Ein Fenchel-Countdown zur Geschmacksexplosion
«Jamaican Jerk» – dahinter versteckt sich nicht etwa ein dubioser Film sondern eine von mehreren Gewürzmischungen, kreiert vom Ustermer Matthias Hirsch. Der Maschinenbau-Ingenieur hat im letzten Jahr den Schritt in die Selbständigkeit gewagt und sein Hobby zum Beruf gemacht. Seine Gewürze und Sirups werden mittlerweile in diversen Läden in der Region, aber auch in Basel, Meiringen oder Urnäsch verkauft.
«Ich habe immer gerne lustige Ideen in der Küche ausprobiert», sagt der 32-Jährige. Egal ob Experimente mit Fermentation oder die Verwendung von selbstgezüchteten Chilis – Hauptsache tüfteln, bis das Rezept passt. «So entstand vor rund drei Jahren die erste Sirupmischung für Rosenlimonade.»
Flucht vor Brexit
Damals wohnte er mit seiner Frau noch in England, wo sich die beiden auch kennengelernt haben. «Dort sind Sirups extrem gefragt», erzählt Hirsch. So sei er auf den Geschmack gekommen.
Als der Brexit immer realistischer wurde, entschieden sich die beiden, dem Land den Rücken zu kehren. «Meine Frau kommt aus der Schweiz – darum wohne ich jetzt auch hier», sagt der gebürtige Deutsche.
In der Folge entstanden laufend neue Ideen für Sirup- und Gewürzmischungen, ein erster kleiner Onlineshop wurde aufgeschaltet. Matthias Hirsch konzentrierte sich immer mehr auf seine kleine Firma «Gipfelhirsch» nebst seiner Vollzeitanstellung.
Angelehnt an seinen Namen soll der Begriff «Gipfel» die Swissness seines Unternehmens betonen. Die Zutaten für seine Produkte bezieht er wenn immer möglich aus der nächster Umgebung – teilweise sogar aus dem eigenen Garten. «Im letzten Sommer wuchsen um unser Haus schliesslich fast 150 Chilipflanzen.» Aber auch Holunderblüten oder Lavendel stammen aus der Schweiz und den Nachbarländern.
Von der mediterranen Mischung «Edesia» über den Allrounder «Bergflamme» bis hin zum mexikanischen «Chiribaya» oder Sirupkreationen wie «Earl Green Himbeer» wächst sein Angebot ständig weiter. Die Produkte seien indes nicht nur für einzelne konkrete Gerichte konzipiert, sondern sollen möglichst breit eingesetzt werden können. «Ferkel!» etwa sei einerseits als Rub für Fleisch, aber auch als Gewürz auf Avocado geeignet.
Alles plastikfrei
Für exotische Rohstoffe wie Zimt oder Kaffee ist Hirsch derweil auf internationale Lieferanten angewiesen. «Dabei ist Fairness das oberste Gebot.» Dass sowohl sein Wohnort Uster als auch der Büro- und Herstellungsstandort Wallisellen als «Fair Trade Town» ausgezeichnet wurden, freue ihn dabei besonders.
Auch bei den Verpackungen strebt Hirsch Nachhaltigkeit an. Alle Mischungen werden in Glasflaschen mit Korkzapfen verkauft. «Bei uns ist alles plastikfrei, und was wir selber machen können, machen wir auch selber – egal ob das einen grösseren Aufwand bedeutet.» Dazu gehört unter anderem das Bedrucken und Ausschneiden von Etiketten und Verpackungen. «Dies führt zu einem besseren Verständnis für das eigene Produkt», ist er sich sicher.
«Ich liebe schlechte Wortspiele»
Matthias Hirsch, Gründer « Gipfelhirsch »
Während Hirsch bei den Themen Nachhaltigkeit und Fairness nicht viel Spass versteht, zeigt sich seine humoristische Seite bei der Vermarktung seiner Produkte umso mehr. Der Spruch «It’s the Fennel Countdown» ziert die Rückseite des Gipfelhirsch-T-Shirts, das er trägt – angelehnt an das Lied «The Final Countdown» von Europe. «Einfach mit Fenchel», sagt er und grinst.
Nicht alle würden seine Wortspiele verstehen. Ein älteres Ehepaar sei etwa vor seinem Stand am Ustermer Wochenmarkt stehengeblieben, wo er ein Schild mit dem Spruch «Thyme after Thyme» (Thyme engl. Thymian) aufgestellt hatte – und dann kopfschüttelnd weitergegangen. «Ich liebe schlechte Wortspiele, aber das ist nun halt mal nicht jedermanns Sache.»
Workshops geplant
Beim Tüfteln und Verpacken hilft ihm sein Bruder Andreas – er ist aber noch hauptsächlich mit seinem ETH-Studium beschäftigt ist. «Zwar ist Gipfelhirsch mittlerweile mein Fulltimejob, leben kann ich davon aber noch nicht», sagt Matthias Hirsch.
Trotzdem träumt er schon von den nächsten Schritten, hirnt etwa an Rezepturen für scharfe Saucen, die in Zusammenarbeit mit einem Zürcher Chili-Produzenten realisiert werden sollen. Bereits geplant sind Workshops, in denen Hirsch die Wissenschaft hinter den Geschmäckern der Gewürze vermitteln will.
«Es ist natürlich das Ziel, irgendwann weitere Personen anstellen zu können», sagt Hirsch. Noch stehe er ganz am Anfang, sehe seine Zeit aber kommen. Oder kalauernd gesprochen: «Your Thyme is Cumin!»
