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Ein Waldgeist erlebt Abenteuer in Illnau

Mit ihrem Erstlingswerk «Knolles Reise» hat die Illnauerin Nicole Bösch ein Buch geschrieben, das die gesamte Familie in die Natur ziehen soll. Ein Projekt, das schon einige Jahre gegärt hat.

Nicole Bösch mit ihrem ersten Kinderbuch über «Knolle».

Seraina Boner

Ein Waldgeist erlebt Abenteuer in Illnau

Welche Eltern kennen das nicht: Man ist mit den Kindern auf einem Spaziergang oder einer Wanderung unterwegs. Doch die Füsse der Kleinen scheinen so schwer, dass es immer grössere Überzeugungsarbeit braucht, um sie zum Weitergehen zu bewegen. Die Illnauerin Nicole Bösch hat für solche Situationen eine kreative Lösung gefunden.

«Vor rund acht Jahren stiess ich in den Ferien im Schwarzwald auf ein Buch über einen verzauberten Tannenzapfen, der Abenteuer im Wald erlebt», erzählt sie. Dort nahm Bösch das Buch stets im Rucksack mit auf Ausflüge, um ihren Kindern Auszüge daraus vorzulesen. «Und wenn wir etwa den magischen Baum finden wollten, von dem wir gerade gehört hatten, mussten wir eben immer noch ein Stück weiterlaufen – so kam die ganze Familie schliesslich zufrieden am Ziel an.»

Zeitmangel bremste aus

Zurück in der Schweiz entschied sie sich, ein ähnliches Buch zu schreiben – nur sollte dieses in Illnau spielen. Die Hauptfigur: Knolle, ein Waldgeist, angelehnt an die Räuchermännchen aus dem Erzgebirge. Bösch, die ursprünglich aus Sachsen-Anhalt kommt, ist mit diesen Männchen aufgewachsen, die jeweils zur Weihnachtszeit ihren Einsatz haben.

«In meiner Geschichte will das Männchen nach der Weihnachtszeit nicht mehr in die Kiste zurück, sondern schleicht sich davon.» Bösch trug die Idee einige Jahre mit sich, spann die Handlung immer weiter. «Doch wie so oft fehlte die Zeit, dass ich mich richtig an das Projekt setzen konnte», sagt Bösch.

 

Das Räuchermännchen «Waldgeist» dient als Vorbild für Knolle.

Als dann plötzlich einzelne geplante Schauplätze der Geschichte aus dem Ortsbild verschwanden, war für sie klar: «Jetzt muss ich wirklich vorwärts machen.» So hätte etwa die alte Sägerei an der Kempttalstrasse im Buch vorkommen sollen – dort steht mittlerweile die Agrola-Tankstelle.

Doch es folgte die Corona-Pandemie. Homeschooling für die heute 9- und 11-jährigen Kinder war angesagt, das Buch musste noch weiter warten. Nebst der Kinderbetreuung gab es auch noch den Job: Bösch arbeitet Teilzeit in der Personalabteilung eines Effretiker Ingenieur- und Planungsbüros.

Diskussionen am Familientisch

Trotzdem fand sie die Zeit, sich mit der Firma Christian Ulbricht kurzzuschliessen, welche im Erzgebirge die Räuchermännchen herstellt. Bösch wollte wissen, ob sie aufgrund der Urheberrechte ihren Wichtel überhaupt als Charakter verwenden darf. «Der Marketingverantwortliche war begeistert von der Idee und bat mich, ihm das Manuskript zu schicken.»

Dies war der Ruck, den Nicole Bösch gebraucht hatte, um ihr Buch endgültig in Angriff zu nehmen. Ihre Familie half mit eigenen Ideen tatkräftig mit. «Oft diskutierten wir am Wochenende am Frühstückstisch die Namen der Figuren, die in der Geschichte vorkommen, oder was sie als Nächstes erleben sollten.»

«Mit dem Buch möchte ich Familien motivieren, gemeinsam mit offenen Augen in die Natur zu gehen.»
Nicole Bösch

Dabei sei vor allem ihr Sohn sehr kritisch gewesen und habe sie unter anderem auf inhaltliche Fehler in der Story aufmerksam gemacht. «Plötzlich sagte er, dass man im November doch gar kein Heu ernten kann, wie ich es in der Geschichte geschrieben hatte», erzählt Bösch amüsiert. So habe sie sich mit einem Bauern ausgetauscht, um sicherzustellen, dass die Szene stimmig ist.

Ihr Mann habe ihr viel Freiraum geschaffen, indem er mit den zwei Kindern am Wochenende oder in den Ferien Ausflüge machte, damit sie am Buch arbeiten konnte. In Zusammenarbeit mit Illustratorin Nadine Niemeyer-Dübi – die in Illnau aufgewachsen ist und selbständig im kreativen Umfeld tätig ist – nahmen auch die Figuren immer mehr Formen an.

Anfang März war es endlich soweit und Nicole Böschs Erstlingswerk war bereit für den Verkauf. Erste Lesungen hat die frischgebackene Autorin schon durchgeführt, unter anderem im Illnauer Hotzehuus und in einer Schulklasse. Die nächste findet anlässlich des Schweizer Vorlesetags im Purzelhuus Illnau statt.

Am Mittwoch, 18. Mai, liest Nicole Bösch im Auftrag des Elternvereins und der Bibliothek Illnau mit weiteren Vorleserinnen anlässlich des Schweizer Vorlesetags ab 15 Uhr im Purzelhuus. Schweizweit finden anlässlich des Aktionstages über 300 Lesungen statt, eine Übersicht ist online zu finden: www.schweizervorlesetag.ch.

 

«Mit dem Buch möchte ich Familien motivieren, gemeinsam mit offenen Augen in die Natur zu gehen», sagt sie. Es richte sich an Kinder im Alter zwischen 5 und 9 Jahren, sei «lehrreich, ohne belehrend zu sein» und beinhalte viel Interessantes zu Tieren wie etwa Eichhörnchen, Graureiher oder Rotmilanen – alles eigene Charaktere in der Geschichte.

Auch sie sei als Kind oft mit ihren Eltern unterwegs gewesen. «Mein Vater ist Förster und Jäger, von ihm habe ich viel über die Natur gelernt.» Diese Erfahrungen will sie an ihre Kinder weitergeben.

Zweites Buch in Arbeit

Mittlerweile wird ihr Buch auch von der Firma Chrstian Ulbricht in Deutschland verkauft. Dass man dort wenig mit den Beschreibungen von Orten in Illnau anfangen könne, sei zweitrangig, sagt Bösch. «Wichtig sind Themen wie Freundschaft, Mut und Liebe. Die Schauplätze kann man sich  – egal wo – gut vorstellen. Sie sollen Lust machen, die Natur als etwas Wunderbares und Erhaltenswertes zu sehen.»

Obwohl es nie ihr Ziel war, ein eigenes Kinderbuch auf den Markt zu bringen, hat es Nicole Bösch mittlerweile gepackt, ein zweites Buch ist bereits in Arbeit. «Derzeit beschäftige ich mich mit weiteren Projekten rund um Knolle und seine Erlebnisse, um in meinen Lesungen die Kinder mit all ihren Sinnen begeistern zu können.»

Weitere Informationen zum Buch «Knolles Reise» und Bestellung auf www.knollesreise.ch.

Nicole Bösch mit ihrem neuen Kinderbuch "Knolles Reise - Abenteuer in Illnau"10.5.2022

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