Störche besetzen Hochkamin über Schnäppchenzentrum
«Wir haben grosse Freude am Storchenpaar.» Daniel Haldimann, Leiter Bewirtschaftung bei der Hiag, hat von seinem Büro aus direkten Blickkontakt zum Storchenpaar, das seit einigen Wochen Ast um Ast auf den knapp 30 Meter hohen Kamin der ehemaligen Spinnerei Streiff in Aathal gebracht hat.
Eine Mieterin habe beobachtet, wie die beiden Störche zuvor das Areal mehrfach überflogen hätten, erzählt Haldimann. Offensichtlich hätten sie nun hier, in schwindelerregender Höhe über dem heutigen Einkaufszentrum, das Passende gefunden.
Viele Plätze besetzt
Entlang der einstigen Industrieachse am Aabach stehen noch einige Hochkamine. Und die meisten sind seit einigen Jahren von Storchenpaaren besetzt, etwa an der Seestrasse 110 und auf dem Kamin am Turbinenweg in Niederuster, über der Lokremise beim Bahnhof Uster oder beim Schönauweiher in Wetzikon.
Mit der «Besetzung» in Aathal wird nun die Lücke zwischen Uster und Wetzikon geschlossen. Freie Plätze gäbe es etwa noch beim Sauriermuseum Aathal oder eingangs Wetzikon bei der ehemaligen Spinnerei Flos.
Oberland ist begehrt
Das Oberland gehört schweizweit nicht zuletzt dank der vielen Seen und Weiher sowie Bächen zu den beliebtesten Storchenregionen. So suchen Weissstörche die Nahrung im feuchten Umfeld während der Aufzucht in einem Umkreis von rund einem bis zwei Kilometern ums Nest.
In Mönchaltorf, Uster, Hombrechtikon, Oetwil, aber auch in Dübendorf existieren denn gleich mehrere Horste auf Hausdächern, Bäumen, Fernmeldemasten oder eben Hochkaminen. Auf der Website von « Storch Schweiz » ist eine Karte zu finden, auf der die heute über 800 Brutpaare verzeichnet sind.
Keine Hilfe nötig
Der Hochkamin beim Schnäppchenzentrum in Aathal ist schon lange stillgelegt und oben verschlossen. Er wird heute nur noch als Standort für eine Mobilfunkantenne genutzt. Von der geht aber offenbar keine Gefährdung für die stolzen Vögel aus.
Nur dem Nest, nicht dem Partner treu
Die bis zu 80 Zentimeter grossen Weissstörche mit einer Flügelspannweite von bis zu zwei Metern führen eine saisonale Einehe. Sie sind nesttreu, aber nicht partnertreu. Im Winter ziehen sie getrennt ins Winterquartier und bei der Rückkehr wählen sie häufig einen neuen Partner.
Durch Imponierstellung und Klappern wehrt das Männchen Konkurrenten ab. Das Klappern dient auch zur Begrüssung der Nestpartner. Brutbeginn ist normalerweise im März oder April. Die meist drei bis fünf Eier werden jeweils einen Monat lang ausgebrütet. Die geschlüpften Jungvögel bleiben dann während rund zwei Monaten im Nest und fliegen somit im Juni oder Juli aus. zo
«Wir haben abgeklärt, was wir machen können zur Unterstützung beim Nestbau. Vom Hombrechtiker Storchenvater Max Zumbühl, den wir angefragt haben, hiess es, wir sollen das Storchenpaar einfach machen lassen», sagt Haldimann.
Resultat noch ungewiss
Anders als in der Schönau, wo jährlich per Drehleiter ein Blick ins Nest geworfen wird und die Jungstörche beringt werden, hat bisher noch niemand Einblick in den Aathaler Horst gehabt. «Ohne Leiter kommen wir da nicht rauf», meint der Vertreter der Hiag, der die ehemaligen Industrieanlagen gehören.
Drei Jungstörche in Uster
23.05.2022

Nachwuchs im Storchenhorst
Das Storchenpaar in Uster hat drei gesunde Nachkommen. Beitrag in Merkliste speichern Und so weiss Haldimann auch nicht, ob es, wie jüngst vom Horst bei der Ustermer Lokremise gemeldet, auch hier schon Nachwuchs gibt. «Wir haben zwar schon mehrfach ein Klappern gehört, aber noch keine Jungvögel gesehen.»
Vor 70 Jahren war der Storch in der Schweiz ausgestorben
Um 1900 waren im schweizerischen Mittelland rund 140 Nester bekannt, in denen regelmässig gebrütet wurde. Bis 1949 ging der Bestand auf ein einziges Paar zurück und 1950 blieb auch dieser letzte Horst verwaist.
Gründe für den dramatischen Bestandesrückgang gab es viele. In erster Linie war die Witterung, Nässe und Kälte im Frühling mitverantwortlich. Zudem wurden immer mehr Flüsse und Bäche verbaut, Feuchtgebiete trockengelegt und die Mechanisierung der Landwirtschaft schuf eine immer eintönigere Landschaft. Auch starben viele Störche auf ihrem Zug in den Süden.
1948 gründete Max Bloesch die Storchensiedlung Altreu. Jungstörche, anfänglich aus Europa, später aus Nordafrika, wurden über die kritischen Jugendjahre im Gehege behalten und nach Erlangung der Brutreife und Paarbildung freigelassen. Diese Vögel verbleiben auch heute noch im Winter in der Schweiz.
In den 1960er Jahren begannen sich erste Erfolge einzustellen. Die Vögel vermehrten sich. Das Pionierprojekt machte Schule. 1965 wurde in Uznach die erste Aussenstation gegründet. Während der nächsten Jahre entstanden in der Schweiz 24 Aufzuchtstationen zwischen Denens am Genfersee und Kriessern im St. Galler Rheintal.
Unter dem Patronat der Schweizerischen Vogelwarte wurde 1976 die «Gesellschaft zur Förderung des Storchenansiedlungsversuches» gegründet, die heutige «Storch Schweiz». Dank der erfolgreichen Wiederansiedlungen stehen nicht mehr Zucht und Auswilderung im Mittelpunkt. Vielmehr gilt es heute, den Lebensraum des Storches zu erhalten und verbessern. Aktuell leben hierzulande über 800 Brutpaare, deutlich mehr als anfangs des 20. Jahrhunderts. zo
