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Drei Haartrachten, der Sack und eine Rechnung

Wenn das nicht Traktandierte mehr interessiert als das offizielle Geschäft: In Seegräben sind immerhin rund fünf Prozent der Stimmberechtigten zu einer unspektakulären Versammlung erschienen.

Reto Steinmann (FDP, rechts) präsentiert der Gemeindeversammlung Seegräben zum letzen Mal eine Rechnung.

Bild: Christian Brändli

Drei Haartrachten, der Sack und eine Rechnung

Das letzte Mal: Dieser Begriff fiel an der Seegräbner Gemeindeversammlung vom Dienstag gleich mehrmals. Dabei war mit der Jahresrechnung 2021 nur ein ordentliches Geschäft traktandiert. Dieses stellte Finanzvorstand Reto Steinmann (FDP) vor. Und da war es zum ersten Mal zu hören, das «letzte Mal», dass er eine Rechnung präsentiere. Er gehört nämlich zur Gruppe der nun abtretenden Behördenvertreter.    

Höhere Steuereinnahmen

«Es freut mich sagen zu können, dass wir auch nach zwei Jahren Pandemie einen gesunden Finanzhaushalt haben», meinte er. Bei einem Gesamtertrag von 8,7 Millionen Franken in der Rechnung 2021 verbleibt unter dem Strich ein Ertragsüberschuss von gut 660’000 Franken. Gegenüber Budget fällt das Ergebnis sogar um 740’000 Franken besser aus.

Zu verdanken ist dieses gute Resultat laut Steinmann in erster Linie viel höher ausgefallenen Steuereinnahmen von natürlichen Personen. Etwas mitgeholfen haben auch höhere Grundstückgewinnsteuern sowie eine Erbschaft. Gegenüber 2020 fiel der Ertrag im 2021 um fast 1,1 Millionen Franken höher aus.

«Dies war eine sehr spezielle Legislatur», unterstrich der scheidende Finanzvorstand. In den Jahren 2018, 2019 und 2021 seien die Abrechnungen deutlich besser als budgetiert ausgefallen. Einzig im 2020 habe es wegen eines tiefen Ressourcenausgleichs einen Taucher nach unten gegeben.

WC noch nicht sitzbereit

Im vergangenen Jahr sind auch die Nettoinvestitionen um 328’000 Franken tiefer ausgefallen. So musste die Sanierung des Kiesweg Cher, der Bau des neuen WCs am See und das Verkehrsleitsystem aus Termingründen auf dieses Jahr verschoben werden.

Grosse Debatte ums kleine Geschäft

22.06.2021

Seegräbner genehmigen tiefrote Bauabrechnung

Bis zum Herbst wird es bei der Badi Seegräben eine neue Toilette geben. Beitrag in Merkliste speichern Der Toilettenbau ist zurzeit im Gang. «Ein Probesitzen liegt aber noch nicht drin, da die Schüssel eine längere Lieferfrist hat», meinte Gesundheitsvorständin Katharina Hefti (parteilos/FDP).

Parkgebühren falsch abgeliefert

Das laufende Jahr habe finanztechnisch gut begonnen, meinte Steinmann. So habe die Gemeinde ein Darlehen in Höhe von einer Millionen Franken zurückzahlen können. Wegen einer Fehlprogrammierung des Anbieters waren 82’000 Franken an Parkgebühreinnahmen irrtümlich in Winterthur gelandet. Mittlerweile sei das Geld am richtigen Ort angekommen.

Steuerfussdiskussion aufgewärmt

Die guten Resultate hätten auch die Diskussion darum erneut Nahrung gegeben, ob die letztes Jahr vorgenommene Steuererhöhung um zwei Prozentpunkte überhaupt nötig gewesen sei, meinte Steinmann. Allerdings bewirke der Ukrainekrieg grosse Unsicherheiten mit fallenden Börsen und steigenden Zinsen. Die Auswirkungen auf die laufende und künftige Rechnungen seien noch nicht abzuschätzen.

Das zweite «zum letzten Mal» erfolgte vom scheidenden RPK-Präsidenten Thomas Meyer (SVP), der die Unterstützung seiner Behörde für den Rechnungsabschluss bekannt gab. Nach nur 21 Minuten erfolgte die einstimmige Zustimmung der 46 anwesenden Stimmberechtigten zur Rechnung.

Der Advocatus Diaboli

Dass rund fünf Prozent der Seegräbner Stimmberechtigten zur Versammlung gekommen waren, dürfte weniger mit dem einzigen traktandierten Geschäft, sondern mehr damit zu tun gehabt haben, dass während den nächsten 40 Minuten einige Behördenmitglieder verabschiedet wurden, drei mit einer Laudatio.  

Steinmann wechselt in die Finanzen

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Rochade im Seegräbner Gemeinderat

Der Seegräbner Gemeinderat hat sich konstituiert. href=”/flag/flag/np8_favorites/2609149?destination=batch&token=lSPx50siUA0j8fITC2rD9ULUhR13nzw0e4JepDLXuKw” title=”” class=”no-tts use-ajax flag flag-np8_favorites flag-np8_favorites-2609149 action-flag”>Beitrag in Merkliste speichern Steinmann sei ein «maximaler Hüter unserer Finanzen gewesen, meinte Katharina Hefti. In seiner ersten Amtszeit, als er als Bauvorstand wirkte, sei er auch bereit gewesen, bei unpopulären Entscheiden hinzustehen.

«Er hat vieles hinterfragt und im Gemeinderat auch manchmal als  Advocatus Diaboli gewirkt.» Das sei für den Gemeinderat herausfordernd und manchmal auch  anstrengend gewesen. Zudem sei er immer ein sehr starker Vertreter des Ortsteils Sack gewesen.  «In seinem Abschiedsbrief hat er denn auch versprochen, uns in nächster Zeit nicht mehr so auf den Sack zu gehen», hielt Hefti schmunzelnd fest.

Der Professionalisierer

Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) würdigte den nach acht Jahren scheidenden Schulpräsidenten Philipp Küng (parteilos), der die Bildung im Gemeinderat vertreten hat. «Er war ein Senkrechtstarter und entscheidungsfreudiger Präsident», dem die Professionalisierung der  Schulverwaltung sehr wichtig gewesen sei.

Er habe oft eine Meinung vertreten, die nicht dem Mainstream entspreche. Und noch etwas ist Pezzatti von Küng geblieben. Er war der Mann der wechselnden Haartrachten: vom Rossschwanz zum Start über eine Kürzesthaarfrisur zur Mitte bis nun zum Abschluss, den er mit gewelltem Haar begehe.

Zu RPK-Präsident Meyer hielt Pezzatti fest, dass dieser sich wirklich für alle Geschäfte des Gemeinderates interessiert habe, «auch für einige, mit denen sich die RPK nicht befassen musste». Wichtig im gegenseitigen Umgang seien Vertrauen, Respekt und Fairness, aber auch kritische Distanz gewesen.

Zum letzten Mal auch bei der Kirche

Neben diesen Behördenmitgliedern wurde auch Gemeindearbeiter Hans Glauser verabschiedet. «Manchmal haben wir das Gefühl gehabt, dass Hans ein paar Hände mehr hat als andere.» Glauser habe für den Glanz der Gemeinde gesorgt. Unter grossem Applaus erhielt er eine eigene Seegräbner Autonummer zum Abschied.

Ein drittes und letztes «zum letzten Mal» gab es in der anschliessenden Versammlung der reformierten Kirchgemeinde, wo neben der Jahresrechnung die scheidende Präsidentin Madlaina Zweifel verabschiedet wurde. Sie hatte insgesamt 16 Jahre in der Behörde gearbeitet, als Macherin aber zuletzt unter der steigenden Bürokratie aus Zürich gelitten.  

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