Angelika Plüss verabschiedet sich von Baumer Kinderchor
Die Lektionen der Baumer Primarlehrerin Angelika Plüss beginnen immer mit einem oder sogar zwei Liedern. «Danach sind die Kinder bereit, um zu arbeiten», ist sie überzeugt. Doch das Singen hat vielerorts je länger je weniger Platz im Unterricht – ein Umstand, der ihr bereits vor 25 Jahren aufgefallen ist.
Um so viel Musik wie möglich in den Alltag der Kinder zu bringen, gründete sie 1997 den Kinder- und Jugendchor Bauma. «Sofort meldeten sich 33 Kinder an.» So viele, dass sie den geplanten Chor auf zwei Altersstufen aufteilen musste.
Nach wie vor treffen sich die Kindergartenkinder und Unterstufenschüler jeweils am Donnerstag im Singsaal des Schulhauses Altlandenberg zur Probe, der Jugendchor mit Mittelstufen- und Oberstufenschüler am Dienstag. «Momentan haben wir vier Sängerinnen, die zwar schon in der Lehre und im Gymi sind, aber doch noch weiter mitsingen», freut sich Plüss.
Chor gehört zum «Stundenplan»
Sie singt seit Jahren im Frauenchor Juckern-Saland, den sie auch lange dirigiert hat. «Die Chöre für Erwachsene leiden wie so viele Vereine unter Mitgliedermangel. Viele Personen, die zwar gerne singen, wollen sich aber kaum noch für regelmässige Proben verpflichten.»
Im Kinder- und Jugendchor, der Teil des Angebots der Musikschule Zürcher Oberland ist, sei dies anders. «Da gehört das wöchentliche Singen einfach zum Stundenplan dazu – und oft stehen noch Eltern dahinter, welche den Kindern wieder Beine machen, wenn sie einen Hänger haben.»
«Kaum ein 16- oder 17-Jähriger will in einen Chor eintreten, wo das Durchschnittsalter über 60 liegt.»
Angelika Plüss
Dass der Anschluss danach schwierig ist, sei für sie keine grosse Überraschung. «Kaum ein 16- oder 17-Jähriger will doch in einen Erwachsenenchor eintreten, wo das Durchschnittsalter meist weit über 60 liegt.»
Zudem würde man während einer Lehre ganz andere Vorstellungen von Freizeitgestaltung haben. «Aber ich hoffe immer, dass die Kinder, die bei mir gesungen haben, irgendwann als Erwachsene den Weg zurück zum Gesang finden.»
400 ehemalige Chorkinder
Das Konzert des 25-Jahr-Jubiläums des Chors am 11. Juni wird das letzte für Angelika Plüss sein. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele ehemalige Sängerinnen und Sänger zusammenzubringen . «Nur gestaltet sich das etwas schwierig, da wir als Adressen meist nur die Angaben der Eltern haben.»
Doch zum Glück gibt es Social Media. «Mein Mann hat stundenlang Facebook durchsucht», sagt Plüss lachend. Noch fehlen rund 50 der insgesamt knapp 400 Ehemaligen.
Ihr Mann Markus Plüss ist aber nicht nur für Recherchezwecke eine helfende Hand. «Seit der Gründung des Chores begleitet er uns musikalisch, mittlerweile ist er offiziell von der Musikschule als Assistent angestellt», sagt Angelika Plüss. «Und für mich ist er natürlich eine riesige mentale Unterstützung.»
Nachfolge noch nicht fix geklärt
Nicht nur ihr Mann, auch ihr ältester Sohn ist Teil der Band, die dem Chor zur Seite steht. «Er ist sozusagen im Chor aufgewachsen», sagt Plüss. Zudem die Mutter eines ehemaligen Chormädchens – und sie selber, die mittlerweile erwachsen ist. Ob diese Musikgruppe weiterhin den Chor unterstützen werde, sei noch nicht klar.
Auch bei der Nachfolge von Angelika Plüss als Chorleiterin gibt es noch ein paar Fragezeichen. «Aber es steht eine mögliche Person in Aussicht, die ausgebildete Jazz-Sängerin ist – das wäre natürlich toll für den Chor.»
Natürlich werde sie die Stunden mit den jungen Sängerinnen und Sängern vermissen. Aber nach 25 Jahren sei es für sie der richtige Moment, aufzuhören. «Die letzten zwei Jahre waren irgendwie speziell gut – und gut ist jetzt auch für mich.»
Das Konzert zum 25-Jahr-Jubiläum des Kinder- und Jugendchors Bauma findet am Samstag, 11. Juni, im Mehrzwecksaal Altlandenberg statt. Der Kinderchor singt zusammen mit dem Jugendchor um 15.30 Uhr, der Jugendchor noch einmal alleine um 19 Uhr. Danach treten diverse Musikbands mit ehemaligen Chorkindern auf. Weitere Informationen unter www.jugendchor-bauma.ch.
