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Wenn Herr und Herr Storch sich lieben und warum Frösche nicht schwul sein wollen

Am Tag der Vielfalt, am 31. Mai, findet in der Naturstation Silberweide ein Rundgang zum Thema «Queere Tiere» statt: Ein Einblick in die komplexe Sexualität in der Tierwelt.

Was und wie treiben es die Frösche genau? Und wie nicht?, Mehr Informationen zum Sexleben von Fröschen oder Störchen gibt es in der Naturstation Silberweide.

PD

Wenn Herr und Herr Storch sich lieben und warum Frösche nicht schwul sein wollen

LGBTIQ – die Bezeichnung für Menschen mit unterschiedlichen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten ist in den letzten Jahren um ein paar Buchstaben länger geworden. «Das Thema Queerness ist momentan in aller Munde», sagt Viviane Magistra, stellvertretende Leiterin der Naturstation Silberweide in Mönchaltorf.

Und es handelt sich um ein Phänomen, das nicht auf Menschen begrenzt ist. Gerade hat eine Ausstellung im naturhistorischen Museum Bern zur Vielfalt der Geschlechter und Sexuellen Ausrichtungen bei Tieren und Menschen den Prix Expo gewonnen. Darum hat Magistra sich entschieden, am «Diversity Day» – am Tag der Vielfalt – eine Führung in der Naturstation durchzuführen, die das Augenmerk auf die Tierwelt legt.

 

zwei Schnecken

Queerness bezieht sich sowohl auf die biologischen Begebenheiten, als auch die Lebensweisen. «Fast jeder kennt das Beispiel der Schnecke, die nicht klar weiblich oder männlich, sondern ein Hermaphrodit ist», sagt Magistra. Bei den Fischen gebe es viele Arten, die ihr Geschlecht wechseln können, etwa wenn der Schwarm nur aus Männchen oder nur aus Weibchen besteht, es aber Zeit wäre, Nachwuchs zu produzieren.

Bei Paarhufern wie etwa Giraffen komme es dafür oft vor, dass sie in gleichgeschlechtlichen Gruppen leben und diese nur zur Paarungszeit verlassen. «Und in diesen Gruppen entwickeln sich in der Zwischenzeit eben auch sexuelle Beziehungen», sagt Magistra.

Schwierige Definitionen

Bei der Führung in der Naturstation soll in erster Linie die Fauna der Region im Zentrum stehen. «So gibt es etwa Störche, die gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben.» Bei einem konkreten Beispiel, das sie kenne, habe ein männlicher Storch lange mit einem anderen gelebt, bis dieser ums Leben kam. «Danach hat er sich wiederum mit einem Weibchen gepaart.»

Dabei scheut sich Viviane Magistra davor, diesen Storch als schwul oder bi zu bezeichnen. «Wir Menschen brauchen für alles einen Begriff, wir denken immer in Schubladen.» Die Konzepte, die sich in unserer Gesellschaft mittlerweile zur Bezeichnung der diversen Lebensformen herauskristallisiert haben, direkt auf Tiere zu beziehen, hält sie aber für schwierig.

«Der Terminus queer wird sehr oft benutzt, aber eine genaue Definition ist schwierig. Auch die anfangs erwähnte Schnecke ist meines Erachtens nicht wirklich queer.» Mit dem Titel der Führung «Queere Tiere» wolle sie eher zu Diskussionen anregen. «In unserem Alltag werden immer wieder die Begriffe natürlich und unnatürlich verwendet – aber diese Unterscheidung wurde ja von Menschen gemacht. Wie kann denn in der Natur etwas unnatürlich sein?»

Über 1500 Tierarten

Noch vor hundert Jahren war Homosexualität ein Tabuthema – bezüglich Menschen als auch Tieren. «Bereits Aristoteles berichtete vor über 2300 Jahren von homosexuellen Beziehungen in der Tierwelt, doch auch darüber wurde in der Wissenschaft kaum geforscht.»

Mittlerweile seien über 1500 Tierarten bekannt, bei denen Männchen und Männchen oder Weibchen und Weibchen sexuell interagieren. «Und es kommen laufend weitere dazu.»

 

Viviane Magistra

Auch wenn es schwierig ist, die Begriffe aus der Menschenwelt auf die Tiere zu übertragen, habe die Wissenschaft mittlerweile viele eigene Kategorien für Geschlechter oder Sexualität unter Tieren entwickelt. «Das ist auch etwas einfacher festzulegen, weil die Tiere – anders als wir Menschen – bei der Kategorisierung nicht widersprechen.» Dazu gehört etwa der Hermaphroditismus der Schnecke oder bestimmten Fischarten. 

Offenheit als Ziel

Noch habe es viele freie Plätze für die Führung Ende Mai. «Aber mein ganzes Team ist hochinteressiert», sagt Viviane Magistra und lacht. «Eine grosse Frage in dieser ganzen Themenwelt ist doch: Was ist denn Sex genau in der Tierwelt?» Dabei gehe es beim Rundgang nicht nur um Tiere, die queer sind, sondern auch solche, die schlichtweg nicht dafür «gebaut» sind.

Zum Beispiel Frösche: «Bei der Paarung der Frösche findet kein eigentlicher Geschlechtsverkehr statt», erklärt Magistra. Das Männchen setzt sich auf das Weibchen und befruchtet ihre Eier, sobald diese sie freigibt. «Daher kommt gar kein Frosch auf die Idee, sich mit einem anderen Männchen zu paaren – er hat schlichtweg nichts davon.»

Aufklärung ist also auch ein Teil der Führung. Zwar glaube sie nicht, dass Kritiker oder gar Gegner der LGBTIQ-Community durch die Informationen umgestimmt werden könnten, sobald sie merken würden, dass es auch im Tierreich eine Vielfalt an «unnatürlichen» Beziehungen und Formen gibt. «Aber vielleicht würde der grössere Blick aufs Ganze und die Offenheit gegenüber dem Thema etwas wachsen.»

Wie die Verantwortlichen vom Naturzentrum Silberweide mitteilen, musste die Führung aufgrund zu weniger Anmeldungen abgesagt werden.

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