Bhäbig steht das alte Holzhaus mitten in Schwarzenberg, einem Dorf im Bregenzer Wald. Oder wirkt es eher stolz? Auf jeden Fall ist es imposant. Die Inschrift «Gasthof Adler» verrät, dass es sich um eine Beiz handelt.
Bei weiterem Nachbohren erfahre ich, dass er 1756 – also im Geburtsjahr von Mozart – erbaut wurde, dass in Schwarzenberg Säumertransporte Waren aus dem Bregenzerwald ins Rheintal, an den Bodensee und bis nach Oberitalien brachten, dass die klassizistische Malerin Angelika Kaufmann von dort stammte, und dass regelmässig eine Schubertiade stattfindet.
Der Baum ist kahl und vor den Fenstern sind keine Geranien.
Beeindruckend, all die Geschichten. Doch beim Betrachten dieses Hauses ist irgendetwas, das mich irritiert, etwas, das ich vermisse. Nach langer Überlegung komm ich drauf: Der Baum ist kahl und vor den Fenstern sind keine Geranien. Dabei ist die Gegend dort doch ein Paradies der mit üppigen Blumenkistchen geschmückten Fenster.
Wahrscheinlich habe ich die falsche Jahreszeit erwischt. Bei genauerer Recherche bin darauf gestossen, dass der «Adler» sein Dasein unbeblumt fristet, während sein Nachbarhaus «Hirsch» mit Geranien protzt.

