern standen, verlassen die Kirchgemeinde definitiv.

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Darauf angesprochen, sagt er: «Ich konnte den Menschen leider nicht erklären, warum die Angestellten wirklich gingen.» Stets habe er auf den Persönlichkeitsschutz verweisen müssen. «Das waren ein paar harzige Jahre.»

In letzter Zeit wurde es dafür ruhiger um die Kirchgemeinde. Und die Arbeit innerhalb der Kirchenpflege verlief meist harmonisch. «Mich rufen auch andere Kirchenpfleger und -präsidenten an, um sich Tipps einzuholen.» Dies verstehe er als grosses Kompliment an seine Arbeit.

Sinkende Mitgliederzahl

Ein Problem, mit dem er oft zu kämpfen hatte, war das Finden von geeignetem Personal. Auch die Mitgliederzahlen nähmen stetig ab, aktuell sind es in der katholischen Kirchgemeinde Dübendorf-Fällanden-Schwerzenbach 11’500. Das Problem, die eigenen Kirchen nicht mehr unterhalten zu können wegen fehlenden Geldern, habe man aber zum Glück noch nicht.

Darum war ihm auch immer wichtig, mit der Kirche nach aussen zu treten, sagt Zeier. «Die Leute kommen nicht wie früher einfach zu uns.» Die Kirche sei nun wieder dran zu geben, um vielleicht später die eine oder andere Frucht daraus zu tragen.

Erstmal ausruhen

Weil er seit 53 Jahren in Dübendorf lebt, hier aufwuchs und stark vernetzt sei, habe er schon zig Anfragen für die Zeit nach seinem Amt von lokalen und regionalen Institutionen bekommen.

In seiner neu gewonnenen Freizeit will sich Zeier jedoch erst einmal ausruhen. Einer Anfrage habe er jedoch schon zugesagt. Ab 2023 werde er für das Heimatbuch schreiben. «Bis dahin werde ich mich zuerst etwas ausruhen.» Dem neuen Kirchgemeindepräsident wird er aber in der Anfangsphase dennoch zur Seite stehen.

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